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Stadtjugendpfarrerin Astrid Stephan nimmt Jugendkirche ernst PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Stadtjugendpfarrerin Astrid StephanKirchenvertreter des evangelischen Dekanats Wiesbaden haben mit grosser Mehrheit Plänen für eine evangelische JuKi in Wiesbaden zugestimmt. In Wiesbaden hat bislang nur die katholische Kirche mit der JuKi Kana ein Objekt, das die Arbeit mit Schulen in den Mittelpunkt stellt. Das protestantische Projekt biete Erlebnisgottesdienste, spirituelle Angebote, jugendkulturelle Veranstaltungen sowie Workshops, Seminare und einen Bistrobereich an und betone damit das "geistliche Profil". Die nächsten Themen ranken sich um die JuKi und das Gelände des Stadtjugendpfarramts. Die neue Stadtjugendpfarrerin Astrid Stephan wappnet sich für aufregende Zeiten.

"Meine Lehrer haben früher gesagt, ich sei viel zu still und viel zu schüchtern", erinnert sich Astrid Stephan (geb, 1966) an ihre Jugend in Wiesbaden. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag kam sie zum ersten Mal ins Stadtjugendpfarramt und fand dort einen Ort, an dem sie so angenommen wurde, wie sie war. "Genau dadurch habe ich mich stark verändert", weiss sie heute. Dass sie früher eine ganz Stille war, würde ihr heute wohl niemand mehr glauben.

Nach dem Abitur am Oberstufengymnasium West studierte sie Theologie in Marburg und sammelte Erfahrungen in der Lehre. Nach zwei Jahren Vikariat in Bad Nauheim und drei Jahren als Pfarrvikarin an der Arbeitsstelle Kirchentag in Frankfurt wurde sie 2002 zur Pfarrerin ernannt und erhielt eine Stelle in Lauterbach.

Nun war wieder Zeit für einen Wechsel. "In der Ausschreibung für das Stadtjugendpfarramt wurde jemand gesucht, der gerne organisiert", erzählt Astrid Stephan. Und auch die "Lust auf neue Projekte", die darin gefordert wurde, sprach sie an. In den Gesprächen mit den Verantwortlichen erfuhr sie bald, dass ein unmittelbarer Kontakt mit den Jugendlichen als Schwerpunkt gewünscht wird.

"Alles Dinge, bei denen ich nicht nein sagen kann", lacht sie. Die direkte Ansprechbarkeit wird sie allein dadurch dokumentieren, dass sie direkt auf das Gelände des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses ziehen wird. "Ich habe selbst erlebt, wie wichtig es ist, wenn jemand einen Blick für Jugendliche hat, die vielleicht jemanden zum Reden suchen", erinnert sie sich.

Obwohl sie seit 25 Jahren nicht mehr in Wiesbaden lebt, hatte sie all die Jahre Kontakt zur Landeshauptstadt. Dennoch ist ihr einiges fremd geworden. "Ein ulkiges Gefühl", gesteht sie ein. Doch sie vermittelt nicht den Eindruck, als würde sie das stören. Nachdem sie voraussichtlich im November in das Amt der Stadtjugendpfarrerin eingeführt wird, will sie sich zunächst die obligatorischen 100 Tage nehmen, um "zu verstehen, wie hier alles funktioniert".

Der grosse Konfirmandengottesdienst in der Ringkirche ist schon in der Planung, da wird sie hinzustossen. Als Mädchen hat Astrid Stephan erlebt, wie sehr Jugendarbeit einen Menschen prägen kann. An sich selbst nämlich. Auf dem Freudenberg aufgewachsen, war die Dreikönigsgemeinde vor allem unter Leitung von Pfarrer Gerhard Grau eine Art zweites Zuhause. “Wir haben dort oben einfach eine ganz tolle Jugendarbeit gemacht. Alle Jugendlichen kamen dorthin. Es war unser Treffpunkt", erinnert sich die allein lebende Pfarrerin.

Ähnliches will sie den Jugendlichen heute anbieten. Und wie? “Jedenfalls ohne mich anzubiedern. Davon halte ich nämlich gar nichts." Sie will aber allen Interessenten das Gefühl geben, “ihr seid hier willkommen, so wie ihr seid." Erste Gespräche mit den Besuchern im Bonhoefferhaus, wo das Stadtjugendpfarramt seinen Sitz hat, hätten ergeben, dass “die Jugendlichen Gottesdienste gestalten möchten, aber auch einfach mal feiern wollen".

Die nächsten Themen ranken sich um die Jugendkirche. Anschaulich erläutert Dekan Hans-Martin Heinemann die Notwendigkeit einer konsequenten Ausrichtung der Jugendkirche: "Wir übersetzen die Botschaft in die Lebenswelt der Jugendlichen - in eine Kultur, die ihnen entspricht." Ein neu gestalteter Kirchenraum biete den jungen Menschen einen Anziehungspunkt, nicht nur eine Kulisse.

Statt eines Gesangbuches gebe es einen Video-Beamer. Fürbitten könnten die Jugendlichen und Kinder - 21'000 im Alter von 6 bis 27 Jahren gibt es in der Stadt - per SMS direkt auf die Leinwand senden. "Wollen wir, dass unsere kirchlichen Orte Strahlkraft haben?", fragte der Dekan. Ziel der Initiative sei auch, alte Kirchen neu zur Geltung kommen zu lassen.

Propst Sigurd Rink nennt die Entwicklung der Jugendkultur dramatisch, denn die Nutzung des Computers stehe weit vor allen anderen Aktivitäten. Dennoch sei das Interesse an religiösen Themen da, besonders für andere Formen der Musiksprache im Gottesdienst. "Wiesbaden sollte hier Vorreiter sein", urteilt Rink. Astrid Stephan wappnet sich demgemäss für aufregende Zeiten. "Was ist gut für Jugendliche in Wiesbaden, was braucht und will die Kirche dort?" lautet ihre Leitfrage.

Eine evangelische “Jugendkirche" kann sich Astrid Stephan gut vorstellen für Wiesbaden. Aber erstmal will sie sich Zeit nehmen, die alte Heimatstadt, in der sich doch einiges verändert hat, wieder neu kennen zu lernen. Und auch die Akteure, zum Beispiel die auf katholischer Seite. Denn die Ökumene, sagt sie, “ist sehr wichtig. Aber nicht um jeden Preis."

Erfahrungen mit dem Ehrenamt hat sie früh gesammelt. Noch heute ist sie in der Leitung des Deutschen Evangelischen Kirchentages ehrenamtlich aktiv. Der Kirchentag wird weiterhin eine große Rolle spielen für die 42-Jährige, die übrigens zwei Katzen hat. Da passt es sehr gut, dass der Jugendkirchentag der EKHN nächstes Jahr in Mainz über die Bühne geht.

Der Einsatz gerade von Jugendlichen ist besonders wichtig. Den Evangelischen Jugendring in Wiesbaden lobt sie als eine "gut organisierte Vertretung ehrenamtlich aktiver Jugendlicher" und hat auch das Stadtjugendpfarramt als einen Ort wahrgenommen, der von den jungen Akteuren selbst gestaltet wird.

Übrigens wird sie in Zukunft wieder an der einen oder anderen Stelle mit einem Mann zusammen arbeiten, der durchaus Einfluss auf ihre Entwicklung als Jugendliche hatte. Als die schüchterne 15-Jährige seinerzeit in der Fritz-Kalle-Strasse "aufschlug", hiess der damalige Stadtjugendpfarrer Hans-Martin Heinemann, heute Dekan der Synode Wiesbaden.
 
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