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Gerade haben wir mit meinem Neffen weißen Sonntag gefeiert – dort wo früher noch 50-80 Kids in der mittelalterlichen Stiftskirche das erste Mal zur Kommunion gingen, waren es heute noch ganze acht. Die Messe sehr traditionell und feierlich, aber viel zu lang – eindreiviertel Stunden. Die Predigt für die Kommunionkinder wurde direkt vor ihrer Bank gehalten und war genau auf sie abgestimmt, das war schön, dann folgte doppelt so lange die Predigt an die Erwachsenen von der Kanzel, das war nicht so schön. In die Liedfolge hatte man auch mehrere groovige Songs aus dem neuen christlichen Liedgut eingebaut – leider nicht mit Bandbegleitung sonder mit Orgel und Posaune (!), da half auch kein Vorsingen des Pfarrers über die blechernen Lautsprecher, der Rhythmus ging irgendwie unter. Es hätte mich auch weniger gestört, wenn mein Neffe nicht ausgerechnet ein begnadeter Schlagzeuger wäre.
Leider fehlte auch eine ausdrückliche Einladung an die nicht-katholischen GottesdienstbesucherInnen, an dieser Feier ökumenisch teilzunehmen, das hatte ich bei einer kürzlichen Konfirmationsfeier von unseren evangelischen Freunden als sehr angenehm empfunden. Es führt zu einiger Verwirrung, wenn dann noch das Glaubensbekenntnis mit der erklärungsbedürftigen Formulierung „... glaube an die eine, heilige, katholische Kirche...“gebetet wird.
Die Fürbitten der Kommunionkinder waren von der Formulierung so zurechtgebogen, dass sie kaum mehr als von ihnen selbst erarbeitet zu erkennen waren, ihre „Aufführung“ eines choreographierten Gebets hätte bei Star-Search bissigste Kommentare erzeugt und die von einem Erwachsenen vorgetragene Fürbitte, es mögen doch wieder mehr Gläubige in den Gottesdienst kommen, mehr als flehentliche Bitte zu verstehen.
Ob es mit dieser Fürbitte alleine gelingt, die Kirchenbänke zukünftig wieder mehr zu füllen und den Kommunionkindern eine ihren Lebenswelten entsprechende Heimat in ihrer Kirche zu geben? Ich möchte diese Frage bewusst offen lassen, aber ich gestehe, dass sich alle par Minuten Visionen einer Jugendkirche in meine Gedanken einschlichen: Mein Neffe am Schlagzeug der Kommunion-Band, das Zacharias-Gleichnis als Powerpoint-Präsentation, die MinistrantInnen rappen, die BesucherInnen im Kreis um den Altar, ein Laser schreibt Gebetsworte an die Wand, die die BesucherInnen vorher eingegeben haben... Ok, ich gebe zu, ich bin da fachlich vorbelastet. Den Anderen hat es doch gefallen? Sie sagen: „... es war doch ganz nett...“
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