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Jugendkirche und Erzbischof werben für den Wahlgang PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 23. September 2009
GEHT WÄHLEN !"Die Kirche ist ein Raum für die Gemeinde, der vielfältig genutzt wird", sagt der evangelische Pressepfarrer Christoph Schweizer. Wenn der Kirchengemeinderat zustimme, sei laut Kirchenrecht sogar ein Wahlkampfpodium möglich. Doch das sei letztlich eine Stilfrage. Üblicherweise würde dafür das Gemeindehaus genutzt, und wo die Parteien einen Gang tiefer schalten, nehmen die Kirchen Fahrt auf, gerade im Wahlkampf. Beide Konfessionen vermitteln ihren Gemeinden kurz vor der Wahl zudem dieselbe Botschaft: "Stimmt ab."
 
In Messen und Sonntagsgottesdiensten werben Pfarrer und Pastoren für’s Wählen. Das Erzbistum Berlin-Brandenburg hat eigens einen schriftlichen Aufruf versandt. Unterschrieben hat ihn Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky, getragen wird das Anliegen bundesweit von der Deutschen Bischofskonferenz. Der Chef des Berlin-Brandenburger Bistums ist seit dieser Woche auch Wahlbotschafter für die Landtagswahl in Brandenburg.

Auf der Internetseite sind knapp 100 Personen, die ein öffentliches Amt in der Mark innehaben oder regional bekannt sind, registriert. Sie wollen vor allem junge Leute zum Wählen bewegen. Die evangelischen Christen haben die Kirchentore längst geöffnet, nicht nur für Wahlaufrufe, sondern ebenso für Lesungen und Konzerte. In Jugendkirchen darf zu Techno getanzt werden, in Kulturkirchen finden Filmgottesdienste statt und die JuKi kann zum Speisesaal für Obdachlose werden.

Aber: "Es gibt eine Regelung, profane Veranstaltungen nicht in sakralen Räumen stattfinden zu lassen", betont Thomas Broch, der Pressesprecher der Diözese Stuttgart-Rottenburg. Im katholischen Verständnis sei die Kirche mehr als nur ein Versammlungsort. Im Tabernakel würden die geweihten Hostien aufbewahrt, die die Anwesenheit Jesus Christi bedeuteten. "Da ist es eine Frage der Grenzziehung, was geht und was nicht", sagt Broch. Eine Politrunde in der Kirche könne durchaus religiöse Gefühle verletzen.

"Ich gehe wählen, weil Politiker ein demokratisch legitimiertes Mandat für die Lösung anstehender Probleme brauchen", bekennt Sterzinsky. Er wünsche Brandenburg "eine stabile Regierung, die Probleme im Interesse der Bevölkerung angeht". Neben dem Erzbischof stellt die katholische Kirche einen zweiten Wahlbotschafter: Tobias Przytarski, der das Büro Berlin-Brandenburg im Bistum leitet. Er hofft, "dass die Menschen sich auch in der Krisenzeit demokratischer Werte und Freiheiten bewusst sein, die es hier vor 20 Jahren noch nicht gab".

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz zieht auch mit. Seit voriger Woche ziert ein auffälliger Wahlaufruf mit Buntstiften ihren Internetauftritt. Verbunden haben ihn die Protestanten mit der Bitte, "bunt zu wählen". Sie erinnern an die Rolle der Kirchen im Herbst 1989, als freie und demokratische Wahlen gefordert wurden. So solle es bleiben, "genau das war mein Traum und ich freue mich heute noch darüber, dass Träume wahr werden können", sagt Pröpstin Friederike von Kirchbach. Es ist ihr Bekenntnis zur Wahl.

Die nahende Bundestagswahl war auch Thema der derzeitig stattfindenden Katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Der ostbayerische Regensburger Bischof Hans-Martin Weiss warnte z.B. davor, die Debatte über Konsequenzen aus dem Amoklauf von Ansbach und die tödliche Prügelattacke in Münchent für den Bundestagswahlkampf zu nutzen und Zollitsch betonte, er werde wählen "damit es nach vorne geht".

Auch Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sich an der Bundestagswahl am kommenden Sonntag zu beteiligen. "Wer nicht wählt", warnt er eindringlich, "stärkt die Extreme." Das demokratische Gemeinwesen lebe von der aktiven Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, so der Ratsvorsitzende. Durch das Kreuz auf dem Wahlzettel werde deutlich gemacht: alle Staatsgewalt geht vom Volk aus.

Zugleich betont Bischof Huber: "Mit jeder Wahl entscheiden wir nicht nur über das eigene Schicksal, sondern ebenso über die Zukunft der nächsten Generation." Themen wie der Klimawandel, eine nachhaltige Gestaltung der Marktwirtschaft, die Staatsverschuldung, der Mut zu Kindern und eine weitsichtige Bildungspolitik "sind für mich deshalb zu Schlüsselthemen geworden."

Wahlbotschafter auf dem Landesportal der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Landesjugendpfarrer Ekkehard Kirchner, sieht seine Aufgabe darin, die Jugend zum Wählen zu bewegen und bezieht sich dabei auf den Herbst 1989: "Ich gehe wählen, weil ich das Recht auf freie Wahlen 20 Jahre nach dem Mauerfall weiter als Privileg empfinde, von dem unsere Demokratie lebt und gestärkt wird." Also: Wisst es zu würdigen. Denkt immer daran, Demokratie beginnt bei euch und eines ist klar - JEDE STIMME IST WICHTIG!
 
siehe zudem → Jugendkirche pro U18
 
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