Elf Jahre lief die Förderung. Ein Prestigeprojekt der Stadt, das den Stadtteil nachhaltig verändert hat: Vom denkmalgeschützten, aber leicht heruntergekommenen Viertel, dessen Sozialstruktur aus dem Lot zu geraten drohte, wandelte sich die Siedlung zum Vorzeigeobjekt. Über sechs Millionen Euro flossen dafür aus öffentlichen Mitteln in den Nürnberger Norden: drei Millionen für Baumaßnahmen, zwei für soziale Projekte und eine Million für das Quartiermanagement. Im Bereich um die Konrad-Groß-Schule wurden beispielsweise Infrastruktur und Betreuungsangebot für die Schüler massiv verbessert. Schulhof-Sanierung, Ganztagesgebäude und der neue Kinderhort zählen zu den bleibenden Erfolgsgeschichten. Auch die Grünanlagen wurden aufgemöbelt, eine Reihe von Sozial- und Qualifizierungsprojekten gestartet.
Als letzte Maßnahmen werden nun noch der Außenbereich der Jugendkirche umgestaltet und das Kunstprojekt in der Plauener Straße umgesetzt. Ein großes Verdienst des scheidenden Quartiermanagers Stefan Boos ist die hervorragende Vernetzung der Institutionen und Ehrenamtlichen, die sein Team zurücklässt.
Kooperationen mit Trägern wie der Evangelischen Jugend Nürnberg, die den Nordostbahnhof zu einem ihrer wichtigsten Stützpunkte ausgebaut hat, spielten für den Erfolg der Stadterneuerung eine entscheidende Rolle. Ein Glücksfall für das Viertel war vor allem das starke Engagement der städtischen Wohnungsbaugesellschaft wbg. Die Haupteigentümerin der Siedlung investierte im letzten Jahrzehnt rund 100 Millionen Euro in Modernisierungen und Neubauten im sogenannten „Sachsenviertel“. Auch sonst zeigte sich die wbg sehr spendabel und unterstützte vielfach Initiativen, Projekte und nicht zuletzt die Kunst.
Dass all das erstaunlich harmonisch über die Bühne ging, liegt nicht zuletzt an Dieter Barth, dem Pressesprecher der wbg, der selbst ein Kind des Nordostbahnhof-Viertels ist. Er gilt als der Mann, der sich mit großem Engagement hinter die Sanierung „seines“ Viertels klemmte. „Wir haben noch einiges vor — aus unserer Sicht geht das Quartiermanagement ein paar Jahre zu früh“, bedauert Barth dessen Ende.
Hermann Weichselbaum vom Wohnungsamt hat das Förderprogramm bis zum Schluss begleitet und zieht eine sehr positive Bilanz: „Man sieht, was Städtebauförderung an Investitionen nach sich ziehen kann. Ohne die „Soziale Stadt“ hätte die wbg hier sicher nicht so investiert.“
Ein paar Wermutstropfen gibt es dennoch, denn nicht allen Projekten war Erfolg beschieden. „Das war zum Teil bitter, aber aufschlussreich. Wir haben aus diesen Erfahrungen gelernt“, sagt Weichselbaum. „In Zukunft muss von Anfang an darauf geachtet werden, dass die Projekte eine Zukunft haben.“
Anders als vor einigen Wochen geplant, konnte zum Beispiel das Buffet nicht mehr von der Stadtteilküche geliefert werden, weshalb dieses Angebot erneut geschlossen wurde. Die Noris Arbeit (Noa), deren Aktivitäten anfangs Leuchtturmprojekte am Nordostbahnhof waren, zieht sich weiter aus dem Viertel zurück.
Könnte es anderen Projekten bald genauso ergehen, weil Fördergelder und Quartiermanagement abgezogen werden? „Etwas bange wird mir schon“ sagt Helga Beßler, die weiterhin das Seniorennetzwerk am Nordostbahnhof betreut und im BüNo die Stellung hält. „All das, was wir bisher geleistet haben, nur mit Ehrenamtlichen aufzufangen, wird kaum möglich sein.“
siehe auch: Jugendkirche Symposion äußerst informativ