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Jugendkirche gratuliert Jugendpfarrerin Christiane Thiel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 25. April 2007
Alle mal her gehört - äah,  her gelesen ...Eine Leipziger Jugendpfarrerin ist mit ihrem ersten Buch Preisträgerin des Peter-Härtling-Preis 2007, der bereits zum 12. Mal vergeben wurde.
 
Seit 1984 stiftet die Stadt Weinheim alle zwei Jahre den Peter-Härtling-Preis. Verliehen wird er gemeinsam mit dem Verlag Beltz & Gelberg. Der Preis ist mit 5.555 Euro dotiert.
 Jugendpfarrerin Christiane Thiel
Bewerben können sich Autorinnen und Autoren aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Österreich und der Schweiz mit einem noch unveröffentlichten Prosamanuskript, das sich an Leserinnen und Leser von 10 bis 15 Jahren richtet.
 
Die Jury besteht aus Peter Härtling (Autor), Hans-Joachim Gelberg (ehemaliger Verlagsleiter Beltz & Gelberg), Christoph Schmitz (Deutschlandfunk), Dietmar Pfennigschmidt (Leiter der Stadtbibliothek Weinheim), Kathrin Mühlfellner (Buchhändlerin) und Susanne Krüger (Professorin an der Hochschule der Medien in Stuttgart).

Wir gratulieren und jubilieren, tratritrötatüdeldüdidoChristiane Thiel legt mit "Das Jahr, in dem ich 13 ½ war" ihre erste schriftstellerische Arbeit vor. Protagonistin Tine, deren Leben bislang in ruhigen Bahnen verlaufen ist, muss zusehen, wie sich ihre Welt rasant verändert. Ihre Mutter hat einen neuen Mann, der vollkommen anders denkt und die Familie gehörig durcheinander bringt. Auf einmal hat Tine noch eine kleine Schwester und muss sich mit Dingen wie Taufe und Glauben auseinandersetzen, was ihr als Leipzigerin recht exotisch erscheint. Und ausserdem erfährt sie vom dunklen Geheimnis ihrer Freundin. Lieber hätte sie nichts davon gewusst.

Christiane Thiel, Ev.-Luth. Jugendpfarramt Leipzig, wurde im Dezember 1968 in Freiberg am Fusse des Erzgebirges geboren. Sie wuchs in einer lebhaften und gesprächsfreudigen Familie auf. Ihre Kindheit und Jugend waren von der DDR geprägt. Nach dem Abitur zog sie nach Leipzig, um Mathematik zu studieren, wechselte jedoch bald zur Theologie. Da hatte sie endlich entdeckt, was ihr wirklich grosse Freude machen würde: ein Studium für Geist und Seele. Zeit zum Denken und Streiten. Und das mitten im politischen Christiane ThielUmbruch von 1989, der in ihrem Leben keinen Stein auf dem anderen liess.

Die neuen Freiheiten führten sie nicht nur in andere Städte, sondern auch in die USA, nach Kuba, Frankreich, Griechenland und anderswohin. 1997 wurde sie zur Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ordiniert.

Zunächst arbeitete sie im Süden Leipzigs in drei kleinen Ortschaften, die zwischen den Restlöchern des Braunkohletagebaus ihr ganz eigenes Leben fristeten. Besonders leidenschaftlich hat sie dort die Jugendarbeit vorangetrieben, und im Jahre 2001 berief man sie zur Leipziger Stadtjugendpfarrerin. Hier arbeitet sie heute mit den Menschen, die auch in ihrem ersten Buch zu Wort kommen - den zwischen 13 ½ und 23 Jahre alten wilden, neugierigen und lebenslustigen Menschen.

Als Jugendpfarrerin kennt die Leipzigerin Christiane Thiel die Träume, Sorgen und Fragen von Mädchen und Jungen. In ihrem preisgekrönten Erstlingswerk ist das Mädchen Tine hin- und hergerissen zwischen der Familie, der Schule und der Entdeckung des Glaubens: "Ich liebe meine Leipziger Atheisten", sagt Christiane Thiel und lacht. Doch als die evangelische Jugendpfarrerin auf der Suche nach Büchern war, die Mädchen und Jungen einen Zugang zum christlichen Glauben ermöglichen, war sie frustriert. "Wenig wirklich Brauchbares" habe sie zwischen wissenschaftlichen Abhandlungen und frömmelnden Heftchen gefunden: "Da habe ich mich halt selbst hingesetzt und im Urlaub eine Geschichte geschrieben", erzählt die 38-Jährige.

