Rein statistisch betrachtet, finden die meisten Menschen am Heiligen Abend und am Erntedankfest den Weg in die Kirchen. Trauungen und Taufen seien rückläufig. Und: "Die Kirchenaustritte nehmen gerade zu Zeiten der schlechten wirtschaftlichen Lage zu." Das bestätigte Christel Hausding, die Präsidentin der Landessynode und Mitglied der Lebendigen Gemeinde.
Anlass war im Ulmer Haus der Begegnung eine Diskussion über die Zukunft der Kirche und über ihre Aufgaben. Als Grundlage dienten die aktuellen Beratungen der Evangelischen Landessynode. Gekommen waren rund 50 Interessierte, unter ihnen Ruhestandspfarrer, aber auch engagierte Gemeindemitglieder, die sich ein Bild über die kirchliche Organisation machen wollten.
Zum Hintergrund: Die Kirchensteuer ist eine große Einnahmequelle der Evangelischen Landeskirche. Der größte Teil der Ausgaben entfällt auf Personalkosten für Pfarrer, Diakone und weitere kirchliche Angestellte. Nach Bereichen betrachtet steht an der Spitze der Ausgaben der Pfarrdienst, dann folgen Gottesdienste und Gemeindearbeit sowie die Diakonie mit ihren Einrichtungen.
Mit Blick auf die Finanzen sei eine Kosteneinsparung unumgänglich, so müsse insbesondere beim Pfarrdienst eine Reduktion vorgenommen werden, sagte die Präsidentin. Eine Möglichkeit sei hier beispielsweise eine Vorruhestandsregelung. "Denn die Präsenz der Kirche muss in der Fläche erhalten bleiben, die Kommunikation geschieht ja in persönlichen Begegnungen."
Deshalb werden hauptsächlich Pfarrstellen auf dem Land nicht eingeschränkt. Und: Nach dem Motto "Menschen vor Steinen" sei bereits seit zehn Jahren klar, dass sich die Kirche vor allem von ihren Gebäuden trennen muss. Vorerst aber werde der Haushalt mit einem Griff in die Rücklagen ausgeglichen.
"Es gibt nicht nur einen Weg, es gibt mehrere", meinte Jutta Henrich. Mit der Offenen Kirche könne man die Dinge in Ruhe angehen, sehen, wie man mit weniger Geld auskommt und reflektieren, was wichtig ist. Henrich rückte in ihren Ausführungen insbesondere die ehrenamtliche Arbeit in den Fokus.
Auch die Kirche von morgen und die Jugendgemeinden waren ein Thema. Sei es das über Wochen andauernde Jugendfestival der Jugendkirche Stuttgart oder Jugendgemeinden oder Jesustreffs - die Jugendlichen tendierten dazu, unter sich zu sein, hieß es. Es sei wichtig, Jugendlichen mit der Gestaltung altersgerechter Gottesdienste einen Platz zu geben. Moderne Musik und eine ansprechende Predigt geben Halt und stärken das Miteinander.
Hierzu stellte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl jedoch die Frage: "Sehen wir uns noch als Ganzes?" Denn es habe ja auch Vorteile, wenn Alt und Jung in einer Kirchengemeinde zusammen seien. Die zunehmende Gewalt sowie Kriminalfilme an kirchlichen Feiertagen erregten die Gemüter der Gesprächsrunde.
Die Frage "Wo ist hier der Einfluss der Kirche?" wurde eingehend diskutiert. Matthias Schneider, Leiter des SWR Studios Ulm, der eigentlich nur seine Frau Bärbel in ihrer Funktion als Kirchengemeinderatsvorsitzende begleitete, versuchte zu beschwichtigen. In diesem Bereich sei die Einflussnahme des Einzelnen klar: Was wir nicht sehen wollen, schalten wir ab.
Der "grüne Gockel" und das kirchliche Umweltmanagement wurden ebenfalls unter großer Beteiligung der Anwesenden behandelt. Gerade erneuerbare Energien wie Photovoltaikanlagen würden von der Landeskirche in den Gemeinden nicht ausreichend umgesetzt. Die Beeinträchtigung des Ortsbildes oder die Vorschriften des Denkmalamtes seien wohl wichtiger als ökonomisches Handeln - ganz in dem Sinne: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen.
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