 Wer Bildung wolle, der müsse auch Risiken eingehen. Das sagte Dr. Rüdiger Sachau gestern bei der Eröffnung des neuen Evangelischen Bildungswerkes in Bad Segeberg. Gut ein Jahr lang war an den modernen Räumen mitsamt dem großen Saal an der Versöhnerkirche gearbeitet worden. Eine Million Euro hat der Umbau gekostet. Nicht nur das war ein Risiko für den Kirchenkreis Plön-Segeberg: Auch dass die Anlieger, die durch das neue Zentrum auch mehr Autoverkehr in ihren Straßen befürchteten, sich gegen das Projekt auflehnten, hatte nicht gerade für positive Mienen gesorgt. Doch am Ende verständigte man sich. Die Versöhnerkirche ist zugleich die Jugendkirche der Gemeinde.
Wer den alten, muffigen Saal und die Räume vor Abriss und Umbau noch in Erinnerung hat, glaubt den dort Unterrichtenden aufs Wort, dass man im 70er-Jahre-Bau "gegen die Atmosphäre anarbeiten musste." Damit ist es nun vorbei – helle, freundliche Räume und ein großer, ebenfalls lichtdurchfluteter Saal mit dunkelbraun marmoriertem Parkettboden machen das Bildungswerk und Kirchenzentrum in einem zu einer wahren Augenweide.
Es sind Räume, in denen man sich gern aufhält. Oder, wie es Dr. Rüdiger Sachau, Direktor der Evangelischen Akademie Berlin (früher in selber Funktion an der nun geschlossenen Segeberger Akademie), als Festredner formulierte: "Die Schönheit des Raumes ist auch Ausdruck der Wertschätzung, die man den Menschen entgegenbringt, die sich in ihm aufhalten."
Der Saal fasst 230 Besucher, ist also auch in der Lage, dem neuen fusionierten Kirchenkreis als Tagungsstätte für die Synodalen zu dienen. "Alltags" kann er geteilt und dabei akustisch abgeschirmt werden, so dass zum Beispiel Meditation und Gymnastik parallel zueinander betrieben werden können. Die Versöhnerkirche ist zugleich die Jugendkirche der Gemeinde, und auch die Jugendlichen können das Zentrum nebenan für ihre Veranstaltungen nutzen. Wie sehr das akustisch harmoniert, bewies die Glindenberg-Soulband gestern zwischen den Reden.
Bildung sei gut für die Kirche und zugleich wichtig für die Gesellschaft, legte Dr. Sachau ein klares Bekenntnis für einen Auftrag ab, der finanzielle Risiken berge, der aber nicht vernachlässigt werden dürfe, nehme man die Zukunft ernst. Wie bitter es bis dahin aussieht, machte der Referent auch deutlich.
Nur fünf Prozent der Bevölkerung würden nicht allein die Kirche, sondern auch die gesamte Gesellschaft tragen: "Die ganz oben und die von ganz unten haben sich längst von uns verabschiedet." Das neue Zentrum lade nun alle ein, "um die wir uns kümmern wollen".
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