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Jugendkirche, Popmusik und Kirche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 18. Juni 2010
Popmusik und Kirche, welch aktuelles wie leidiges Thema, das längst zu einem schwerwiegenden Generationenproblem geworden ist. Für ältere Christen mag schon der Auftritt einer Band oder eines Jazzensembles ein Grund sein, Gottesdiensten fernzubleiben, die nur die Orgel, das Harmonium oder das Klavier bei gottesdienstlichen Handlungen gelten lassen. Ebenso sind junge Christen hier geteilter Ansicht, selbst wenn es sich nur um moderne geistliche Stücke handelt.
 
Der langjährige Musikwissenschaftler und Dozent an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, Professor Wolfgang Kabus, hat zu dem einschlägigen Thema eine Dokumentation von zehn Musikfachleuten und Theologen über 180 Seiten zusammengestellt.Inwieweit hier eine Erhellung erwartet werden darf, bleibt jedem selbst überlassen - zumindest fehlt der Weisheit letzte Toleranz. Da wird einmal nach dem unterschiedlichen Anspruch zwischen Tradition und Moderne gefragt und gleichzeitig festgestellt, dass Kirchenmusik nicht unbedingt Gemeindemusik sein müsse.

Natürlich haben die musikalischen Traditionen der Gemeinde auch architektonische Ursachen, sodass die Frage „welche Musik gehört in welchen Raum?“ rein architektonisch nicht ganz unberechtigt zu sein scheint. Zu dieser Thematik kommt der evangelische Schulmusiker und Komponist Jens Seipolt, Jahrgang 1974, zu Wort, der nach der Definition von Kirchenmusik überhaupt fragt.

Lesenswert ist vor allem die Charakterisierung zahlreicher Bach- Kantaten des evangelischen Theologen und Hochschullehrers Dr. Jochen Arnold, der jedoch mit seinen ernsthaften Bemühungen zu Lösung kaum beiträgt, da er sich wie die meisten 'alt denkenden' Kirchenmusiker in Verbalerotik versteigt und die emotionale und somit spirituelle Kraft der Musik nicht einmal im Ansatz zu begreifen vermag. Populärmusik ist sinnbetont - eine Variante, die die meisten Klerikalen nicht zu begreifen vermögen.

Dass das Christentum auf diese spirituelle Form eher skeptisch reagiert, ist durchaus verständlich, da die Musik spätestens seit dem globalen Auftauchen des Rhythm'n'Blues eine Art Protestbewegung darstellt, die auch vor den heiligsten kirchlichen Themen nicht Halt macht noch nie machte (siehe Gospel, aus dem sich der Soul und letztendlich die Popularmusik zu entwickeln scheint). Jugendmusik ist eben in jedweder Form eine Spiritualität des Protestes gegen überkommene Traditionen, Institutionen, Lebensweisen und Meinungen. Der Musikwissenschaftler und evangelische Theologe Dr. Thomas Feist nähert sich schließlich der Ansicht, dass sich Popmusik und Kirche mittlerweile nicht mehr wie Feuer und Wasser verhalten. Ob sie aber auch zueinander passen, scheine eher zweifelhaft zu sein. Zu oft würden wegen fast leerer Gemeindekassen Konzerte wie mit den Schwarzmeer-Kosaken in den heiligen Hallen veranstaltet, um mit Gospel und Volksmusik kirchenfernes, aber zahlungskräftiges Publikum anzulocken. Fast scheint es, als ob unsere „geistreichen Orte“, sprich Gotteshäuser, von „sinnlosen Klängen“ geradezu überschwemmt werden.

Die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Steffi Krapf, Absolventin der Universität Hildesheim, zeigt interessante Aspekte der evangelischen Jugendkirche auf. Jugendkirche sei nach ihrer Meinung der erfolgsträchtige Versuch, die evangelische Kirche in einem gesellschaftlichen Milieu zu etablieren, in dem es allermeist normal oder gar schick sei, nichts mit Kirche und kirchlichem Glauben zu tun zu haben.

Es erfüllt mit Freude, missionarisches Engagement bei jenen Jugendlichen zu spüren die als Team ihre Aufgabe darin sehen, kirchenfeindlichen, kirchenfernen, selbst kirchendistanzierten jungen Menschen ihre Zuwendung in allen Bereichen zu schenken, was Jugendmission überhaupt ermöglichen kann. Ob solche seelsorgerliche Betreuung irgendeinen Einfluss auf das nach wie vor ungeklärte Verhältnis zwischen Popularmusik und Kirchen nehmen kann, bleibt ungewiss. (APD/Dr. Wolfgang Tulaszewski). Und:

Ob eine vermeintlich wissenschaftliche Arbeit Erhellung in ein Phänomen bringen kann, das sich sehr stark auf emotionaler Ebene abspielt, bleibt zumindest zu hinterfragen, wenn nicht fragwürdig an sich. Gerade im klerikalen Bereich wird eine musikalische Form der Missionierung eher benutzt als begriffen. Auch der hier empfohlene Versuch bleibt vordergründig subjektiv irrelevant.

Wolfgang Kabus (Hrsg.), „Popularmusik und Kirche“, Friedensauer Schriftenreihe, Peter Lang, Frankfurt/Main, 2008, broschürt, 180 Seiten, 39,00 Euro, ISBN 978- 3-631-57721-9.

 siehe auch →  Jugendkirche und christliche Popmusik - im Trend?

 
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