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Die 2000 Mitglieder umfassende Gewerkschaft der dänischen Pfarrer ist besorgt über die zunehmende Zahl von Seelsorgern, die ihre Stelle aufgrund von stressbedingten Symptomen kündigen. Laut Gewerkschaftsangaben waren allein im letzten Jahr 30 Fälle bekannt geworden. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine rein dänische Entwicklung . Eine 'Ausgebranntheit' der Seelsorger ist allgemein zu beobachten - und das weltweit mit steigender Tendenz. Langfristig wird das wohl auch Jugendkirchen betreffen.
"Für Gott sind Krankheiten kein Problem, er geht mit allen Menschen einen Weg", so der Diplompsychologe Joachim Lask. Die Tiefenpsychologie hingegen, zu der die Psychoanalyse und die Individualpsychologie gehören, sei nicht auf jedem Gebiet erfolgreich.
Wie deine Tage, so deine Kraft! 5. Mose 33,25
Immer mehr Pfarrer leiden unter dem Burn-Out-Syndrom - und das weltweit. Extreme Erschöpfung, Gefühle der Überlastung und des "Nicht-mehr-Könnens", Lustlosigkeit und Desinteresse an nahezu Allem, ein Zustand der inneren Leere bis hin zu depressiven Verstimmungen.
Das "Ausgebranntsein", das auf körperlicher Ebene zumeist mit Schlaf-, Kreislauf- und Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindelanfällen und Atembeschwerden einhergeht, existiert schulmedizinisch betrachtet lediglich als Nebendiagnose. Und doch klagen immer mehr Menschen darüber.
Was in den 90er-Jahren noch als "Manager-Krankheit" gegolten hatte, tritt heute schon nahezu flächendeckend auf. Meist sind es extrem engagierte Menschen, die ihren Beruf über das Privatleben stellen und denen irgendwann der Ausgleich fehlt. Gerade das hohe Engagement in einer Gemeinde oder im Umgang mit Not leidenden Menschen kann zum Bumerang werden.
Ein Problem ist die Vernachlässigung des eigenen Sozialgefüges. Es heisst dann, "wenn wir diese Durststrecke durchhalten, dann wird es wieder besser!” Doch so wie eine Pflanze bei Wassermangel eingeht, so kann auch ein Privatleben bei allzu langen Entbehrungen verwelken.
Besser eine Hand voll Ruhe als beide Fäuste voll Mühe und Haschen nach Wind.
Prediger 4,6
Das Burn-Out-Syndrom als Folge eines rastlosen Einsatzes ohne Ruhepausen, Stress und Hektik werden zugleich verflucht und gesucht. Wer nichts anbrennen lässt, brennt bald aus - ganz im Sinne von Kurgan: "Es ist besser auszubrennen, als zu verblassen!" (aus dem Film 'Highlander').
Viele zerbrechen allerdings an übersteigerten Zielvorstellungen. Abschalten und Ablenkungen sind dann nur oberflächliche Rezepte, Zerstreuung ein schlechter Ratgeber, da zu der Alltagshektik der Freizeitstress hinzukommt.
Modern ausgedrückt: Die Work-Live-Balance stimmt nicht mehr. Der Psychiater Andreas Hillert hält es für problematisch zu glauben, die "leeren Batterien" müssten einfach nur wieder aufgeladen werden. Effektiver sei es, die Ansprüche an sich selbst zu reduzieren und damit den Arbeitsdruck.
"Menschsein heisst: sich minderwertig fühlen." Dieses Zitat von Alfred Adler, dem Begründer der Individualpsychologie, deutet auf die Minderwertigkeitsgefühle eines Menschen hin. Adler bewertet solche Gefühle interessanterweise nicht als etwas grundsätzlich Negatives, sondern bezeichnet sie als "Überkompensation" - ein Mechanismus, der aus Schwächen Stärken werden lässt; und es kann sich im Gegenteil positiv auswirken, indem es den Menschen anspornt, sein jeweiliges Defizit zu überwinden.
