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Jugendkirche ... und "die neuen Medien" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 8. Februar 2010

Es tut sich was! Manch einen wird es irritieren, weil bekannte Pfade verlassen werden, da Neues gewagt wird. Das bedeutet auch Abenteuer und Risiko. Doch könnte es sein, dass die christlichen Kirchen genau das benötigen: Mut zum Abenteuer, Mut zum Risiko, Mut zum Neuen? Wir können ins Nachdenken kommen, können Initiative ergreifen, können versuchen, etwas zu bewegen. Auch im Irrgarten des Cyperspace ist es möglich, Gott zu begegnen. Zu dieser Erkenntnis kommt nicht nur Vatikansprecher Pater Federico Lombardi in einer Folge der Vatikan-Fernsehsendung "Octava Dies".
 
Papst Benedikt XVI. hat die Priester zu einer stärkeren Nutzung des Internetnetzes aufgerufen. Die neuen Medien böten "seelsorgerisch unbegrenzte Perspektiven" und eröffneten eine "neue Epoche" der Glaubensverkündigung, schrieb der Papst. Die Verbreitung und der "beträchtliche Einfluss" der neuen Kommunikationswege verpflichte die Kirche, diese Möglichkeiten engagierter zu nutzen.  Der Pontifex betont: "Auch in der digitalen Welt soll bekannt werden, dass die Zuwendung Gottes zu uns in Christus nicht eine Sache der Vergangenheit ist und auch keine gelehrte Theorie, sondern eine ganz und gar konkrete und aktuelle Wirklichkeit."
 
Pater Lombardi bezeichnete die Botschaft des Heiligen Vaters als "klar und ermutigend". Priester müssten ihre Leitungsfunktion auch in den neuen Gemeinden der digitalen Welt ausüben. Sie werden aufgefordert, auch Blogs und Online-Videos zu Evangelisierung und Katechese zu nutzen. Ein "angemessener und kompetenter Gebrauch" des Internet soll nach den Worten des Papstes Bestandteil der Priesterausbildung sein. Praktische Medienkenntnis solle sich mit einer soliden theologischen Vorbereitung und Spiritualität verbinden.
 
Ein Priester müsse in der "digitalen Welt sein Herz als Mann Gottes durchscheinen lassen" und dem "Kommunikationsstrom des Internet eine Seele geben". Das Wort Gottes werde sich "seinen Weg unter den unzähligen Schnittstellen im dichten Netz der Highways, die den Cyberspace durchziehen, bahnen". Aber der Papst warnte: "Der Gläubige, der begeistert und mutig in die Welt der sozialen Kommunikation vordringt, die jeden Tag vor außergewöhnlicher technischer Neuheiten nur so überschäumt, vom iPod über das iPhone bis zum iPad, muss das Ziel, das ihn lenkt, kennen, damit er nicht in der Faszination für die Mittel gefangen bleibt und sich verliert."

Benedikt XVI. rief zu besonderer Aufmerksamkeit für Nichtglaubende und Menschen anderer Religionen auf. Das Internet verglich er mit dem "Haus des Gebetes für alle Völker", das der Prophet Jesaja ankündigte. Auf Gefahren einer missbräuchlichen Nutzung des Internets und etwa auf Fragen, die den Schutz der Persönlichkeitsrechte betreffen, geht die Botschaft nicht ein. Auch konkrete pastoralpraktische Probleme wie Beichte und Sündenvergebung über Internet werden nicht angesprochen. Das Ziel sei die Begegnung mit Gott, der der letzte Sinn von Dialogsbeziehungen, Freundschaft und gemeinsamer Anteilhabe sei, die das Web heute ermögliche.

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Die Fallen, die die Pfade des Cyberspace heute pflastern, sind zahllos", betonte Pater Lombardi, "von Oberflächlichkeit bis hin zu Falschheit und Perversion. Aber es gibt auch viele Nutzer, die Freundschaft, Wahrheit und Gutherzigkeit suchen." Der Pater bezog sich auf Papst Benedikts XVI. Bild vom "Vorhof der Heiden" im Jerusalemer Tempel, der denjenigen offen stand, die Gott noch nicht kannten, die aber den Wunsch nach absoluten und ewigen Wahrheiten hegten.

