Das Parlament der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) hat sich einstimmig für eine Jugendkirche ausgesprochen. Die Synodalen haben eine Projektgruppe beauftragt, in nähere Planungen einzusteigen. Bis zur Herbstsitzung im November soll ein Konzept für ein Sakralgebäude entstehen, das ausschließlich Jugendlichen offensteht: "Wir brauchen positive Impulse dieser Art".
Bremen ist bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte der Jugendkirchen. Im niedersächsischen Umland gibt es bereits fünf - vorwiegend katholische - Jugendkirchen, weitere Projekte sind in Planung. Das muss anders werden, so die einhellige Meinung der Bremer InitiatorInnen um Landesjugendpfarrerin Ruth Fenko. Schließlich werden in

Bremen jedes Jahr durchschnittlich 1.800 bis 2.000 Kinder getauft; mehr als 7.000 Kinder und Jugendliche nehmen an Veranstaltungen der Jugendarbeit teil. Doch es gibt eben auch zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene, die von den traditionellen kirchlichen Angeboten nicht erreicht werden.
In Bremen wurde von Jugendlichen und MitarbeiterInnen der Jugendarbeit bereits seit Anfang 2006 eine Jugendkirche erdacht. Im Januar 2007 hatten sie in einem Workshop gemeinsam Ideen und Wünsche für ihre ideale Jugendkirche zusammengetragen. Diese Wünsche wurden dann den InitiatorInnen nun dem Kirchenparlament vorgestellt. Sie hatten einen Film im Gepäck, zahlreiche in einem Workshop liebevoll gestaltete Modellkirchen und ganz viel Mut zur Diskussion mit den Erwachsenen.
"Wir wünschen uns einen Ort, in dem wir willkommen sind. Wir wünschen uns eine Kirche, die immer wieder neu aussieht, in der wir Verantwortung tragen" Diese Kirche soll z..B. gemütliche Sitzgruppen haben, einen selbst gestalteten Altarraum, verschiedene Räume für Entspannung und Ruhe oder laute Musik, ein Außengelände und "viel Platz zum Spielen und zum Feiern," so die Bremer Jugendlichen einhellig.
- Eine Jugendkirche richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren, die bisher eher kirchenfern sind.
- Die Jugendkirche Bremen ist eine Vision, auf die Jugendliche gemeinsam mit kirchlichen MitarbeiterInnen seit 2006 hinarbeiten.
- Jugendliche wollen Verantwortung übernehmen. Deshalb wird eine Jugendkirche nicht nur für, sondern vor allem mit Jugendlichen zusammen erdacht.
- Jugendliche suchen religiöse Orte, die ihrem Lebensgefühl und ihren Alltagserfahrungen entsprechen. Sie wollen experimentieren und neue religiöse Formen ausprobieren.
- Neben spirituellen Angeboten gibt es in einer Jugendkirche viele weitere Schwerpunkte, z.B.: Seelsorge, Berufsorientierung, Mittagstisch u.v.m.. Ergänzt wird das Angebot durch Theater, Konzerte; Musicals, Ausstellungen.
- Jugendliche wünschen sich einen eigenen Kirchraum, den sie nach ihren Vorstellungen immer wieder neu gestalten können. Damit sie sich hier wirklich willkommen fühlen, muss ihnen dieser Raum dauerhaft und verlässlich zur Verfügung stehen.
"Wir brauchen positive Akzente, da geht einem das Herz auf", so ein Delegierter des Kirchenparlaments begeistert über die Pläne. Die Sympathie der Delegierten war groß, sie tauschten sich nur kurz aus. Grundsätzlich, so wurde betont, sei die Jugend die Zukunft der Kirche und für ihre spirituellen Wünsche und Vorstellungen müsse in der Bremischen Evangelischen Kirche Platz sein oder Platz gemacht werden.

Beteiligung wünschen sich die Jugendlichen in der Kirche, einen geschützten Raum, den sie selber gestalten können. Das würde, so die einhellige Meinung, "das verstaubte Image der Kirche verändern." "Wir möchten eine Kirche, in der wir unsere Sprache sprechen und unsere Lieder singen können", sagte Mitinitiator Jasper von Legat. Wo die Jugendkirche entstehen soll, ist noch unklar. Grundsätzlich soll aber nicht neu gebaut, sondern ein bestehendes Sakralgebäude für eine zunächst befristete Zeit von fünf Jahren in die Hände von Jugendlichen übergeben werden.
Das Projekt stehe nicht in Konkurrenz zu herkömmlichen Angeboten, ergänzte Diakonin Christine Poppe. Es spreche Heranwachsende an, die im Moment einen großen Bogen um die Kirche machten. "Wir brauchen positive Impulse dieser Art", hieß es. Sie betonte ferner, dass Jugendliche nicht nur die Zukunft der Kirche seien, sondern die Gegenwart. Es sei wichtig, dass die Kirche ihnen sage, "Ihr seid uns jetzt willkommen, so wie ihr jetzt seid".

Es gab aber auch kritische Anfragen: Jugendliche, so hieß es, dürften nicht in eine Nische abgeschoben werden, damit der Rest der Gemeindemitglieder weiter unter sich sein könne. "Wir brauchen die Provokation und die Ideen der Jugendlichen. Wir brauchen sie als ungeheuer kreativen Motor".
Von der Jugendkirche müssten auf jeden Fall Impulse ausgehen, um die Jugendarbeit in den anderen Gemeinden zu befruchten. Wichtig sei, dass die Jugendkirche sich gastfreundlich für jugendliche Gemeindegruppen öffne.
Außerdem müsse die geplante Jugendkirche auf die Rahmenbedingungen einer sich deutliche verändernden Schullandschaft zugeschnitten werden. Ab sofort, so betonte Landesjugendpfarrerin Ruth Fenko, werde die Projektgruppe nun eine Gemeinde suchen, um mit ihr das Projekt Jugendkirche in den nächsten Monaten zu realisieren.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Landesjugendpastorin Ruth Fenko
c/o Landesjugendpfarramt
Hollerallee 75
28209 Bremen
Tel.: 0421 / 3461550
Fax.: 0421-3461-552
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