Pfarrer Jörg Christian Seburschenich ist nun zehn Jahre in Ettenheim. "Am 30. August im Jahr 2000 habe ich in Ettenheim mein erstes Priesteramt angetreten ... In fünf Jahren bin ich 53. Da hat man noch die Kraft, etwas Neues zu beginnen", und die Jugendkirche, die er vor einigen Jahren angestoßen habe, sei noch nicht vom Tisch.
"Ich war überrascht, gleich zum Pfarrer ernannt zu werden. Üblicherweise ist man erst ein paar Jahre Pfarradministrator", erinnert er sich. "Da macht man zwar nicht viel anderes, aber ist doch nicht gleich alleine für alles verantwortlich." Als Administrator kann man jederzeit von der Diözese versetzt werden, als Pfarrer bestimmt man selber, ob man gehen oder bleiben möchte.
Damals habe er sich vorgenommen, dies nach zehn Jahren zu entscheiden. Zwar könne er sich vorstellen, noch einmal eine neue Stelle anzutreten, aber jetzt laufe es gerade so gut. Die Stadt hat er bei seiner Einstellung nur flüchtig gekannt. Vorher ist er fünf Jahre lang Kaplan in Waldkirch gewesen, wo es ihm sehr gut gefallen hat. Jedoch passt alles. "Ich werde meine Entscheidung noch ein paar Jahre hinausschieben. In fünf Jahren bin ich 53. Da hat man noch die Kraft, etwas Neues zu beginnen."
Diesen Gedanken möchte er jetzt aber nicht weiter spinnen. Die Situation sei gut, die Seelsorgeeinheit werde allseits akzeptiert. Man habe viel voneinander gelernt, und besonders der Pfarrgemeinderat und der Stiftungsrat seien für ihn eine wirkliche Stütze. "Von Anfang an, das muss ich ausdrücklich loben", sagt Seburschenich.
Auf die Frage, was in den zehn Jahren besonders gut geklappt habe und was noch zu verbessern sei, gibt sich der Pfarrer bescheiden. Er habe sich viel mit Dingen zu beschäftigen, die nach außen nicht sichtbar würden. So etwa sei es ihm gelungen, die ursprünglich vier Pfarrbüros auf ein zentrales Büro in Ettenheim zu vereinen und die Bürozeiten auf den ganzen Tag auszuweiten. "Das gibt es in der ganzen Diözese nicht", sagt er. Auch habe er dafür gesorgt, dass sich die Haushalte der einzelnen Kirchengemeinden nicht weiterhin in Schieflage befinden, wobei ihm sicherlich seine kaufmännische Ausbildung geholfen habe.
Ganz nebenbei sei er Arbeitgeber von 87 Menschen, darunter die Erzieherinnen in den fünf katholischen Kindergärten und seine drei Sekretärinnen. Und dauernd werde an einem der kircheneigenen Gebäuden gebaut, was ihn sehr beschäftige. Demnächst sei der Glockenturm in St. Bartholomäus dran. "Es sind viele Dinge, die man als Pfarrer nicht unbedingt lernt, aber die ganz stark das tägliche Leben beeinflussen", sagt Seburschenich. Am liebsten sei er aber nah an den Menschen und begleite sie in allen Lebenslagen.
Arg mitgenommen haben ihn die Reaktionen auf die in den Medien veröffentlichten Missbrauchskandale von katholischen Priestern. "Ich habe moralisch gelitten", sagt der Pfarrer. Auch habe er Schmähungen hinnehmen müssen, und die Kirchenaustritte seien in dieser Zeit auf 20 bis 30 in einem Monat gestiegen, eine Zahl, die sonst binnen eines Jahres erreicht wird. Da sei er froh gewesen, befreundete Kollegen und Familien zu haben, mit denen er über die Situation diskutieren konnte.
Freuen könne er sich dafür wieder, wenn er Rückhalt in der Gemeinde erfahre. Etwa mit dem "Abenteuerland", ein Konzept von Gemeindereferent Markus Schmid, das als regelmäßiger Familiengottesdienst angenommen werde. Auch sei das Jugendprojekt, das er vor einigen Jahren angestoßen hatte, nicht vom Tisch. Er habe eine Jugendkirche aufbauen wollen und dabei an die Spitalkirche gedacht. Damals seien die Gremien nicht mitgegangen. Vielleicht gebe es bald einen Anlass, sich den Plänen noch einmal anzunehmen. Die Jugend habe die Kirchenverwaltung auch im Fokus, wenn bis zum Jahresende ein zeitgemäßer Internetauftritt stehen soll.
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