 Sorgen, Vorbehalte, weiterer Diskussionsbedarf: Dennoch rang sich die Herbstsynode der Evangelischen Kirche Mannheim zu weiteren Einsparmaßnahmen durch und verabschiedete mit Mehrheit Eckdaten für den Etat 2010/2011. In den nächsten Jahren sollen Schulden weiter abgebaut, Verwaltungskosten auf die Gemeinden umgelegt, Zuschüsse gekürzt und Einnahmen gesteigert werden. Das beschlossen 90 stimmberechtigte Synodale nach fast vierstündiger, teils lebhafter Debatte in der JuKi auf dem Waldhof.
Bei all den liebvoll gedeckten Tischen in den Räumen der Kindervesperkirche: Besinnliche Adventsfreude wollte so recht nicht aufkommen. Zu ernst ist die Lage, zu groß die Besorgnis, dass in den nächsten vier Jahren für wichtige Aufgaben kein Spielraum mehr bleibt. "Die Luft ist so dünn, dass das Atmen schwer fällt", wollte Anne Ressel von der Neckarstadt-Gemeinde wissen: "Wo können wir überhaupt noch Luft holen?"
Bei den jetzt beschlossen Eckdaten, die Kürzungen bis zu 30 000 Euro in einigen Arbeitsbereichen vorsehen, die bisher Zuschüsse benötigten, fürchten manche um ihre Existenz. Sanctclara zum Beispiel, das renommierte ökumenische Bildungszentrum, könnte bedroht sein, wenn die Landeskirche nicht einspringt.
Leiter Dr. Michael Lipps äußerte sich denn ebenso verschnupft wie Citykirchen-Pfarrerin Ilka Sobottke. "Wir können es uns nicht leisten, mal ebenso klarzukommen", hätten die beiden sich "alternative Einsparvorschläge" gewünscht.
Stadtdekan Günter Eitenmüller und Synodalvorsitzender Friedhelm Klein ließen indes keine Zweifel: Nach der ersten Konsolidierungsphase, in der vor allem Immobilien verkauft wurden, müsse man den Weg nun weiter fortsetzen. Und da "geht es eben jetzt ans Eingemachte", kündigte Eitenmüller an. Klein rief die Gemeinden auf, die im "Kirchen-Kompass" festgelegten Ziele gemeinsam und solidarisch zu gestalten. Der Dekan hatte allerdings auch positive Nachrichten parat. 2008 und 2009 sei mehr eingespart worden als vorgesehen,
Kindertagesstätten und das Diakonische Werk (DW) seien aus den roten Zahlen längst heraus. Vier Millionen Euro konnten seit 2002 strukturell eingespart werden. Trotzdem drückt ein Schuldenberg von 23 Millionen Euro. Alle Arbeitsbereiche, Gemeinden und Heime, müssten daher ihren Beitrag leisten. Im Vergleich zum Umland stehe Mannheim aber immer noch gut da: So sei man trotz Schrumpfen der Mitgliederzahlen um die Hälfte bisher ohne betriebsbedingte Kündigungen ausgekommen.
Eitenmüller: "Zudem gelten wir als der lebendigste Kirchenbezirk im Land." Kirchenmusik, Seilgarten, Sanctclara, Arbeitslosenzentrum, Vesperkirchen, Diakonie Projekte - all das seien "Einrichtungen, um die uns viele beneiden". Ziel sei deshalb "möglichst viel davon zu erhalten, die Lasten möglichst so verteilen, dass sie jeweils noch getragen werden können". Der Haushalt 2010/2011 soll spätestens im April bei der Frühjahrstagung der Stadtsynode beschlossen werden.
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