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Die traditionellen Kirchen  erreichen mittlerweile nur noch 8-18% der Jugendlichen[1]. Das ist zu wenig, denn einerseits hängt schlicht die Zukunft der Kirche davon ab, andererseits haben Jugendliche durchaus ein Interesse an spirituellen Themen. Nur kann es von Kirche bisher kaum aufgegriffen werden, zu weit liegen die traditionellen Gemeinden und jugendliche Lebenswelten auseinander.
Und wenn Jugendliche doch einmal – oft gezwungenermaßen – einen Gottesdienst besuchen, erleben sie weder Gemeinschaft noch eine Feier, sondern erfahren ihn inhaltlich und formal als fremd und völlig irrelevant für sich und ihr Leben. Das ist genauso, als ob sich Jugendliche vor eine Technodisco stellen würden und der Seniorentanzgruppe sagten: „Ihr seid herzlich eingeladen, euch hier wohlzufühlen und mitzufeiern“![2]
Jugendkirchen sind die zeitgemäße Übersetzung in jugendliche Lebenswelten
Erstmals stellen evangelische und katholische Kirche Jugendlichen ganze Kirchen zur Verfügung, um einen jugendgerechten Zugang zu christlichem Leben zu ermöglichen. Hier werden „fetzige“ Jugendgottesdienste gefeiert die begeistern, mit beeindruckender Lichtinszenierung, Veranstaltungstechnik und Liveband. Hier führen Jugendliche mit der Unterstützung von Profis selbst erarbeitete Musicals auf, klettern als Grenzerfahrung zum Kirchendach, es werden Kulturevents organisiert, Kunstaktionen durchgeführt, ein niedrigschwelliges Bistrocafé betrieben und die Kirche entsprechend der jugendlichen Lebenswelten gestaltet. Jugendliche dürfen wesentlich mitbestimmen, können selbst Verantwortung tragen in klar abgegrenzten, überschaubaren Zeiträumen. Jugendbegeisterte authentische Erwachsene halten ihnen dafür den Rücken frei, ohne sie zu gängeln.
Leistungsfähiges Modell
 Jugendkirchen sind mittlerweile kein Experiment mehr. Sie sind sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche zu einem innovativen,leistungsfähigen Modell der Jugendseelsorge und Jugendpastoral geworden, mit enormem Wachstumspotential. Dabei ist keine Jugendkirche wie die andere, jede folgt einem auf die individuellen Gegebenheiten abgestimmten, einzigartigen Konzept. Dennoch gibt es viele Aufgaben, Herausforderungen und Fragen, die sich jeder Jugendkirche in ähnlicher Weise stellen.[3]
Es gibt sie bereits über 90 mal in Deutschland, mit steigender Tendenz
 z.B. in Bad Segeberg, Berlin, Genthin, Hannover, Leverkusen, Münster, Oberhausen, Chemnitz, Rückeroth, Kirchheim/Teck, Stuttgart, Frankfurt/M, Wiesbaden, Mannheim, bald auch in Nürnberg, Saarbrücken, Kassel, Wuppertal... und auch bei unseren Nachbarn in der Schweiz, Österreich, Holland und Dänemark. Die Links und Informationen dazu findet man hier auf unserem gemeinnützigen Jugendkirchenportal, das wir zur Vernetzung und Unterstützung dieser Pilotprojekte eingerichtet haben.
Jugendkirchen können aus unterschiedlichsten Richtungen entstehen:
 … aus zeitlich befristeten (temporären) Jugendkirchen-Projekten, die so überzeugt haben, dass Wiederholungen zur Dauereinrichtung führen (z.B. Meschede).
… aus Jugendgottesdienst-Reihen, die immer mehr Zulauf erhalten und sich nach einigen Umzügen endlich ein eigenes Gebäude wünschen, in dem nicht immer wieder alles neu auf- und abgebaut werden muss (z.B. Wien)
… aus Gemeindejugend, die in einem Pastoralverbund zunächst gezwungen ist, sich für ihre Jugendarbeit ein „Label“ zu geben, dann aber diese übergreifende Arbeit an einem Ort konzentriert, meist in der wenigst genutzte Kirche im Verbund.
… aus Jugendgemeinden (Hauskreise etc.) die nach Wachstum eigene, größere Räume benötigen.  Es kommt etwas in Bewegung
Überall dort, wo ein Jugendkirchenprojekt entsteht, kommt positive Bewegung in die Gemeinden. Erwachsene, die der Sache zunächst skeptisch gegenüber stehen, lassen sich vom Spirit eines Jugendgottesdienstes anregen, die Aura einer Jugendkirche steckt an. Jugendliche selbst sind oft überrascht, was in Kirche alles möglich ist und laden dann auch Freunde ein, zu kommen und zu staunen.
Willi Schönauer
-------------------------- [1] Shell-Jugendstudie Nr.13 (2000) sowie regionale Statistiken der verschiedenen Konfessionen.
[2] Aus dem Buch „One of us“ Jugendgottesdienst und Jugendkirche, Hg. Rolf Ulmer, Evang. Landesjugendpfarramt Stuttgart, 2004.
[3] Christian Scharnberg, Arbeitsstelle für Jugendpastoral der deutschen kathol. Bischofskonferenz / Düsseldorf, 2005, sinngemäß zitiert
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