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Jugendkirche heißt auch Entzücken und Freude PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 21. April 2010
Ganz Südafrika ist im Fußballfieber. "Seitdem wir wissen, dass die WM zu uns kommen wird, sind alle aufgeregt und alles ist Ayoba", sagt Michael Mkhanazi. Übersetzt bedeute das Slangwort Ayoba soviel wie Entzücken oder Freude, erläutert er. Der Fußballverband FIFA verwende es mit Blick auf die erste WM auf afrikanischen Boden. Auch die Theatergruppe aus Johannesburg, zu der Mkhanazi gehört, nennt sich Ayoba 2010. Bei Auftritten in Deutschland werben die acht jungen Männer und Frauen auf besondere Weise für die WM und ihr Land.

In der hannoverschen Jugendkirche werden die Zuschauer ihres Stückes "Iphupho Lami" (Zulu: Mein Traum) schnell vom Fieber angesteckt. Sie erleben mitreißende Tänze und Gesänge und erfahren von den Hoffnungen und Wünschen, die südafrikanische Jugendliche in die WM setzen. Das Projekt "Ayoba 2010" wird von ehemaligen Straßenkindern geleitet, die durch das Theaterspielen sozial benachteiligten Jugendlichen aufzeigen wollen, dass es eine Alternative zum Leben auf der Straße und Auswege aus der Gewalt gibt.

Das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen und drei weitere deutsche Missionswerke haben die jungen Südafrikaner eingeladen. Das Team vom Kap, das in Schulen und Kirchengemeinden und beim ökumenischen Kirchentag in München zu Gast ist, vertritt den "Club der guten Hoffnung" der Missionswerke. Die Initiative steht in Niedersachsen unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Bundesweit unterstützen Prominente wie Bundespräsident Horst Köhler, die Sängerin Katja Ebstein oder die Fußballspieler Bianca Rech und Andreas Ottl den Club.

Deutsche und südafrikanische Jugendliche sollen sich dabei direkt austauschen und die Chance erhalten, das wahre Bild ihres Landes zu vermitteln, erläutert der Jugendreferent des niedersächsischen Missionswerkes in Hermannsburg, Niels von Türk. Sie können zum Beispiel über die Internetseite des Clubs miteinander in Kontakt kommen. Die Schauspieler von Ayoba erzählen in ihrem Stück von Album Khumalo. Er will in der Garage seines Vaters eine Kneipe eröffnen und dort die Spiele der WM zeigen, um so sein Studium zu finanzieren.

Eine Zuschauerin ist erstaunt, wie belehrend das Stück ist. "Aber Jugendliche in Südafrika muss man sicher auch immer wieder motivieren: Hey, du schaffst es!", lenkt sie ein. Genau das sei das Ziel des ökumenischen Theaterprojekts aus dem Johannesburger Stadtteil Hillbrow, in dem sich die sozialen Probleme Südafrikas besonders krass darstellten, erklärt von Türk. Auch von der alltäglichen Gewalt dort erzählt das Stück.

In Südafrika sei mehr als fünfzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid rassistische Gewalt an der Tagesordnung, viele Menschen lebten in Armut und der Handel mit Kindern boome. Themen, die nach Ansicht von Niels von Türk in der Mediendarstellung zu kurz kommen. "Südafrika wird für die WM aufgeräumt, Armut und Gewalt dürfen in diesem Bild nicht vorkommen", sagt er.

Der → "Club der guten Hoffnung" sorge für einen anderen Blick und fördere in Südafrika soziale Projekte wie Ayoba. Die Unterstützung sei aber nichts Einseitiges. "Wir können viel von der Situation in Südafrika lernen", erläutert von Türk. "Einige Konzepte können wir auch für die Gewaltprävention in Deutschland gebrauchen."

Dazu wurde ein interkulturelles Training für Schulklassen entwickelt. Die Schüler sollen dabei die Geschichte der Apartheid in Südafrika und die Strukturen von Unterdrückung und Ausgrenzung kennenlernen. Sie setzen sie sich mit den Lebensgeschichten südafrikanischer Fußballspieler auseinander. "Dabei wird den Jugendlichen schnell bewusst, welche Möglichkeiten der Teamgeist und die Fairness beim Fußball haben, um Aggression und Gewalt zu überwinden", sagt von Türk. Und so breiten sich das Fußballfieber und "Ayoba" immer weiter aus.
 
 
 
 
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