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Jugendkirche gegen 'Vogelstrauß-Mentlität' PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 9. März 2010

Sexueller Missbrauch beherrscht derzeit die Schlagzeilen in ganz Deutschland. Ob es Internate, Kinderheime oder sonstige Einrichtungen sind, immer wieder tauchen weitere Opfer auf, die sich durchringen konnten, ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich zu machen und zur Anzeige bringen. Bisher kann man die Jugendkirchen ausnehmen, doch es herrscht auch da große Verunsicherung und Klärungsbedarf.  Aus diesem Grund haben die Caritas und der Bund Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ) im Dekanat Rottweil in Kooperation mit dem Verein für sexuell Missbrauchte, "Phönix", aus Tuttlingen ein Seminar zum Thema "Sexuelle Gewaltprävention" veranstaltet.

Wie man in den Medien und Statistiken entnehmen kann, scheint diese Problematik aber nicht nur innerhalb der Katholischen Kirche, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen stattzufinden. Allerdings verliert besonders die Katholische Kirche mit ihren moralischen Ansprüchen an Glaubwürdigkeit. Unabhängig von den derzeitigen Geschehnissen zielte das Seminar darauf ab, allen Interessierten, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, wichtiges Basiswissen zu vermitteln.

Die Seminarleiterin Sabine Dietrich konnte auch einiges aus ihrer großen Erfahrung an die 15 Teilnehmer weitergeben. Zum einen erklärte sie, wo und wie Täter systematisch vorgehen. "Täter sind schwer zu erkennen, denn sie wissen sehr gut, wie sie ihre Taten verschleiern können! Außerdem gibt es junge und alte Täterinnen, also auch Frauen!", stellte Dietrich zu Beginn ihres Seminars klar. "Dabei geht es ihnen nicht um sexuelle Befriedigung, sondern vielmehr um Macht!" so Dietrich weiter. "Eine veraltete Sexualmoral oder eine entgleiste Sexualgesellschaft sind deswegen an den zahlreichen Opfern nicht schuldig!"

Die Opfer selbst befinden sich oft in einer hierarchischen und undurchsichtigen Umwelt. Rund 90 Prozent der Täter befinden sich im engeren Bekanntenkreis. Dabei sind besonders Kinder gefährdet, die mangelnde Liebe verspüren, ein starkes Machtgefälle in der Familie erleben, fehlende Anerkennung empfinden, mangelhaft in Sexualität aufgeklärt oder ein geringes Selbstwertgefühl haben. "Sie befinden sich in einem Dilemma zwischen missbraucht und geliebt zu werden.", versucht Dietrich die Situation missbrauchter Kinder zu deuten. "Sie stehen so unter dem Einfluss der Täter, dass sie es kaum mehr schaffen aus all den Verstrickungen und Verwirrungen herauszukommen, selbst dann nicht, wenn der Täter längst tot ist."

Präventiv helfen vor allem feste Regeln, wie: "Sprich mit keinem Fremden!", "Geh nicht alleine fort!" oder "Sei bis zum Einbruch der Dunkelheit daheim!" Doch diese Regeln helfen vor allem nur gegen Fremde. Der größere Teil der Täter hat jedoch im Bekanntenkreis ganz andere Möglichkeiten. Hier rät Frau Dietrich zu "Handwerkszeug für ganz bestimmte Situationen" wie zum Beispiel Weglaufen, Schreien, nein-Sagen oder Geheimnisse erzählen! Prävention findet also schon in der frühen Kindheit statt. Kinder können schon früh ein Gefühl dafür bekommen, was richtig oder falsch ist, was man darf und was nicht.


Am Ende des Seminars hatten die Teilnehmer viele neue Einblicke bekommen und konnten sich gute Tipps und Ratschläge holen, wie sie mit solchen Situationen umgehen können. Außerdem wurde durch den gemeinsamen Austausch unter den Teilnehmern sehr deutlich, dass sexueller Missbrauch nicht nur in den Medien oder in der Ferne Thema ist, sondern hier jeden einzelnen angeht, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat! 

siehe auch:

Schutzinteresse von Kindern und Jugendlichen 

Sexualstrafrecht für Jugendliche 

Aufsichtspflicht 1 

Mehr Information zum BDKJ und zur katholischen Jugend(verbands)arbeit:

Katholischen Jugendreferat/BDKJ-Dekanatsstelle Rottweil

Königstr. 47
78628 Rottweil
Tel.: 0741/246 127
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
www.bdkj.info/rw 
 
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