Am Samstag, den 24. März war "Shutdown Day". Im Selbstversuch sollten die "Internetjunkies" unseres Planeten herausfinden, ob sie einen Tag ohne Computer gestalten könnten. Auch wenn die Aktion sehr nach ausgeklügelter PR-Aktion der Naturfreunde klang, die Wiesen mussten bestimmt nicht ihre Gräser einziehen, aus Angst, sie könnten von einer Masse blässlicher Compu-Kids niedergetrampelt werden. Auch der Einzelhandel vermeldete keine Auswirkungen und die Netzbetreiber in den Ballungsgebieten  verzeichneten keine nennenswerten Stromschwankungen.
Ja, es klingt schon etwas seltsam. Aber in der heutigen Zeit haben wir für so ziemlich alles und jedes einen Gedenk- bzw. Aktionstag, aber den "Tag ohne Computer" hatten wir bisher noch nicht.
Die Medien hatten sich am Shutdown Day so richtig ergötzt. "Wir waren in Japan, Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und genauso in Spanien im Fernsehen", liess der 27jährige Michael Taylor überrascht verlauten, der zusammen mit seinem Kumpel Denis Bystrov diese Initiative ins Leben rief und über die gewaltige Reaktion verblüfft war: Mit 12.000 Zugriffen/Minute kämpften die Server des "Shutdown Day" zeitweise mit der vorzeitigen Selbstabschaltung.
Aber wer als Firma einen Webserver am 24. 'shut downed' hatte, der gewann weder viel Ruhm noch viel Ehr', sondern konnte unter Umständen richtig Verlust einfahren, der bei einer solchen Aktion durch fehlende Werbeeinnahmen oder sonstige Rahmenbedingungen entstehen konnte - ausser es handelte sich um private Webseiten, und auf diese war diese Aktion wohl auch in erster Linie gemünzt.
 Wen hat es aber eigentlich wirklich gekümmert, an einem für viele Menschen freien Sonnabend das Thema “Shutdown Day” sich zu eigen zu machen? Laut Umfrage ging es an den meisten 'Jugendkirchlern' relativ spurlos vorüber. Nix war's mit 'Computerfasten'. Während die Aktion 'Autofasten', wohl auch der Benzinpreise wegen, einen Erfolg verhiess, konnte man mit Computerfasten keinen Blumentopf gewinnen.
Wie erfolgreich er tatsächlich war, lässt sich nur vermuten, doch ein wolkenverhangener Himmel, gepaart mit Regenschauern und Höchsttemperaturen von 5° C, lässt annehmen, dass dieser Tag, zumindest hier in Deutschland, keinen grossen Anklang gefunden hatte. Da auch das Fernseh-Programm am Samstag vor Wiederholungen nur so strotzte, blieb doch nur der Computer - obwohl, da gab es ja immer noch Gewichtheben mit der Maus als Alternative, und durch nikotinpflasterartige Bildschirm-Ausdrucke, die man sich auf die nackte Haut kleben konnte, war man zumindest im Ansatz gefeit.
 Alle, die jedoch aus reinem Reflex den Computer eingeschaltet hatten oder die einfach vergassen, dass es überhaupt einen Shutdown-Day gab, brauchten nicht gleich zu verzweifeln - denn wer es nicht lassen konnte den PC einzuschalten und dabei auch auf die Webseite des Shutdown-Days surfte, konnte dort zumindest seine Sünde mit einer Spende mildern, ganz im Sinne des mittelalterlichen 'Ablasshandels' der katholischen Kirche.
Die Spende kam einer wohltätigen Einrichtung zugute. So gab man darüber Auskunft, dass der Shutdown-Day sich mit der National Laptop Foundation zusammengetan hatte und nun Spenden für die Bereitstellung von instand gesetzten Computern gesammelt wurden. Diese werden dann Kindern in weniger privilegierten Ländern zur Verfügung gestellt.
Die "Abhängigkeit" von Rechnern und Netzen ist allerdings nicht zu unterschätzen. Nicht nur, dass Computer wirklich "süchtig" machen und es erste Kliniken gibt, die sich dem Thema stellen, auch im ganz "normalen" Alltag spielen Rechner und Internet eine immer grössere Rolle. So ist eine Arbeitswelt ohne Rechner, E-Mail und Internet nicht mehr vorstellbar. Daher erhöht ein Samstag sicher die Zahl möglicher Teilnehmer. Und einmal zu schauen, welche Rolle PC und Internet im eigenen Leben spielen, ist sicher nicht falsch.
siehe auch: Der ShutDown Day ist Computerfastenanklicken |