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Zulehner-Abend zugunsten einer Jugendkirche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 6. Oktober 2009
Am Mittwoch, den 30. September, luden die Industriellenvereinigung und das Kuratorium Jugendkirche, das die JuKi Wien und die Gottesdienstreihe find.fight.follow finanziell unterstützt, zu einem Benefizabend in das Haus der Industrie ein, wobei der Erlös der Wiener JuKi zugutekam. Prof. Zulehner und das Wiener Institut für Praktische Theologie begleiten die JuKi Wien seit Beginn der Projekt-Planungsphase im Jahr 2003 wissenschaftlich. Das spannende Thema "Gott ist auch ein Gott der Atheisten" wurde vom emeritierten Wiener Pastoraltheologen Dr. Paul Michael Zulehner in gewohnt pointierter Weise umrissen.

Der Wiener Theologe plädierte für ein universales Gottesbild und behauptete: Die Christen tragen Mitverantwortung für das Wachsen des Atheismus und stellte seine Ausführungen vor den Hintergrund der heute pluralistischen religiösen Landschaft. Da gebe es aggressive Atheisten-Kampagnen wie zuletzt die von England ausgehende Plakatserie "There is probably no god" (hierzulande: "Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott").

Dass Formen des Atheismus und Agnostizismus zunehmen, liege auch in der Verantwortung der Christen, die - wie schon das Zweite Vatikanische Konzil gewusst habe - das "wahre Antlitz Gottes eher verhüllen als offenbaren". Zulehner plädierte für ein Christentum, das nicht auf "Modernitätsflucht" setzt. Statt der "spirituellen Leere" von Bildungsveranstaltungen müsse in der Kirche die Erfahrung möglich sein, "in Gottes Geheimnis einzutauchen".

Eine gerade unter Jugendlichen steigende Zahl an "religionsfreien unbekümmerten Alltagspragmatikern", die ohne Gott ganz gut auszukommen meinen, suchten "das Weite" und flüchteten in Drogen, Alkohol, Kriminalität oder ins Internet, andere hätten Sehnsucht und begeben sich auf Pilgerschaft - laut dem Pastoraltheologen eine "typische Haltung des modernen Menschen, der nicht sehr viel weiss über den Glauben, aber der wieder angefangen hat, zu suchen".

Damit unterstrich der Referent einen grundliegenden Ansatz der Jugendkirchen-Arbeit: Es geht nicht primär um "Bekehrung", sondern darum, mit Jugendlichen gemeinsam die Spuren der Anwesenheit Gottes in ihrem Leben aufzuspüren. Denn die Kirche ist kein Selbstzweck, sondern wird nur dann ihrem Auftrag gerecht, wenn sie diese Spurensuche auch und gerade den Menschen anbietet, die zweifeln oder nicht glauben (können). Ein angestrengt diesseitiges Leben mache oft "ratlos und depressiv" und begünstige eine Angstkultur, in der es Solidarität schwer habe, sich zu entfalten.

Zulehner wies in diesem Kontext auf Marianne Gronemeyers wegweisendes Buch "Leben als letzte Gelegenheit" hin, wonach die heute übliche "Vertröstung auf das Diesseits" letztlich folgenschwer sei: "Wir arbeiten und amüsieren uns zu Tode", kennzeichnete Zulehner die heutige Jagd nach "möglichst leidfreiem Glück".

Entgegen mancher konfessioneller Einengung müssten Christen wieder mehr in den Vordergrund stellen, dass ihr Gott ein universaler Gott sei, der das Heil aller Menschen wolle. Dabei betonte Zulehner, dass jedes kirchliche Handeln von dem Grundsatz ausgehen müsse, dass wir Gott nicht erst zu den Menschen bringen müssen, sondern dass Gott bereits (wenn auch oft unbemerkt bzw. unreflektiert) bei allen Menschen ist: "Der Gott Jesu Christi ist ein universaler Gott, der das Heil aller Menschen will".

Zulehner berief sich u.a. auf das Matthäus-Evangelium, demzufolge es nicht um ein explizites Bekenntnis gehe, sondern um praktizierte Liebe. Auch der berühmte Theologe Hans Urs von Balthasar habe unterstrichen, dass wahrhaft Liebende "im Heil" seien und jeder Mensch die Chance habe, gerettet zu werden. Erste Aufgabe der Kirche sei es, dies sichtbar zu machen; insofern ist laut Zulehner der Missionsanspruch nicht obsolet. Nach einer angeregten Diskussion klang der Abend bei einem Buffet, zu dem IV-Generalsekretär Markus Beyrer einlud, noch eine ganze Weile aus.

 
 
 
 
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