Der Kurznachrichtendienst Twitter, der es möglich macht, Kurznachrichten von 140 Zeichen Länge in alle Welt zu senden, ist eines der Flaggschiffe des Web 2.0. Er sollte genutzt werden, um die Bibel in der Welt des Internets bekannt zu machen. Dazu war auf dem Kirchentag vom 20. bis 24. Mai im Bremen ein Rekordversuch der besonderen Art geplant. Das Ziel: Die gesamte Bibel während des Kirchentages und in den Tagen darauf bis Pfingstsonntag über den virtuellen Äther des Web 2.0 zu schicken (
siehe hierzu → In der JuKi wird getwittert).
Hauptakteure sollten Laien sein, die sich mit Gottes Wort auseinandersetzen, so der theologische Berater der Initiative, der Hamburger Pastor Christoph Römhild: "Ich finde das im besten Sinne evangelisch." Dazu hatten Promotoren unter der Leitung von Melanie Huber die Bibel zunächst in 3000 Abschnitte geteilt und diese auf Flyer drucken lassen. Jede Person, jedes Team, das so einen Flyer bekam, sollte sich den Abschnitt der Bibel auf dem Flyer durchlesen, den Zusammenhang in der Bibel ansehen und dann diskutieren, was der Kern des Abschnitts ist.
Jedes Team hatte die Aufgabe, diesen Abschnitt der Bibel mit eigenen Worten zusammenzufassen und diese Zusammenfassung bei den Promotoren wieder abzugeben, so dass die Zusammenfassung bei Twitter eingegeben werden konnte - oder dieses auch selber am PC direkt zu tun. Römhild: "Wir trauen es Laien zu, sich in dieser Form mit der Bibel auseinanderzusetzen." Jetzt liegt das Ergebnis - welche Widersinnigkeit - auch in gedruckter Form vor.
"Die Frankfurter Buchmesse präsentiert ..."

Anfänglich tummelten sich dort zunächst überwiegend Fachbesucher. Zwischen Selbsthilfeliteratur, Romanen und Fachbüchern stiessen Journalisten und Händler in diesem Jahr u.a. auf eine ganz besondere Klassiker-Neuauflage: die Bibel in Twitter-Format. "Und Gott chillte" ist der Titel des Buches zum Twitter-Rekord der Internetplattform "evangelisch.de" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Am Evangelischen Kirchentag diesen Jahres hatten die Macher der Internetpräsenz dazu aufgerufen, die Bibel mithilfe des modernen Mediums zusammenzufassen.
"3.906 Stellen mussten innerhalb kürzester Zeit gelesen, interpretiert und auf den Punkt gebracht werden, mit maximal 140 Zeichen im typischen Twitter-Stil. Mitmachen konnte jeder, je origineller die Kernbotschaft, desto besser. Weit über 6.000 Zusammenfassungen wurden eingereicht", heisst es auf "evangelisch.de". Im Vorfeld wurde die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in Abschnitte unterteilt - twitterkompatible Häppchen also. Hilfe beim Übersetzen leisteten unter anderem Theologen am "evangelisch.de"-Stand auf dem Kirchentag. So glückte schliesslich der Rekord: Innerhalb von zehn Tagen wurde die Bibel von 3.000 Übersetzern komplett getwittert.
Da klingt Matthäus 8, 23-27 dann so: "Jesus und Jünger im Boot. Sturm kommt auf. Jünger: Wir haben Schiss! Jesus: Müsst ihr nicht haben, bin doch bei Euch! Plötzlich Windstille." Psalm 117 beginnt mit den Worten "Gott ist der Oberchecker! Er ist voll korrekt, was er sagt, ist Ansage und er bleibt unser Big Daddy forever!!!" Den Titel des Buches entnahmen die Macher einer Twitterübersetzung aus 1. Mose: "Am siebten Tag war Gott fertig mit seinem Kreativ-Projekt, fand das Ergebnis genial und beschloss, ab jetzt zu chillen."
Melanie Huber von "evangelisch.de" erklärt: "Wir wollen Ihnen keine neue Bibel präsentieren, wir wollen die Heilige Schrift nicht ersetzen. Im Gegenteil. Sie bildet den Mittelpunkt. (...) Die Bibel kann und darf Spass machen, auch Leuten, die heute Gedrucktes schon gar nicht mehr in die Hand nehmen." Sie ist überzeugt, dass die Twitterbibel im Sinne der Heiligen Schrift ist: "Jesus sagt: 'Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht. Und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern' (Matthäus 10,27). Das heißt für uns: Jesus würde vermutlich twittern."
Auch Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der EKD meint in einem Kommentar zum Buch: "Der Rekordversuch von evangelisch.de ist eine grossartige Idee und eine spannende Herausforderung. Das Schöne ist: Die Menschen setzen sich dabei auf intensive Weise mit der Bibel auseinander. Eine typisch evangelische Aktion, denn auch Martin Luther war es ein Anliegen, den Menschen das Wort Gottes in einer zeitgemässen, leicht verständlichen Sprache näherzubringen."
Fragen rund um das Projekt beantwortet die Portalleiterin und Initiatorin Melanie Huber am Freitag, den 16.10.2009 auf der Buchmesse (Stand chrismon, Halle 3.1 G137). Das Buch "Und Gott chillte" umfasst 336 Seiten und ist beim Verlag "edition chrismon" für 9,90 Euro erhältlich.
"Am Rande ..."
Die Bibel ist in China, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse, ein besonderes Buch. Das Buch der Bücher hat in China eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In Auszügen brachten sie erstmals Missionare der Nestorianerkirche Anfang des 7. Jahrhunderts nach Westchina. Die erste vollständige Übersetzung gab die protestantische British und Foreign Bible Study 1822 heraus.
Während der schrecklichen Zeit der Kulturrevolution (1966-1976) schloss der chinesische Staat alle religiösen Stätten. Erst nach 1978 wurde die Heilige Schrift wieder zugelasssen. Heute ist die Bibeldruckerei der Amity Stiftung in Nanking für das Drucken chinesischer Bibeln verantwortlich. 1987 gegründet, untersteht sie dem Chinesischen Christenrat, dem Dachverband der staatlich registrierten protestantischen Kirche.
Die grösste Bibeldruckerei der Welt 2008 stellte rund zehn Millionen Exemplare her. Pro Sekunde wird in der Bibeldruckerei ein schwarz eingeschlagener Band mit leuchtend pinkfarbenem Schnitt produziert. Der grösste Teil davon ist für die Gläubigen in China gedacht. Über das kircheneigene Verlags- und Vertriebswesen gelangen die Bücher in die rund 55‘000 kirchlichen Buchläden.
Nach wie vor reagiert die kommunistische Regierung mit grosser Härte auf Versuche, Bibeln privat herzustellen oder in die Volksrepublik einzuschleusen. Zuletzt wurden im August 2008 rund 300 Bibeln von US-amerikanischen Missionaren am Flughafen der südchinesischen Stadt Kunming konfisziert.