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Kirche - Mit Zukunft? - Ohne Jugendkirche? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 20. November 2009
Dekan Siegel referiert"Wie geht es mit der Kirche weiter?" war die Frage, die in einem Vortrags- und Gesprächsabend mit Pfarrer Gerold Siegel, Dekan im Dekanat Rastatt/Murgtal, im Pfarrheim St. Bernhard in Durmersheim, am 12. November umrissen wurde; und: "Wie sehen die Vorstellungen von einer katholischen Kirche von morgen aus?" Mit diesem Themenkomplex wollten sich nicht nur die Gemeindemitglieder der Seelsorgeeinheit Durmersheim-Würmersheim/Au am Rhein auseinander setzen - auch auf Dekanatsebene sollten Denkprozesse für ein "querbeet diskutieren" angeregt werden.

Bedenklich sei eine zunehmende Tendenz der Abgrenzung und der individuellen Beurteilung von gemeindlichen Vorgängen, die die Tatsache ignoriert, dass Kirche für alle da ist, mahnte Siegel innerhalb seines Referats denn auch an. Pfarrgemeinde für alle bedeute, sich nicht als abgeschottete Gruppe zu begreifen: "Ich möchte ein neues, geschwisterliches Miteinander innerhalb der Kirche - die Glaubensgemeinschaft soll für alle zugleich Rückhalt und Heimat sein".

Wichtig ist ein offenes, neues Denken: Weg vom "Ich", hin zum "Du", zum "Wir". Vor allem als Hauptamtlicher aber auch als Ehrenamtlicher in einer exponierten Stellung wird ein "nach unten Denken" in Zukunft erforderlich sein, um die Lebensräume der Menschen, vor allem der Jugendlichen, in das kirchliche Gemeindeleben mit einbinden zu können. "Wir wollen Jugendliche haben, wollen aber keine Bereitschaft zeigen, darzustellen, was Jugendkirche eigentlich ist."

Umdenken ist angesagt. Die Kirche bleibt sonst auf der Strecke. Hauptamtliche sowie engagierte Ehrenamtliche sollten schleunigst lernen in größeren Einheiten zu denken, ohne die Jugend außen vor zu lassen. "Ich glaube, dass es Tatsache ist, dass viele junge Menschen sich für soziale Projekte und Belange einsetzen und stark machen. Dieses Engagement verlangt hohen Respekt. ... Junge Menschen in unserer Kirche können etwas bewegen.“

Siegel, Dekan von rund 92.000 Katholiken seit September 2004, ist einerseits der Mann des Bischofs vor Ort, repräsentiert das Dekanat nach außen, andererseits stellt er auch die Verbindung der Pfarrgemeinde ins Ordinariat her. Deshalb sieht sich Dekan Siegel als Vermittler zwischen diesen Ebenen.

Ein erklärtes Ziel Siegels ist es, die vielen Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden zu befähigen, noch mehr innerkirchliche Verantwortung zu übernehmen. "Die Laien sind bereits eine große Stütze, man muss sie auch aufgrund immer weniger Hauptamtlicher in Leitungsaufgaben, liturgische Dienste und im pastoralen Bereich einbinden und ihre Ausbildung fördern" - innerhalb der verschiedenen Ebenen der Kirche.

Es gilt aber auch, eventuell neue Seelsorgeeinheiten zu bilden, die Teams zu visitieren oder bei Problemen innerhalb der Pfarrgemeinden zu vermitteln. Eine Problematik, die durch die größer werdenden Seelsorgeeinheiten entsteht, ist der überbordende bürokratische Aufwand. Hier sollte die geistliche Leitung wahrgenommen, die Bürokratie jedoch ausgelagert und von Profis bewältigt werden. Stichwort: Übersicht abgeben, lediglich delegieren; denn die Arbeit ist nur zu leisten, wenn die Seelsorger vor Ort weitere Unterstützung bekommen, "sonst sehe ich keine Chance, allen Herausforderungen gerecht zu werden."

Ein Dekan muss auch immer ein Konfliktmanager sein. Für Diskussionen sorgt derzeit die Frage nach dem Wie? einer Realisierung der Jugendkirche in Würmersheim, die bereits im Fusionsvertrag der Seelsorgeeinheit festgeschrieben ist. Für eine eher konservative Haltung steht Pfarradministrator Remi Purzeau (der allerdings grünes Licht gegeben hat zur Fortsetzung des Projekts und für zwei besondere Jugendkirchen-Wochenenden), während Dieter Janikovits als geistlicher Leiter der JKG und langjähriger Gemeindereferent den Jugendlichen großen Gestaltungsfreiraum in der Kirche zugestehen möchte - beide konnten an diesem Abend nicht anwesend sein.

Dekan Siegel äußerte sich positiv in Bezug auf Jugendkirche, sieht sich gleichwohl einem diktatorischen Denken gegenüber, das in der heutigen Zeit des demokratischen Dialogs, auch innerhalb der katholischen Kirche, nur schwer nachvollziehbar bleibt. In vielen Bereichen ist es notwendig, dass sich der Priester nicht als Amtsträger, sondern als ein von "Gott Getragener" begreift. Bleibt man in Strukturen erstarrt, werden leicht Inhalte vergessen. Das Spirituelle bleibt zurück. Spätestens da taucht die Frage auf: Möchte ich Seelsorgemanager oder Priester sein? Die herkömmliche Pfarrei ist nicht mehr zeitgemäß. Kirchen sind heute Lebensräume, in denen Menschen diskutieren.

In einem Schlusswort bedankte sich der studierte Theologe und Romanist Klaus Nientiedt, Vorsitzender des katholischen Bildungswerkes der Seelsorgeeinheit Durmersheim/Au am Rhein sowie seit Mai 1998 Chefredakteur des Konradsblattes, für die rege Teilnahme mit der Hoffnung, dass die Anwesenden zu neuen Überlegungen und Diskussionsgrundlagen innerhalb der Gemeinde angeregt werden konnten.
 
 
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