Am vergangenen Freitag fand in Leverkusen zum fünften Mal die Kunstnacht statt. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler präsentierten sich und ihre Werke im ganzen Stadtgebiet. In Anbetracht von 38 über das Stadtgebiet verteilten Stationen, die man alle nur theoretisch anfahren konnte, war man einmal mehr dazu gezwungen, sich an den Extremen zu orientieren. Einige der spontansten und "schönsten" Bilder gab es in der Jugendkirche Opladen zu sehen, wo junge Menschen selber aktiv wurden und weiße Steh-Figuren bemalten.
Kunstnacht in Leverkusen - das war auch in diesem Jahr wieder eine Nacht der Superlative. Da wäre zum Beispiel die am weitesten abgelegene Galerie der Nacht: die ehemalige Witzheller Kornbrennerei in Lützenkirchen. Unmittelbar am Ortsausgang gelegen, kommt dahinter erstmal nur noch Bergisches Land.
Hier stellten Heiko Bitter, Hans Günther Aubel und Georg Bortfeldt ihre Fotografien und Digitaldrucke aus und präsentierten Industriemotive ebenso wie venezianische Maskenporträts. Doch mehr noch als als die Motive an sich berührte die Kombination aus Tradition und Moderne: "Hier wird moderne Fotografie in einem Haus mit langer Geschichte und großer Tradition gezeigt - das ist wunderbar", sagte Heinz Neubacher, der mit Ehefrau Ute gleich nebenan wohnt und sich über einen gelungenen Start in seine erste Kunstnacht freute.
Die verrückteste Kunst des Abends war hingegen zweifelsohne im Opladener Kulturausbesserungswerk (KAW) zu sehen: Die beiden jungen Künstler Richie Ranz und Whack (jeweils 23) stellten Schrottkunst aus. Vor der großen Halle strahlten Scheinwerfer aus rostigem Metall zusammengeschweißte Fabelwesen und absonderliche (Nicht-)Gebrauchsgegenstände wie den "Keinkaufswagen" das "Straußodil", den "Kulturaptor" oder den "Riesen-Reiher" an. Ein bizarrer Charme war das - vor allem, wenn daneben die beiden Schrott-Kreativen mit dem Brenner in der Hand zu neuen Kreationen ansetzten und die Funken fliegen ließen.
Die vielleicht meisten Gäste durfte am Abend Martina Auweiler-Gewaltig in Hitdorf begrüßen - was nicht von ungefähr kam. Erstens halten Hitdorfer ganz besonders fest zusammen, weswegen sich zahlreiche Freunde und Bekannte in ihrem Haus an der Hitdorfer Straße tummelten und drängelten und sich die bunten, fröhlichen "Hinter Glas"-Gemälde der Künstlerin anschauten.
Der "heißeste" Ort der Kunstnacht war der Innenhof der Jugendkunstgruppen in Küppersteg. Und zwar nicht, weil Alfred Prenzlow zu seinen Landschaftsgrafiken schottischen Whisky servierte, der angenehmen brennend die Kehle herunter rann. Sondern weil sich Ulrich Rüdiger der alten japanischen Kunst des "Raku-Brandes" widmete: Aus speziellem Ton geformte Gefäße bemalte er mit einer Glasur, erhitzte sie in einem Blockofen auf 1000 Grad und kühlte sie anschließend in Sägespänen und Wasserbad ab.
Selbstverständlich ließen sich noch viele weitere Superlative nennen - so etwa das Atelier der Künstlerpaares Monika und Josef Schiefer, in dem sich sogar zu "spätester" Stunde (weit nach Mitternacht) noch regelmäßig Besucher einfanden. Oder das Naturgut Ophoven, in dem mit Ute Becker (Künstlergruppe "7Art") jene Teilnehmerin ihre Acrylbilder ausstellte, die die weiteste Anreise zur Kunstnacht hatte: Becker lebt in Prag
Indes: Das "schönste" Bild gab es in der Jugendkirche Opladen zu sehen, wo junge Menschen selber aktiv wurden und weiße Steh-Figuren bemalten: Die beiden Frauen Sarah Koulatedj (28) und Jen Justen (23) heiraten im Mai 2010 und hatten sich mit dem Pinsel in der Hand schon mal ihr schönstes Hochzeitsgeschenk selber beschert: Ihre Figur zierte ein großes, rotes Herz mit Engelsflügeln und zwei Ringen darunter.
Und auf dem Haupt saß eine Dornenkrone als Bild für den Segen, den Gott dem gemeinsamen Leben der beiden bescheren möge. "Diese Arbeit", sagte Sarah, "bekommt einen Ehrenplatz bei uns." Schöne, verrückte, wunderbare, romantische Kunstnacht!