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Ist Latein in der Jugendkirche 'kultig'? |
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Geschrieben von pierre roh
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Mittwoch, 11. Juli 2007 |
'Tradition - warum nicht? Rückschritt - nein, danke!' Viele katholische Jugendkirchen, Geistliche und Seelsorger stehen ähnlich zur "tridentinischen Messe", die der Priester hauptsächlich in Latein und mit dem Rücken zum Volke hält. Diese hatte Papst Benedikt aufgewertet. Die lateinische Messe solle 'zur Verfügung stehen' und auf Wunsch solle sie der Priester auch anbieten, teilte der Papst mit. In einem am Samstag im Vatikan veröffentlichten apostolischen Schreiben ordnete er an, dass die Gottesdienste nach der alten Liturgie gefeiert werden sollen, wenn das der Wunsch "einer Gruppe von Gläubigen" einer Gemeinde sei.
Papst Benedikt XVI. hat die traditionelle römische Messfeier weltweit wieder freigegeben. Damit können Priester künftig ohne Erlaubnis des Ortsbischofs den alten Usus zelebrieren, der 1970 durch eine reformierte Liturgie ersetzt worden war. Messen nur noch in Latein, sofern es die Gläubigen wünschen - viele Katholiken sehen darin allerdings einen deutlichen Rückschritt. Auch Bischöfe hatten Benedikt XVI. vor Spannungen gewarnt. Die alte römische Liturgie wird in lateinischer Sprache zelebriert und ist durch zahlreiche stille Gebete des Priesters gekennzeichnet, die länger und ausführlicher sind als im neuen Usus. Der alte zeichnet sich zudem durch eine weniger aktive Teilnahme der Kirchgänger an der Messe aus. "Seit 1970 ging es nicht mehr darum, in der Messe zu beten, sondern die Messe zu beten", erklärte der Sprecher der Österreichischen Bischofskonferenz, Erich Leitenberger. Hintergrund der Freigabe des alten Usus durch den Papst ist es, die kleinen Gruppen wieder in die katholische Herde einzugliedern, die nicht bereit waren, die Reform mitzuvollziehen. Darunter befindet sich unter anderen die Million Anhänger des exkommunizierten französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre. Form bleibt gewahrt
Jedem Bischof steht das Recht zu, in der eigenen Diözese die Liturgie zu ordnen. Das Apostolische Schreiben regelt in 12 Artikeln eher grundsätzlich die beiden Formen des einen Ritus. Papst Benedikt hat betont, dass das derzeitige, von Papst Paul VI. veröffentlichte Messbuch, die "normale Form" der Gottesdienstliturgie ist und bleibt. Die Feier in der "ausserordentlichen Form" kann an Werktagen stattfinden, an Sonntagen jedoch nur eine. Auf Wunsch kann eine Gruppe den Pfarrer bitten, die Hl. Messe nach dem 1962 herausgegebenen Römischen Messbuch zu feiern. Für sich alleine hat der Pfarrer die freie Wahl. Er benötigt keine Erlaubnis. Ordentliche Form der Messfeier bleibt aber weiterhin die reformierte Liturgie, die heute zumeist in der Landessprache zelebriert wird. "Die erste Welle der Reaktionen war durchweg positiv", so Leiter der Pressestelle des Erzbistums Paderborn, Ägidius Engel. "Das Anliegen des Heiligen Vaters, dem es um liturgische Bildung, um einen würdigen Kult und um innerkirchliche Versöhnung geht, ist positiv aufgegriffen und verstanden worden." Allerdings: "Ich habe als Messdiener die lateinische Form erlebt und die Stufengebete gesprochen, ohne alles zu begreifen. Persönlich ziehe ich die ordentliche Form der ausserordentlichen deutlich vor. Glaube braucht Verstehen." Was bedeutet überhaupt eine tridentinische Messe? Engel hierzu: "Der Messablauf ist vollständig in Latein. Allerdings regelt der Artikel 6 ausdrücklich, dass die Lesungen auch in der Volkssprache verkündet werden dürfen. Es ist die Feier des Messopfers in der Gestalt vor der Reform der Messliturgie, die 1970 erfolgte. Das Messopfer wird in lateinischer Sprache gefeiert. Der Priester zelebriert mit dem Rücken zur Gemeinde. Die Gottesdienstform wurde nach dem Trienter Konzil 1570 unter Papst Pius V. gebräuchlich. 