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Jugendkirche - Fastenzeit ist angesagt - Computerfasten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Samstag, 24. März 2007
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des kansch vergesse

 

Was einfach klingt, ist für viele Bewohner des Cyberspace kalter Entzug. Das Prinzip ähnelt dem Vorschlag des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, als dieser 1978 einen fernsehfreien Tag pro Woche einforderte. Selbst damals, als man sich lediglich an drei Fernseh-Kanälen erfreuen durfte, stiess der Vorschlag auf heftigste Gegenwehr - mit durchschlagendem Erfolg

 

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In den letzten 20 Jahren konnte man beobachten, wie Computer Stück für Stück unseren Alltag erleichtert und teilweise leider auch beherrscht haben. Inzwischen hängen 'zig Millionen Arbeitsplätze direkt und jeder irgendwie indirekt vom Computer ab.

 

 

 

Ein ganzer Tag ohne Computer.
compuday0.jpgEin Tag ohne Instant-Messaging und E-Mails, ein Tag ohne Communities und, für viele wohl das Schlimmste: ein Tag ohne 'World of Warcraft' und 'Second Life'.
 
 Statt mit ominösen Internetbekanntschaften aus Klein Klickerlesdorf zu chatten, könnte man mal wieder mit Freunden aus dem gleichen Ort etwas unternehmen, falls die DICH noch erkennen. Kann das funktionieren?
 
Dieser Frage wollen Denis Bystrov und Michael Taylor in ihrer Shutdownday-Initiative (www.Shutdownday.org) auf den Grund gehen. Die Beiden wollen wissen, wie viele private Computeranwender es am 24. März 2007 schaffen werden, den Computer 24 Stunden lang 'ohne wenn und aber' abgeschaltet zu lassen.

Und die Entzugserscheinungen dürften enorm, die Dunkelziffer der Internetsüchtigen nicht kalkulierbar sein. Erste Stationen des Leidenswegs ist wohl eine übersteigerte Nervosität, danach könnten sich Depressionen bemerkbar machen. Im Forum des ''Shutdown Day''-Projekts finden sich zahlreiche Ratschlägen, wie sich die computerfreie Zeit am besten überstehen lässt - Tipps zur Freizeitgestaltung werden selbstverständlich über Internet vermittelt.compday4.jpg

"Ich selbst kann und will nicht mehr ohne meinen Computer leben", gibt Taylor unumwunden zu. "Ich verbringe viel Zeit in Chats, anstatt mich mit meinen Freunden persönlich zu treffen. Manchmal verzichte ich darauf, ein ordentliches Essen zu kochen, weil ich Nachrichten lesen oder die aktuellsten Videos auf YouTube sehen will."

Während die Medienjunkies einfach zu Fernsehen, DVD und Konsole greifen, kündigen einige 'Hard Liner' an, dass sie den ''Shutdown Day'' komplett ohne moderne Unterhaltungselektronik durchstehen wollen. Interessenten können vorab am Life-Ted teilnehmen und ihre Stimme mit einer Google-Earth-Position und einem Kommentar versehen.

compuday2.jpgDieser Abschalttag fällt aus dem Grund auf einen Samstag , da in der heutigen Geschäftswelt ein Auskommen ohne Computer nicht mehr denkbar wäre. Ziel des "'Shutdown Day's" sei es, herauszufinden, ob ein Privatleben ohne PC und Internet überhaupt noch möglich wäre. Zudem könnten, wenn nur genügend Anwender weltweit teilnehmen würden, auch direkte Effekte auf einschlägige Webservices, ja sogar auf den Stromverbrauch von Ballungsgebieten festgestellt werden.

Viele Eltern verbrächten mehr Zeit vor dem Rechner, als mit ihren Kindern zu spielen und umgekehrt, so Taylor. Selbst Bill Gates schreibt seinen Kindern Computer-freie-Zeit vor. Damit möchte Taylor aber nicht die PC-Benutzung verurteilen. Der 'Shutdown Day' solle auf keinen Fall belehren; an Computernutzung sei nichts Falsches, "allerdings wäre es interessant, einen Tag lang darauf zu verzichten, um zu sehen, was passieren wird", erläutert Taylor die Hintergründe zur Initiative.

compuday3.jpgDie äusserst positiven Reaktionen haben Taylor überrascht: "Ich dachte zuerst, Zustimmung und Ablehnung würden sich die Waage halten. Über 40.000 Einträge auf News-Seiten, Blogs und Foren innerhalb der ersten Woche sind aber überwältigend. 90 Prozent davon waren sehr positiv."

"Kürzlich erreichte mich eine E-Mail aus Indien. Ein Mann schrieb, er könne leider aufgrund seiner Arbeit nicht teilnehmen, würde jedoch einfach den darauffolgenden Tag computerfrei gestalten", freut sich Taylor.

Keine Freizeit ohne PCDer ''Shutdown Day'' soll jedoch kein moralinsaurer Verbotstag werden, der den Menschen zeigt, dass sie vollkommen abhängig von PC und Internet sind. Es handelt sich auch um keinen Boykott der Internet-Branche. Vielmehr gilt es herauszufinden, wie viele Menschen privat tatsächlich in der Lage sind, einen Tag ohne PC zu verbringen - und da sind vor allem Jugendliche gefordert.

Zum vorläufigen Schluss wollen wir uns noch daran erinnern, dass damals alle Menschen der Erde gleichzeitig springen sollten um zu sehen, ob man damit vielleicht die Erdumlaufbahn ändern könne, damit die Menschheit einen erbärmlichen Kältetod in den Weiten des Weltalls auf sich nehmen darf - es ist anzunehmen, dass sich Hunderttausende beteiligten.

Wir erinnern uns an Svens Fussballwette und all jene, die derartige skurille Ideen ebenso kommerzialisieren konnten und seine Nachahmer , wo millionenfach Leute aus aller Welt zwanghaft in kürzester Zeit eine Seite besucht haben, nur um das Nacktfoto von Svens Schwester zu sehen, welches aber leider durch die ganzen Werbebanner verdeckt wurde.

shut_down_logo.jpgOder auch an die weltweit eher rührige Plakataktion von John Lennon und Yoko Ono, ganz im Stile der Fluxus-Bewegung gestaltet, wenn auch mit wesentlich mehr Kapitlmitteln, wie sonst eigentlich für eine derartige Akteion vorhanden: WAR IS OER if you want it.

Und was ist mit dem Shutdown Day? Über 70.000 Menschen werden sich, zumindest haben sie es vor, weltweit bereit erklären, ihren Computer  einen Tag lang nicht einzuschalten. Ca. 10.000 halten diese Aktion für groben Unfug und bleiben besser online, der Rest der User ignoriert das alles sowieso.

Auf einer Google-Weltkarte besteht die Möglichkeit, sich samt Wohnort zu verewigen, damit die Leute wissen, wo am 24. März ausnahmsweise niemand Zuhause sein wird, da dann die Internet-Süchtigen angeblich die Häuser verlassen, um sich billigen Ersatzbefriedigungen hinzugeben.

Betrachtet man die Karte genauer, ist eines besonders augenfällig: In Afrika erklärte sich bislang niemand bereit, seinen PC auch nur für einen einzigen Tag auszuschalten. In China ebenso.
Und sonst ... ?
 
 
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