In dem flott geschriebenen Büchlein entdeckt das Mädchen Tine Stück für Stück die Lebenswelt von Christen in ihrer Leipziger Umgebung. Geschickt verknüpft Christiane Thiel die Handlung dabei mit den anderen Herausforderungen des heranwachsenden Mädchens in Schule, Familie und Freundschaften. "Eine Geschichte voller Atmosphäre und Leichtigkeit, die eindrücklich die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens beschreibt", würdigte die Härtling-Jury das Erstlingswerk.

Darin finden sich auch viele Erfahrungen, die Christiane Thiel in ihrer täglichen Arbeit mit Mädchen und Jungen in Leipzig macht. "Richtig interessant sind doch diejenigen, die Distanz zur Kirche wahren und sich trotzdem an uns herantasten", findet sie. Und so geht es auch Tine, deren allein erziehende Mutter den Uhrmacher Carsten kennengelernt hat. Auf einmal tritt ein neuer Mann ins Leben ein, der auch noch will, dass das gemeinsame Baby getauft wird.

Tine, die bisher mit Kirche nichts zu tun hatte, wird dadurch sanft auf eine Entdeckungsreise gestossen. Sie findet heraus, dass sie als Baby selbst getauft wurde - und ist zunächst verwirrt. Tine wundert sich über das Tischgebet mit Carsten und fragt ihren neuen Opa beim Wandern Löcher zum Glauben in den Bauch. Nebenbei schleppt sie ein dunkles Geheimnis ihrer Freundin mit sich herum.

"Wir sind hier im Osten eben keine Volkskirche, sondern leben unser Bekenntnis in der Minderheit", macht Christiane Thiel den Hintergrund ihres Buches deutlich. "Hier sind viele in der zweiten oder dritten Generation Atheisten. Aber nicht, um sich bewusst abzugrenzen, sondern eher, weil sie es nicht anders ne,ne, nicht die 5.555.-Eues, sondern die Überreichung einer Spendekennen."

Solchen Leuten will Christiane Thiel mit ihrer Tine ein wenig die Berührungsangst nehmen. Auf der anderen Seite wünscht sie sich als Pfarrerin auch, dass Christen ihren gelebten Glauben nicht verstecken, sondern andere zum Mitmachen einladen. Tine entscheidet sich am Ende der Geschichte übrigens doch nicht uneingeschränkt für die Kirche.

Sie überlegt, ob sie in den Konfirmationskurs gehen soll - dann könnte sie bei der Taufe ihrer kleinen Schwester die Patenschaft übernehmen. "Dieses offene Ende nimmt mir mein Landesbischof vielleicht übel", sagt Christiane Thiel. Und dennoch arbeitet die Leipziger Jugendpfarrerin auch schon am nächsten Buch. Dafür findet sie die Zeit: "Ich habe keinen Fernseher."

6.90 EuesChristiane Thiel:

Das Jahr, in dem ich 13 einhalb war

Verlag Beltz & Gelberg
 
ISBN 978-3-407-74035-9

Jugendpfarramt
Leiterin Christiane Thiel
Burgstrasse 1-5
04109 Leipzig
     
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Internet: www.jupfa-leipzig.de



Peter-Härtling-Preis:

Detaillierte Ausschreibungsbedingungen zu Umfang, Einsendungsform und Juryzusammensetzung unter:

www.beltz.de/haertling.

Manuskripte können ab 2008 an folgende Adresse eingesandt werden
(bitte detaillierte Bedingungen erfragen):

Peter-Härtling-Preis für Kinder- und Jugendliteratur
z.Hd. Frau Bettina von Hornhardt
Altdorferstr. 26
72654 Neckartenzlingen
 
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