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Jugendkirche – vom Experiment zum Konzept PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 31. März 2010

Jugendkirche hoch 3Es ist viel im Wandel, Jugendarbeit fragt sich: Wohin geht’s, was bringen die Erkenntnisse aus der Sinusstudie und wie sieht kirchliche Jugendarbeit in der Zukunft aus? Sind Jugendkirchen die 'heilsbringende' Lösung für effektive kirchliche Jugendarbeit? Die BDKJ/BJA-Diözesanleitung hat nun einen Prozess angestoßen, in dem die kirchliche Jugendarbeit grundsätzlich überdacht und weiterentwickelt wird. 220 Teilnehmer der Zukunftskonferenz zum [jugendforum]³ entwerfen Experiment: In Obermarchtal fand die Zukunftskonferenz zum [jugendforum] statt. 

Dort erarbeiteten und vereinbarten über 220 Teilnehmer – ehrenamtliche und hauptberufliche – aus der gesamten Diözese Rottenburg-Stuttgart über 50 Experimente für die kirchliche Jugendarbeit. Die viertägige Veranstaltung war die erste von insgesamt drei Phasen. Diese dienen dazu, die Jugendpastoral weiterzuentwickeln, um für die Zukunft gut gewappnet zu sein. Die Einzigartigkeit des [jugendforum]³ machen der Praxisbezug – vom Experiment zum Konzept – und das Miteinander der verschiedenen jugendpastoralen Akteure aus.

Bereits im März 2009 war klar, dass BDKJ und Bischöfliches Jugendamt auf die verschiedenen gesellschaftlichen Veränderungen reagieren müssen: Demografischer Wandel, ein veränderter Schulalltag durch Ganztagesschulen und achtjähriges Gymnasium sowie die teilweise große Distanz zu Jugendmilieus – letzteres ein Ergebnis aus der SINUS Milieustudie U27 -, fordern die kirchliche Jugendarbeit heraus, den Anschluss an die Lebenswelt junger Menschen nicht zu verlieren.

Unter dem Namen [Jugendforum]³ wurde den Ehrenamtlichen nun ein wegweisendes Zukunftsprojekt zur Weiterentwicklung der Jugendarbeit in der Diözese vorgestellt und gleichzeitig darum geworben, sich in diesen Prozess einzubringen. „Jeder, der Lust hat, die kirchliche Jugendarbeit zu verändern, soll auch die Möglichkeit haben sich in diesem Prozess zu beteiligen“, ermunterte Diözesanleiter BDKJ/BJA Ulrich Müllerschön die Delegierten, und „das Expertenwissen eines 20-jährigen Ehrenamtlichen aus dem Jugendverband ist in diesem [jugendforum]³-Prozess genauso wichtig wie das einer Pastoralreferentin mit zehnjähriger Berufserfahrung oder das eines Hauptabteilungsleiters der Diözese“, erklärt Wolfgang Kessler, Diözesanjugendseelsorger BDKJ/BJA.

Die Bezeichnung [Jugendforum]³ greift eine Forderung der Diözesansynode auf, wonach in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in regelmäßigen Abständen ein Jugendforum stattfinden soll, dessen Aufgabe es ist, „die Ausrichtung der Jugendarbeit im Licht des Evangeliums und im Blick auf die Zeichen der Zeit kritisch zu beleuchten und weiterzuentwickeln“. Die Experimente spiegeln die Vielfalt jugendpastoraler Formen wieder: Von Flash-Mob-Aktionen und religiösen Videoclips über Lebensraumtausch verschiedener Jugendmilieus und Schülerpatenprojekt an Sonder- und Förderschulen bis hin zum spirituell-erlebnispädagogischen Abenteuer-Wochenende oder der Initiierung einer eigenen Jugendkirche reicht die Palette an Ideen. Diese werden nun neun Monate lang ausprobiert.

Anders als bei den Jugendforen 2000 und 2006 geht es beim [Jugendforum]³ neben dem Dialog zwischen Jugend und Kirchenleitung vor allem darum, gemeinsam und aus der Praxis heraus neue Ideen für eine zukunftsfähige Jugendarbeit zu finden. Den Auftakt bildete eine Zukunftskonferenz vom 14. bis 17. Januar 2010 in Obermarchtal, auf der konkrete Experimente für die Praxis der Beteiligten vereinbart werden. Die Tagungsteilnehmer wurden vor Ort zu Botschaftern für ihre Experimente und suchen sich dort weitere Partner und Förderer, die das Experiment mittragen.

Während der anschließenden Experimentierphase entstehen über die Diözese verteilt viele verschiedene "Versuchslaboratorien", die neue Formen, Orte, Methoden und Inhalte kirchlicher Jugendarbeit erproben. Die daraus gewonnenen ersten Erkenntnisse werden im Herbst 2010 mit möglichst allen an der Zukunftskonferenz und an den Experimenten Beteiligten und mit Bischof Dr. Gebhard Fürst gemeinsam bewertet. Aus den dort benannten Handlungsempfehlungen und Folgerungen sollen bis Mitte 2011 konkrete Umsetzungsschritte für eine zukunftsorientierte Jugendarbeit entstehen.

"Das Jugendforum hoch drei ist ein offener und zugleich spannender Prozess, da ungewiss ist, was am Ende dabei herauskommt", so Weihbischof Thomas Maria Renz zum Abschluss der Diskussion. Gleichzeitig betonte er die große Bereitschaft seinerseits und des Bischofs die Zeichen der Zeit zu erkennen und diesen Prozess mit allen Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen, zu unterstützen. Mut zum großen Denken steht auch für die Diözesanleitung BDKJ/BJA im Mittelpunkt des bevorstehenden Jugendforums hoch drei.

Gerade für Ehrenamtliche eröffne der dreistufige Prozess die Möglichkeit, sich mit ihren Ideen und Visionen an verschiedenen Phasen, insbesondere an den praktischen Experimenten zu beteiligen - und das in einem für junge Menschen überschaubaren Zeitraum von einem Jahr. Damit reagiert der Dachverband katholischer Jugendverbandsarbeit auf die Erkenntnis, dass ehrenamtliches Engagement junger Menschen verstärkt projektorientiert, werden die Aktionen unverbindlich und zeitlich begrenzt stattfinden.

 

 
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