Als vor ein paar Monaten der grosse Büroraum der Jugendbeauftragten im Haus Hof 7 frei wurde, entstand die Idee, dort ein Jugendkirchenprojekt zu starten. Ein kleiner Ort voller Atmosphäre, leer, beheizbar, wohnlich, nicht ständig für anderes blockiert. Ein Ort, an dem man sich auch mit kleinen Runden nicht verloren und verlassen fühlt. Ein Raum, den man füllen kann - mit Menschen, mit Musik, mit Stille, mit Meditation, mit Gespräch, mit Begegnung, mit Gotteserfahrung.

Kafarnaum, das ist die Idee, absolut zentral in der Aachener Innenstadt einen Ort zu schaffen, an dem jugendliche Religiosität und Spiritualität eine Tankstelle findet. An unerwarteter Stelle, in einem früheren Büroraum mitten in der Fussgängerzone, soll ein Ort voller Atmosphäre geschaffen werden: hell und warm und schlicht und meditativ und musikalisch und sehr, sehr einladend zur Begegnung mit anderen Menschen und mit Gott.
Kafarnaum [kafarna:um], das ist ein Ort in Israel, im Norden, am See Gennezareth, dem Meer von Galiläa. Dort oben am See fand Jesus seine ersten Jüngerinnen und Jünger, dort begann er seine Predigt, im Kleinen: in Häusern und Hütten, auf den Strassen und in den Bethäusern, dort stand das Haus des Petrus, in dem sich der Freundeskreis um Jesus immer wieder traf. Schon bald kamen so viele Leute zusammen, dass das Haus zu klein wird. Hier vermehrte er Brot und Fische, predigte den Menschen die Seligpreisungen, heilte Kranke von ihren Krankheiten und Verlassene von Ihrer Einsamkeit.
Kafarnaum ist ein mittelgrosser, wunderschöner Raum von ca 30 Quadratmetern, der von und mit und für Jugendliche und junge Erwachsene umgebaut zu einem Pilotprojekt in Sachen Jugendkirche in Aachen werden soll. In Kafarnaum soll es fromm zugehen, aber nicht frömmelnd. Ein Ort, an dem Jugendliche mit dem Religiösen in Kontakt kommen können.
Ein Ort an dem jahrhunderte und jahrtausende alte Elemente mit einer postmodernen Welt in Kontakt kommen. In regelmässigen Angeboten wie Meditation, Taizégebet, musikalischem Lobpreis oder Jugendgottesdienst auch experimenteller Art soll das Thema gelebter Glaube alt und neu buchstabiert werden.

In der Tat fühlt sich eine grosse Mehrheit der Jugendlichen in den gemeindlichen und gemeindegottesdienstlichen Angeboten der Kirche nicht zuhause. Dennoch gibt es Jugendliche und junge Erwachsene mit Interesse und Sehnsucht nach authentischer und spürbarer Spiritualität, Liturgie, Meditation, Stille, Gesang, religiöser Atmosphäre, Gotteserfahrung und besonders nach der Begegnung mit anderen, die ebenfalls auf der Suche sind. Diese Jugendlichen benötigen keine Eventkirche, sondern sie warten auf geeignete Orte und Zeiten für echte Erfahrungen mit Gott.
Kafarnaum liegt extrem zentral in der Innenstadt, was einige Herausforderungen mit sich bringt: umgeben von Fussgängerzone, Cafés und Kneipen steht das Haus - Pfarrheim der Gemeinde St. Foillan - am Hof, zwischen Katschhof und Puppenbrunnen einerseits, Kaiserbad und Körbergasse andererseits.
Einkaufszonen, Kinos, Schulen, Kneipen und Schülercafé sind typische Aufenthaltsorte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.Für grössere Vorhaben kann im Haus der Pfarrsaal und die zur Zeit nur so genannte Jugendetage genutzt werden.
Hier wird es nicht immer leise und ungestört sein. Aber es ist verkehrstechnisch extrem gut erreichbar. Die Kirche St. Foillan ist von vorn und über den Innenhof zugänglich. Im Keller findet sich ein Discoraum, der leicht wieder in Betrieb genommen werden könnte. Von Grossveranstaltung bis Kleingruppentreffen ist alles möglich. Der Innenhof des Hauses - tagsüber vom Kinderhort genutzt - bietet abends Platz für atmosphärisches Zusammensein unter freiem Himmel.
Der Räume müssen gestrichen werden, ein neuer Fussboden soll verlegt werden, die Fenster brauchen einen Sichtschutz und sollen doch Lichtöffnungen bleiben, eine Grundausstattung muss installiert werden: Musikanlage, ePiano, Decken zum Sitzen, Dekoration mit Steinen, Stoffen und anderem, Kerzen, Bilder…und das alles so, dass der Raum nicht schon voll ist, bevor jemand kommt.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind wenig daran interessiert, sich von heute auf morgen dauerhaft zu binden und selbstzuverpflichten. Dies gilt gerade, wenn der Verdacht naheliegt, dass Erwachsene versuchen, mit ihrer Hilfe den eigenen Traum von der generationenübergreifenden Pfarrfamilie zurückzuzaubern, wie sie früher einmal die Regel war.
Wer genauer hinsieht, wird sogar feststellen, dass dieses Misstrauen gegenüber in dieser Hinsicht typisch kirchlichen Angeboten mittlerweile ebenfalls generationenübergreifend ist.
Kafarnaum soll durch regelmässige Angebote etabliert werden, an denen man aber nicht automatisch regelmässig teilnehmen muss. Man kann einfach hingehen - Spätnachmittags oder abends…
Zugleich wäre denkbar, projektartig und in monatlicher Frequenz alternative Jugendgottesdienste anzubieten, mit wechselnden Vorbereitungsgruppen. Der Termin steht fest, die Gruppe wechselt, was passiert, bleibt offen: Wortgottesfeiern, Liedgottesfeiern, Mahlfeiern. Mal traditionell, mal völlig anders oder befremdlich.
Ausserdem könnten kleine Besinnungstage, Gottesdienste oder Auszeiten mit Religionskursen und ähnliches stattfinden.
Das Ziel von Kafarnaum, ist die gezielte Verschwendung von Zeit und Raum, um zu tun, was Seelsorge bedeutet: die liebende Zuwendung Gottes zum Menschen spürbar werden lassen. Und das Experiment, genau dieses zusammen mit Jugendlichen und für Jugendliche zu tun - um in einem Jahr herauszufinden, wie es weitergehen kann.
Insgesamt wird für die Erstausstattung ein Gesamtbudget von rund 2000,- EUR benötigt. Hierfür werden noch Spender und Sponsoren gesucht.
Für weitere Informationen:
Florian Sobetzko
Pastoralreferent im Bistum Aachen
Jugend- und Schulseelsorge
Postadresse: Ursulinerstraße 1
52062 Aachen
Besucheradresse: Hof 7, 52062 Aachen
Telefon: 0241/9815773
Mobiltelefon: 0176-21325946
eMail:
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