Stockmeier forderte Politik und Gesellschaft auf, mehr in die Zukunft junger Leute zu investieren. Projekte mit und für Familien und Jugendliche würden deshalb aus Spenden der badischen Aktion Opferwoche unterstützt, weil die reguläre Finanzierung der öffentlichen Haushalte oft nicht ausreiche.
Stockmeier: "Das Kriterium für Hilfe darf nicht nur der Preis sein." Stattdessen gehe es um angemessene Hilfeplanung. Trotz des neuen Rahmenvertrages können Angebote der Jugendhilfe aufgrund von Finanzierungsproblemen der öffentlichen Hand nicht genutzt werden. Vor allem für Kinder und Jugendliche, die unter den Paragrafen 35a des SGB VIII fallen, in dem es um seelische Behinderungen geht.

Therapeutische Maßnahmen für Kinder und Jugendliche mit Neurosen, Psychosen, Borderlinestörungen, Beziehungsproblemen mit ihren Eltern, die die Krankenkassen zahlen müssten, seien 'Luxus' geworden. Deshalb fordere die Diakonie Baden: Die Grundstandards für eine gerechte und ausreichende Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg müssen bewahrt und mancherorten wieder hergestellt werden. "Bürger haben damit selbst auch die Möglichkeit, gesellschaftlich Verantwortung für Kinder und Jugendliche zu ergreifen, indem sie in dieser Woche spenden", so Stockmeier.
Mit einen Gottesdienst in der Lahrer Stiftskirche eröffnete der badische Landesbischof Ulrich Fischer am Wochenende die Opferwoche der Diakonie. Gleichzeitig endete damit die Visitation Fischers für den evangelischen Kirchenbezirk Lahr.
Thomas Abraham, Pfarrer der Stiftskirche, begrüsste Jugendliche und junge Erwachsene, die mit der Kantorei der Kirche sowie den Kirchenchören aus Ichenheim und Dundenheim den Gottesdienst mitgestalteten. Das Thema der landesweiten Opferwoche lautet "Wieder mitten im Leben. Dank Ihrer Spende".
Jugendliche und Mitarbeiter sowie Menschen, die Unterstützung der Diakonie bekommen, schilderten ihre Erfahrungen mit der Diakonie. Eine junge Frau sagte, dass sie gelernt habe, eine Bewerbung zu schreiben und sich vorzustellen. Ein Jugendlicher erklärte, dass er mit Hilfe der Diakonie gelernt habe, sich in Politik und Gesellschaft besser zurechtzu-finden. Eine Frau bedankte sich dafür, dass ihr die Diakonie bei der Pflege ihrer Angehörigen hilft.
Das Motto griff Landesbischof Fischer in seiner Predigt auf. Er zitiert aus dem Buch des Jesaja, der an einen Marktschreier in der Stadt Babylon erinnerte. Fischer unterstrich, erinnern, dass man 'Hunger nach Leben' und 'Durst nach dem Segen' auch heute kennen würde: "Selbst in einer Zeit, in der das tägliche Überleben gesichert scheint, gibt es eine unstillbare Sehnsucht nach dem Sinn und dem Leben."
Fischer erinnerte an den kürzlich beendeten Evangelischen Kirchentag in Köln, auf dem man die 'Sehnsucht nach Gott stillen konnte'. Er erklärte, dass man die Visitation des Lahrer Kirchenbezirks sowie den Beginn der Opferwoche nutzen würde, um 'Aufgaben und Ziele der Kirche neu zu formulieren'. Der Bischof zeigte sich erfreut, dass man zusammen die "Kirche als tragende Gemeinschaft erfahren habe".
Peter Zimmermann, Geschäftsführer der Diakonie des Ortenaukreises, wies darauf hin, dass es weitere Veranstaltungen zur Opferwoche geben werde. In der Offenburger Gemeinde Heilig Geist ist eine Ausstellung mit dem Titel »Anders cool« zu sehen und die Diakonie macht am kommenden Samstag mit Ständen in den Städten Offenburg, Lahr und Zell a. H. auf ihre Arbeit aufmerksam.