1962 legte Papst Johannes XXIII. mit vorsichtigen Änderungen das letzte Römische Messbuch vor." Nicht alle sind von der lateinischen Messe angetan
Olsbergs Pfarrer Norbert Lipinski gibt zu: "So aus dem Stegreif eine tridentinische Messe zu feiern, das wäre für mich ein bisschen schwierig." Zum einen wurde der 41-Jährige während seiner Ausbildung nicht mehr auf diese besondere Messform vorbereitet. Zum anderen sei es ungewöhnlich und eigenartig, der Gemeinde zum Beispiel bei der Wandlung den Rücken zuzukehren: "Als Priester der neuen Generation habe ich den Kontakt mit dem Volk gelernt. Ich sehe den Gläubigen gern in die Augen." Diesen Blickkontakt schätzt Sonja Gutzeit (26), Mitorganisatorin der Jugendkirche Brilon, die sich gerade in Aggiornamento umbenannt hat: "Dem Volk den Rücken zuzudrehen, das empfände ich als Rückschritt, weil es die Gemeinschaft auseinanderreisst." Aber mehr Latein in der Messe "ist kultig, solange die Predigt nicht auf Latein ist. Das wäre mir doch zu hoch." Heribert Knecht, Mitglied im Pfarrgemeinderat Hallenberg und aus Überzeugung zweimal Christus-Darsteller bei den Passionsspielen: "Für mich wäre das ein Schritt zurück. Kaum jemand versteht die Sprache. Von mir aus könnte man das einmal im Monat anbieten. Aber es dürfte nicht zur Regel werden." Während Pastor Lipinski schon möglichen Bedarf sieht, weil es hier "eine Bandbreite von Gläubigen" gibt, würde Brilons Dechant Michael Kleineidam "ganz genau prüfen, wer die Anfragen stellt". Er hält nicht so viel von dieser konservativen Art der Messfeier, weil sie oft aus "ideologischen Gründen" zelebriert werde und sich doch vom Inhalt nicht so sehr von der deutschen unterscheide. "Sprache darf Mysterium sein"
"Wir mussten das Stufengebet in Lateinisch lernen, sonst konnten wir nicht Messdiener werden", erinnert sich Ruheständler Bernhard Sommer an die 50er Jahre. Als Küster der St.-Nikolai-Kirche hat er zwei alte Messbücher im Chorraum ausgestellt und er weiss noch, wie schwer das Werk von 1889 damals wog, als er es mit Ständer um den Altar herum trug. "Unter anderem für den Segen ,dominus vobiscum´ drehte sich der Priester um", sagt Sommer. Er bezweifelt, dass viele Gläubige damals verstanden haben, was sie beteten. Zum Predigen - in Deutsch - ging der Geistliche auf die Kanzel. Engel: "Sprache darf auch Mysterium sein. Nicht wenige junge Menschen suchen im Glauben wieder das Geheimnis. Die lateinische Liturgie der Kirche verbindet Kulturen und Völker. Beide Formen des Ritus können einander befruchten. Die normale Form ist die volkssprachliche, nicht die lateinische." Glauben müsse "in der tiefsten Sprache, die in einem angelegt ist", vermittelt werden. Das besage die Apostelgeschichte, spricht sich Gunter Filbry, Mitorganisator der Briloner Gespräche, für die Messe in Deutsch aus. Er glaubt, dass der Schritt des Papstes ein taktischer war: "Er stellt erst die Traditionalisten zufrieden. So kann er im nächsten Jahr, das er zum Paulus-Jahr ausgerufen hat, mehr für die Erneuerung der Kirche tun. Das traue ich ihm zu." |
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