Lask wies aber auf die Gefahren hin, die bei diesem Überwindenwollen drohen. Er nannte Neigungen zu unrealistischen Lebenszielen und neurotische Arrangements, wie zum Beispiel die Aussage: "Wenn ich nicht so krank wäre, könnte ich es allen zeigen."
Burn-Out-Forscher stellten aufgrund empirischer Beobachtungen fest, dass das Ausgebranntsein oft auch ein Zeichen für falsche Lebensziele sei. Die grossen Sinnfragen wurden nie richtig beantwortet. Deshalb gilt es, dem Sinnvakuum ein Lebensziel entgegenzusetzen, das den eigenen Horizont übersteigt.
Zum Leben braucht man mehr als Geld und Zinsen. Man braucht ein Ziel, einen festen Halt - man braucht ganz einfach Gott. In Harmonie leben - und damit ein Ausbrennen vermeiden - kann nur in Übereinstimmung mit dem Schöpfer gelingen. Denn dann fühlt man sich wertgeschätzt von dem, der Wert vermitteln kann und auch gibt.
Sei nicht allzu gerecht und allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Prediger 7,16 In der Pfarrerschaft häufen sich einer Untersuchung zufolge die Burn-Out-Symptome überdurchschnittlich. Die Dienstunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen komme in letzter Zeit häufiger vor, heisst es in einem Bericht der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Die Anzeichen für das Ausgebranntsein von Pfarrern und Mitarbeitern reichten bis zum völligen Zusammenbruch. Das evangelische Landeskirchenamt macht in einem Bericht verschiedene Ursachen für diese Entwicklung verantwortlich. Genannt werden veränderte Arbeitsbedingungen, höhere Anforderungen und geforderte Flexibilität. Auch Gehaltskürzungen durch Wegfall des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes und steigende Nebenkosten führten zu Verunsicherungen und förderten Burn-Out-Syndrome, hiess es. Die Vorsitzende der Gewerkschaft der dänischen Pfarrer, Sabine Bech-Hansen, äusserte gegenüber dem Informationsdienstes "Church News" ihre Enttäuschung über die fehlenden Bemühungen, dieses Problem zu beheben, obwohl in einem vor fünf Jahren erschienenen Bericht nachzulesen sei, dass ein Fünftel der Pfarrer unter Stress leidet. Der verantwortliche Minister, Bertel Haarder, habe zwar vor drei Jahren einen Ausschuss eingesetzt, der das Problem untersuchen sollte, aber seitdem sei kaum etwas geschehen, so Professor Finn Gyntelberg, der in einer Klinik für arbeitsbedingte Krankheiten in Kopenhagen arbeitet. "Wir haben im ganzen Land viele Pfarrerinnen und Pfarrer getroffen, die unter ernsthaften Problemen litten. Und es sind sicherlich nicht weniger geworden", betonte Gyntelberg. Es gibt sogar Beispiele in der Bibel. Als Mose Besuch von seinem Schwiegervater Jethro bekommt, fällt dieser aus allen Wolken. Er erlebt einen Schwiegersohn, der von Morgens bis Abends mit der Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Volk Israel beschäftigt ist. "Du machst dich zu müde”, erkennt Jethro sofort und rät: "Suche dir einige rechtschaffene Männer für die kleineren Streitigkeiten - und du richtest nur noch die grossen und wichtigen Fälle.” (2. Mose 18,13-27) Siehe auch: www.Jugendkirche und 'Burn-Out'? Momentan undenkbar! Buchtipp:Myron Rush: Brennen ohne auszubrennen Burn-Out-Syndrom - Behandlung und Vorbeugung. Schulte & Gerth ISBN: 3-89437-660-0, 192 Seiten Weiterführende Literatur:Kretschmann R.: Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer. Weinheim: Beltz 2000. Maslach C. & Leiter M.: Die Wahrheit über Burn-Out. Stress am Arbeitsplatz und was Sie dagegen tun können. Wien: Springer 2001. Müller E.H.: Ausgebrannt. Wege aus der Burn-Out-Krise. Freiburg: Herder 2001. Pfeifer S.: Der sensible Mensch. Leben zwischen Begabung und Verletzlichkeit. Haan: Brockhaus 2002. |