 Er lud abschließend dazu ein, Gottes Liebe auch in die Welt der Technologie zu bringen: "Lassen Sie uns den digitalen Kontinent betreten, um herauszufinden und zu wissen, wie mit Enthusiasmus und Kreativität, Mut und Besonnenheit, auch hier auf die Zeichen der Gegenwart Gottes und seiner Liebe für alle verwiesen werden kann."

"Religiöses Fast Food" oder "Christentum light"

Das Oberhaupt der katholischen Kirche lobt Online-Netzwerke als ein Geschenk der Technik und will über seinen YouTube-Kanal besser mit den Menschen kommunizieren. Der Siegeszug moderner Kommunikationstechnologien verzeichnet bereits ein eklatantes Umdenken. Einem aktuellen Bericht des San Francisco Chronicle zufolge hat sich in den USA mittlerweile eine völlig neue Form der Kirchengemeinde herausgebildet, die hauptsächlich im Internet stattfindet und eine rasant wachsende Anhängerschaft verzeichnet. Von Gottesdiensten mit virtuellen Predigern über Bibelstunden in Chat-Rooms bis hin zu Online-Beichten und -Taufen wird dabei alles geboten, was den Gläubigen auch bei einem herkömmlichen Kirchgang erwartet.

"Das Internet ist für uns nur eine weitere Umgebung, in der sich echte Beziehungen zu Menschen aufbauen lassen", erklärt Rob Wegner, Pfarrer an der Granger Community Church http://www.gccwired.com im US-Bundesstaat Indiana, der seit geraumer Zeit eine eigene Web-
Kirche betreibt. Das Netz sei gewissermaßen als "virtuelle Vorhalle" einer Kirche zu sehen, in der sich "verlorene Seelen" einfinden könnten, um wieder zum Glauben zurück zu finden. "Vor 50 Jahren konnte man noch erwarten, dass alle Gläubigen zu einem in die Kirche kommen. Heute müssen wir die Leute dort abholen, wo sie sich aufhalten", begründet Wegner sein Online-Engagement.

Dass
Kirchen ihre Aktivitäten derart ausgiebig ins Internet verlagern, stößt bei einigen Vertretern der christlichen Glaubensgemeinschaft allerdings auf heftige Ablehnung. Kritiker bezeichnen das aufkommende Phänomen bereits als "religiöses Fast Food" oder "Christentum light". "Ein virtueller Kirchgang ist eine Ergänzung für den 'Face-to-Face'-Kontakt, kein Ersatz", stellt Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) klar.

Das Prinzip, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind, sei nicht neu. "Der Auftrag des auferstandenen Christus, das Evangelium zu verkünden, gilt unbegrenzt und umfasst alle menschlichen Kommunikationsräume und Lebensvollzüge, also auch das Internet", betont Kopp. Obwohl dem Web auch in Deutschland eine zunehmende Bedeutung als Medium der Glaubensinformation, des Austausches und der Seelsorge zukomme, sei die Durchführung einer Online-Messe oder -Beichte aber mit dem katholischen Verständnis unvereinbar. "Es gibt keine Sakramentenspendung via Internet", so Kopp.

Wie auch immer man zu den Internet-
Kirchen stehen mag, fest steht, dass die Zahl entsprechender Online-Dienste in letzter Zeit kontinuierlich angewachsen ist. Einer aktuellen Schätzung zufolge sollen in den USA derzeit bereits 40 solcher Webseiten existieren. Auch die Anhängerschaft der neuen Form der Gläubigen-Seelsorge weitet sich beständig aus. So verzeichnet alleine die Homepage der LifeChurch http://www.lifechurch.tv , einem der Pioniere in diesem Metier, durchschnittlich bis zu 60.000 einzelne Seitenaufrufe pro Woche. Die Besucher, die sich dort einfinden, kommen dabei aus 140 verschiedenen Ländern der Welt. Der 44. katholische "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel" wird übrigens am Sonntag vor Pfingsten am 16. Mai begangen; in Deutschland erst am 12. September. Er steht unter dem Motto "Der Priester und die Seelsorge in der digitalen Welt - die neuen Medien im Dienst des Wortes".
 
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