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Jugendkirche gehört einer ähnlichen Altersgruppe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 4. August 2010
Pfr. StrubWohnen und Arbeiten sind heute meist örtlich getrennt. Das hat die Kirchen stärker zu bewegen, sagt Hans Strub, der nach 23 Jahren Verantwortung für die Pfarrerausbildung in Pension geht. Die christlichen Kirchen hielten weitgehend an der alten Ortsgemeinde fest, obwohl die meisten aktiven Menschen pendelten und sich durch Medien orientierten. Jugendliche müssten heute "viel präziser" angesprochen werden. "Und die Jugendkirchen machen genau das", weiss Willi Schönauer aus seiner Tätigkeit als JuKi-Coach zu berichten. "JuKis sind Kirchen von Jugendlichen für Jugendliche - mit ihrer ganz eigenen Vorstellung von Kirche."

"In der Schweiz leben wir wie in Großstädten", stellt Strub fest. Die Urbanität der Bevölkerung werde die Kirchen noch stärker herausfordern. Er konstatiert, dass mehr in den Ferien die religiöse Seite gepflegt wird, "etwa mit Besuchen von Kirchen". Die Reformierten machten zu wenig mit ihren Räumen. Man könnte den Betrieb in den Städten während der Ferien reduzieren; die Pfarrer wären in den Urlaubsorten anzutreffen. "Dort zu sein, wo die Menschen sind: das erfordert ein dynamisiertes, mehrdimensionales Berufsbild. Dafür müssen wir ausbilden."

Um mit den Menschen und der Gesellschaft als ganzer umgehen, hätten Pfarrerinnen und Pfarrer "selbstbewusst und demütig, intellektuell und menschennah" zu sein. Mit diesen vier Begriffen umschreibt Hans Strub Qualität im Pfarramt. Pfarrer hätten im Auftreten Kompetenz zu zeigen, sie sollten im Dienst stehen und sich "als Geschöpfe nicht mit dem Schöpfer" verwechseln. Sie sollten "an der eigenen geistigen und geistlichen Kompetenz" arbeiten und sich an dem ausrichten, was die Menschen brauchen. "Um das zu erkennen, muss man zuhören und interpretieren können."

Die theologische Ausbildung an den staatlichen Fakultäten gebe dafür ein Minimum mit, sagt Strub. Die Theologen müssten es im Pfarramt weiterentwickeln. Zugleich müssten sie weiterhin Zeit zum Bücherlesen und für einen Arbeitskreis haben. Die fachlich-theologische Kompetenz sei zu fördern; "sonst bleibt die Innovation auf der Strecke".

Ist das Sozialprestige des Pfarrerberufs gesunken? Nein, meint Strub, nach einer "Selbstmarginalisierung des Pfarramts" in den 80er- und 90er-Jahren steige sein Ansehen wieder (die Missbrauchsfälle sind allerdings ein herber Rückschlag). Die Finanzkrise habe grosse existentielle Fragen geweckt und lasse Menschen mehr nach Überweltlichem fragen. "Es gibt heute in der Gesellschaft allgemein eine Gegenbewegung zur Institutionenskepsis der Achtundsechziger." Die Kirche werde als Ort der Spiritualität, der Kultur und der Wertebildung wieder mehr geschätzt.

Das Interesse an der theologischen Ausbildung, wie die Fakultäten sie bieten, hält damit nicht Schritt. Strub erklärt das damit, dass die Eltern und Lehrer der Jugendlichen, die motiviert werden müssten, noch der 68er-Generation angehörten, für die das Theologiestudium "etwas Seltsames" sei. Dagegen betont der Ausbildungsverantwortliche, der im nächsten Jahr in den Ruhestand geht, die Vielfalt des Theologiestudiums. Andere Studiengänge glänzten mehr, "das Theologiestudium müssen wir aus der Ecke holen; es ist zu wenig bekannt, wie spannend es ist."

Drei von fünf Theologiestudierenden in  der BRD sind Frauen


Im vergangenen Wintersemester studierten in Deutschland insgesamt 9‘517 Personen evangelische Theologie. Davon waren 3‘734 Männer und 5‘783 Frauen. Das Interesse am Theologiestudium bleibt weitgehend stabil. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, gab es bundesweit im Wintersemester 2008/09 rund 1‘923 Studenten im ersten Fachsemester evangelische Theologie. Ein Jahr zuvor waren es 1‘971.

Die Gesamtzahl der Studierenden der evangelischen Theologie (als erstes Studienfach) hatte im Wintersemester 1984/85 einen Höhepunkt mit bundesweit insgesamt 16‘656 Personen. Die Zahlen gingen zurück auf rund 7‘000 im Wintersemester 2004/05 und sind seither wieder gestiegen.

Jugendarbeit

Als Hans Strub vor 40 Jahren ins Pfarramt ging, war die Kirche noch ein "führender Sozialagent". Mit bescheidenen Mitteln sei in der Jugendarbeit etwas zu erreichen gewesen. Heute ist die Konkurrenz gross. Der Ausbildungsverantwortliche meint, die Arbeit im Pfarramt sollte dem Lebensalter gemäss sein. "Gewisse Bereiche der Jugendarbeit gehören denen, die einer ähnlichen Altersgruppe angehören."

Strub, Jg. 1945, Lehrerseminar Wettingen, Primarschulunterricht in Suhr, Theologiestudium in Basel und Zürich, Ordination 1972. Ursprünglich Primarlehrer, war in den 1970er Jahren Pfarrer der jungen Gemeinde von Zürich-Hirzenbach (Schwamendingen) und leitete dann ab 1979 in Boldern/Männedorf als Studienleiter das Evang. Tagungs-. und Studienzentrums.

Seit 1987 koordinierte er im Konkordat der Deutschschweizer reformierten Landeskirchen die Aus- und Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Schweiz a+w (zusammen mit opf und pwb). Präsident der Société Internationale de Théologie Pratique SITP. Seit Sommer 2010 Mitglied der Leitung des ZKE.
Pfr. Hans Josef Strub
Blaufahnenstrasse 10
CH-8001 Zürich
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