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Headsets für das Musical (2) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Montag, 24. Mai 2004
Fortsetzung für angemeldete BesucherInnen

Üblicherweise sind 6-12 Funkmikrofone im Einsatz, die entweder mit hautfarbenem Klebstreifen auf die Backe geklebt oder mit einem Kopfbügel (Headset) befestigt werden, dazu gehört ein kleiner, Batterie-betriebener „Taschen“-Sender, der mit einem Clip meist am Gürtel der AkteurInnen hängt und ein (Diversity-)Empfänger, der den Ton ans Mischpult übergibt. Jedes Mikrofon sendet auf einem anderen Kanal, es wird also eine 6-12 Kanal-Microportanlage benötigt.

Muss man sich diese Anlage  mieten, geht das schnell ins Geld, schließlich kann sie nicht erst zur Generalprobe dazu genommen werden, die sensible Technik muss einjustiert und der Umgang mit ihr geübt werden (Beste TechnikerIn ist machtlos, wenn DarstellerIn zu leise in ein verrutschtes Headsetmikro nuschelt und mit der Hand dauernd versehentlich dagegen schlägt).

 

Bei fünf Proben und drei Aufführungen kommen da leicht 2000 EUR Mietkosten zusammen, für den sechsfachen Preis kann eine hochwertige 12-Kanal-Anlage bereits selbst beschafft werden. Eine Investition, die sich für alle Jugendkirchen ab einem Musical pro Jahr lohnt, denn ist sie erst einmal da, finden sich zahlreiche zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten: Bei Bandauftritten, szenischen Lesungen, Moderation und  Diskussions-Veranstaltungen ist sie bald nicht mehr wegzudenken, besonders wenn man sie um einige drahtlose Handmikros ergänzt. Und Veranstaltungen, die wegen der hohen Technikkosten für eine Microportanlage bisher nicht stattfinden konnten, stehen nun häufiger im Programm und belasten das Budget nur mit einem Satz frischer Batterien.

Nicht verschwiegen sei die Notwendigkeit einer qualifizierten Betreuung der Anlage durch HaustechnikerIn oder eingewiesene MitarbeiterInnen, zum Beispiel kann die stecknadelgroße Öffnung der (Lavalier-) Mini-Mikrofone durch Schminke leicht zugesetzt werden, sie sind dann unbrauchbar. Das planlose Verstellen der UHF- Sende- oder Emfangsfrequenzen kann Störungen auch für andere Kanäle erzeugen und die richtige Platzierung der Empfangsantenne vermeidet Sendeabbrüche. Eine eigene Anlage hat hier den Vorteil, dass MitarbeiterInnen daran geschult werden können und örtliche „Problemzonen“ wie z.B. Störfrequenzen aus der Nachbarschaft oder „tote Ecken“ in Ruhe ausgetestet und durch entsprechende Justierungen von Anfang an vermieden werden. 

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Frequenzbereiche für diese Anlagen: VHF, UHF (kennen wir vom Fernsehen) und Höchstfrequenzbereich. VHF-Geräte (200 MH) sind seit vielen Jahren auf dem Markt, sind gnadenlos billig in der Anschaffung, gut für einfachste, kleine Anwendungen, verbrauchen aber viel Batterie und können aufgrund der Frequenz keinen besonders guten Klang bieten. Sie überbrücken relativ weite Strecken, das ist einerseits vorteilhaft, andererseits hat man dadurch leicht einmal einen konkurrierenden Sender als Störfrequenz in der Anlage.
UHF-Geräte (800 MH) sind sparsam im Batterieverbrauch, bieten wesentlich besseres Klangvolumen und höhere Dynamik, dafür kann es im Grenzbereich der 30 m -Entfernung leichter zu Sendeabbrüchen kommen, was durch sorgfältig platzierte Antennen und eventuell einem Antennenverstärker gut kompensiert werden kann. Diese Technik wird von den Profis verwendet, wir können sie auch nur empfehlen.
Ganz neu auf dem Markt sind Höchstfrequenz-Anlagen (2,4 GH), die noch besseren Klang als UHF bieten, aber auch noch wesentlich empfindlicher und zwingend auf Antennenverstärker angewiesen sind. Hohe Anschaffungskosten muss man derzeit noch in Kauf nehmen, außerdem einen hohen Batterieverbrauch.

Auf dem Markt konkurrieren zahlreiche Hersteller im unteren Preissegment mit Anlagen bis zu 6 Sendestrecken, sobald man allerdings wegen der notwendigen Reserven für größere Produktionen eine 12-Kanal-Anlage fordert, (mit ca. 16 speicherbaren Frequenzen und der dringend zu empfehlenden Batterie-Fernüberwachung) wird das Angebot dünner. Wo früher Sennheiser mit der 500er-Serie, Shure und AKG als Marktführer die Profi-Musicals ausstatteten, sind mittlerweile Anlagen von z.B. Fa. dB-Technologies (Serie 910) direkt vergleichbar, weisen die gleichen technischen Kenndaten auf, bieten ähnlich guten Service, sind aber deutlich günstiger. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen, da wir eine Anlage ein halbes Jahr lang unter den verschiedensten, sehr harten Belastungen und nicht gerade optimalen Bedingungen getestet und für gut befunden haben. Eine erste Marktübersicht kann man sich im Internet verschaffen, z.B. bei  Musik-Produktiv Internetkatalog Funkmikrofone.

Von der Anschaffung einer älteren, gebrauchten Anlage ist eher abzuraten, das elektronische Innenleben hat sich in den letzten Jahren nochmals deutlich verändert und verbessert, angefangen bei den leistungsfähigen LCD-Displays, über Gewicht bis hin zum Batteriverbrauch.

Sinnvoll ist in jedem Fall (und bei der Beschaffung solch teuren Equipments bei den Amtskirchen auch zwingend erforderlich) eine Beratung durch eine unabhängige Fachperson und der eigenen HaustechnikerIn, die Festlegung der Mindest-Kenndaten (möglichst ohne genaue Fabrikat-Festlegung) und  eine Ausschreibung der Anlage bei verschiedenen (mindestens drei) Lieferanten. Dabei nicht vergessen, passende stabile Gehäuse (Racks) für die teure Technik zu bestellen, damit sie trotz rauer Betriebsbedingungen lange erhalten bleibt. In jedem Fall sollte eine Lieferung frei Haus, eine ausführliche Einweisung und eine Übergabe der Anlage im Vollastbetrieb VOR ORT vereinbart werden, damit man auch sicher sein kann, dass die Anlage in der Jugendkirche zuverlässig funktioniert.

Diese Anschaffung eignet sich auch gut für eine Fundraising-Initiative: Man könnte  Finanziers suchen, die bei jedem Einsatz der Anlage als Sponsor genannt werden, im Programmheft, im Internet, auf Plakaten und bei der Ansage der meist publikumsträchtigen Events  - und der Sponsor kann die Anlage bei Bedarf gelegentlich auch selbst ausleihen, inclusive fachkundiger Bedienung.

 
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