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Jugendkirche und Eventmesse zu vorgerückter Stunde? |
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Geschrieben von pierre roh
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Dienstag, 29. September 2009 |
 "Wenn wir die Messen samstags um 22 Uhr anbieten würden, kämen sicher mehr Jugendliche als um 10 Uhr am Sonntagmorgen. Vielleicht muss man in diese Richtung umdenken", vermutete Weihbischof Karl Borsch bei seinem Besuch der Gemeinde Simmerath. Im Sitzungssaal konfrontierten die Ratsmitglieder den Weihbischof mit ihren Sorgen und Ängsten. Auch in der Eifel ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Hatte früher noch fast jeder Ort seinen eigenen Pastor, werden heute viele Orte zu "Gemeinschaften der Gemeinden" zusammengefasst. Aktuellste Beispiele sind der Abschied von Karl Schnitzler am Wochenende und Ernst Schneider, der sich im Frühjahr aus Eicherscheid und Hammer verabschieden wird.
Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel: "Eines der grössten Probleme der katholischen Kirche ist der Priestermangel. Dem könne man entgegentreten, wenn bewährte Männer einer Gemeinde zu Priester geweiht werden können. Auf einen Schlag hätten wir so 4000 Priester mehr." Der Priestermangel und das stetig sinkende Interesse an Gottesdiensten sind Hauptgründe einer desaströsen Entwicklung der Basiskirchen, doch fragen sich viele Gläubige, ob die Pfarrgemeinden im Zuge dieser "erzwungenen" Neuordnung nicht an Identität verlieren.
 Beim Besuch des Weihbischofs Karl Borsch in Simmerath wurde auch über das mangelnde Interesse der Jugend an Kirche, Gottesdiensten und Glauben diskutiert. Bruno Löhrer, CDU-Fraktionsvorsitzender und Ortsvorsteher: "Auch wenn unser Pastor Stoffels seinen Job sehr gut macht, besteht doch eine Gefahr, dass in den Orten der direkte Ansprechpartner fehlt, weil der Pfarrer mit sehr viel zusätzlichen Verwaltungsarbeiten belastet wird." Diese Problematik kennt der Weihbischof nur zu gut: "Die Belastung durch Verwaltungsarbeiten ist in vielen Fällen problematisch, da wertvolle Zeit, die für seelsorgerische Tätigkeiten genutzt werden müsste, verloren geht." Jedoch weiss Borsch auch, dass viele Pastore die Verwaltungsarbeiten gerne bewältigen und es als wertvollen Teil ihrer Arbeit betrachten.
Simmeraths Beigeordneter Karl-Heinz Hermanns hatte eine eindringliche Bitte: "Mir als Christ ist es wichtig, eine neue Organisationsform zu finden, um eine pastorale Entlastung in Verwaltungsaufgaben zu erreichen." Die Gemeinschaft der Gemeinden funktioniert nach Auskunft des Bischofs glücklicherweise an den meisten Orten sehr gut. "Gemeinschaft der Gemeinden heisst nicht, die Identität der Einzelnen aufgeben, sondern sich in etwas Grösseres einfügen."
Aus dem Kreis der Ratsmitglieder kam die Frage auf, worin das geringe Interesse der Jugend an der Kirche begründet sei.
"Die Volkskirche ist Geschichte", so Borsch. "Wir leben heute in einer pluralen Gesellschaft von Individualisten, die Events suchen. Aktionen wie der Weltjugendtag oder Fahrten nach Taizé schaffen es, viele Jugendliche zu packen und mitzureissen." Der Gang zur Messe liege wahrscheinlich schon zeitlich nicht im Plan der meisten Jugendlichen, die sonntags lieber ausschlafen oder Hobbys nachgehen. "Für viele Familien ist der Sonntag zudem der einzige Tag, an dem sie gemeinsam etwas unternehmen können", erklärte Borsch weiter. Eine einfache Lösung für dieses Problem gebe es nicht: "Wir müssen Leidenschaft für unseren Glauben haben und gute Vorbilder sein. Nur so können wir unsere Kinder überzeugen, denn Glauben beweisen kann keiner. Wir müssen die Zukunft als Herausforderung sehen", erläuterte der Weihbischof.
Im Zusammenhang mit der Firmung beklagte ein Ratsmitglied, dass sich viele Ehrenamtler, vor allem bei der Katechese, alleine gelassen fühlen. So sei gerade die Arbeit mit den Firmlingen nicht immer einfach. Der Weihbischof reagierte verständnisvoll: "Wir sind sehr dankbar für das ehrenamtliche Engagement der Gläubigen und wissen, dass häufig Unterstützung gebraucht wird. Deswegen wird für die GdG Simmerath in naher Zukunft ein Gemeindereferent eingestellt, der die Ehrenamtler unterstützt." |
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