Politik in Deutschland solle wieder verstärkt den Dialog mit den Kirchen suchen. Weil Menschen in Sachen Werte einen 'Kompass' benötigten, spielten Christen in der Gesellschaft eine grosse Rolle. Dies formulierte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bei der Präsentation der Sonderbriefmarke 'Papst Benedikt XVI.' in Berlin. Steinbrück hatte Anfang April in der Apostolischen Nuntiatur Berlin einen Erstdruck der Papst-Sonderbriefmarke an den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Josef Ender, und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, übergeben.
"Habemus Papam Germanico" mögen die einen jubilieren, die anderen wundert es und Kundige fragen sich, ob der Ratzinger Alois Joseph jetzt auch - in einer Art Personalunion, wo "wir" doch auch Papst geworden sind - Bundespräsident von Deutschland geworden ist? Und da es bisher von Bundespräsident Köhler kein Postwertzeichen gegeben hat, könnte nun vielleicht das andere deutsche Staatsoberhaupt eingesprungen sein? Normalerweise wurden bisher ausschliesslich Bundespräsidenten bereits zu Lebzeiten auf Postwertzeichen abgebildet. Die Sonderbriefmarke im Wert von 55 Cent ist seit dem 12. April 2007 in den Postfilialen erhältlich. Sie ist 10,4 Millionen Mal aufgelegt.
Die Rolle der Kirchen werde in unserer Gesellschaft eher gering- als überschätzt, so Steinbrück bei seiner Ansprache zur Einführung der Sonderbriefmarke, und "Ich halte das für einen grossen Fehler und gebe zu, dass ich auch hier in den vergangenen Jahren einiges dazugelernt habe in vielen Begegnungen mit

Menschen, die – gerade auch ehrenamtlich engagiert – viel von der Kraft ihres Glaubens an unsere Gesellschaft weitergeben." Er sei überzeugt, "dass Kirche in unserer Gesellschaft nach wie vor eine wichtige Rolle spiele – in Fragen des Glaubens ebenso wie in jenen Bereichen unserer Gesellschaft, die auf die Solidarität einer starken Gemeinschaft, ja, die auf wahre Nächstenliebe angewiesen sind".
Religion und Glaube seien "starke Bindekräfte in einer Gesellschaft, auf die starke Fliehkräfte einwirken". Dies betreffe die "Spannungen und Gegensätze zwischen Arm und Reich, zwischen Jung und Alt, zwischen jenen, die Arbeit haben und jenen, die keine Arbeit bekommen". Wenn der Staat unter wirtschaftlichen Druck gerate und soziale Veränderungen anstünden, werde in Zukunft die Frage noch dringender, wie die Gesellschaft zusammenhalte.
"Ich bin überzeugt, dass es auf diesem Weg einen deutlich intensiveren, auf manchen Gebieten auch deutlich entkrampfteren Dialog zwischen Politik und Kirchen geben muss", so der Minister. "Dabei wird natürlich auch das Thema der Wertevermittlung und Werteerziehung eine grosse Rolle spielen. Denn Menschen brauchen und suchen einen Kompass, der ihnen den Weg durch eine Welt weist, die immer unübersichtlicher wird." Die Jugendkirchen leisten in dieser Hinsicht bereits einen nicht zu unterschätzenden Beitrag.

Steinbrück weiter: "Ich glaube, wir alle sind uns darin einig, dass wir es mit Erscheinungsformen wie ausgeprägtem Egoismus, Gier, Rücksichtslosigkeit, Gewaltverharmlosung oder mit dem Raubbau auch an den natürlichen Ressourcen zu tun haben, die den gesellschaftlichen Frieden und unsere Lebensgrundlagen in Frage stellen."
Dabei erkannte er, dass der christliche Glaube "Kraft im Alltag der Menschen" besitze. Dies habe er besonders bei den Reaktionen auf die Wahl Benedikts XVI. und bei dessen Besuch in Deutschland bemerkt. Als Hunderttausende vor allem junge Menschen aus der ganzen Welt "ausgelassen feierten und mit grosser Ernsthaftigkeit und in friedlicher Stille gemeinsam beteten", habe man sehen können, was Papst Benedikt am 24. April 2005 bei seiner Amtseinführung bewegte, als er vor Hunderttausenden Menschen auf dem Petersplatz ausrief: