 Wer Fortschritte will, kann nicht nur dem alten vertrauen. So gilt es auch in der Kirche, über die eigenen Grenzen hinaus zu schauen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will ihre Gotteshäuser für Kulturveranstaltungen und gesellschaftliche Ereignisse weiter öffnen und damit ihre Präsenz im öffentlichen Leben stärken und empfiehlt auch, in Städten mit mehreren Kirchen Gotteshäuser gewissermassen zu spezialisieren, etwa als City-Kirche, Diakonie-Kirche, Jugendkirche, Musikkirche oder Meditationsraum. Auch die Gemeindekassen für den Unterhalt dieser Gebäude sollen dadurch entlastet werden. Das verabschiedete die 10. EKD-Synode am Sonntag zum Abschluss ihrer ausserordentlichen Tagung in Leipzig.
In dem Papier werden die Gemeinden gebeten, ihre Kirchen auch ausserhalb der Gottesdienstzeiten als Orte des Friedens und der Zuflucht offen zu halten. Ferner empfiehlt ihnen die EKD eine erweiterte Nutzung der Kirchen für Konzerte, Ausstellungen und Versammlungen, soweit sie sich mit dem Charakter eines Gotteshauses vertragen.
Das Dokument gibt den Gemeinden auch die Möglichkeit, Kirchen zu verkaufen, wenn sie den Unterhalt nicht mehr bezahlen können. Vor dem Hintergrund schwindender Mitgliederzahlen in den Gemeinden und knapper Gemeindekassen appellierte die Synode an die Gesellschaft, sich an den finanziellen Lasten zu beteiligen. In Deutschland gibt es mehr als 20 000 evangelische Kirchen. Mancherorts werden sie nur mit öffentlichen Mitteln erhalten.
Der Hildesheimer Landessuperintendent und Kundgebungs-Mitautor Eckhard Gorka hält es für denkbar, Gotteshäuser beispielsweise nach Schweizer Vorbild als Dorfgemeinschaftshäuser herzurichten. Aufgegebene Kirchen könnten etwa Künstlerateliers oder Bildungszentren beherbergen, sagte Gorka. Er erinnerte daran, dass es in der Geschichte immer wieder Auflassungen und Umwidmungen von Kirchen gegeben habe. In der einstigen Garnisonskirche von Hameln sitze heute ein Sparkasse.
Der Hamburger Theologe und Pädagoge Fulbert Steffensky sprach sich dafür aus, die geringer werdenden Mittel auf die Erhaltung alter, historischer Kirchenbauten zu konzentrieren. In seinem Hauptreferat zum Schwerpunktthema «Der Seele Raum geben - Kirchen als Orte der Besinnung und Ermutigung», hatte er gesagt, je weltlicher und unbestimmter die Stadt sei, um so deutlicher sollten die Kirchen zu erkennen sein.
Das EKD-Papier empfiehlt auch, in Städten mit mehreren Kirchen Gotteshäuser gewissermassen zu spezialisieren, etwa als City-Kirche, Diakonie-Kirche, Jugendkirche, Musikkirche oder Meditationsraum.
Am Freitagabend hatte die neu konstituierte Synode mit der Thüringer Kommunalpolitikerin Barbare Rinke erstmals eine Frau zu ihrem Präses gewählt. Die 56-jährige Oberbürgermeisterin von Nordhausen löst Jürgen Schmude ab, der nach 18 Jahren im Amt nicht mehr kandidiert hatte.
In den Themen Friedensethik und Sozialreform sieht Rinke die Schwerpunkte der künftigen Synodenarbeit. Aber auch über den demographischen Wandel, über die älter werdende Gesellschaft werde das Kirchenparlament sprechen müssen, sagte Rinke der dpa. Ihr stehen als neu gewählte Vizepräsides der Münchner Theologe Michael Schibilsky (56) und der Berliner Richter Joachim Klasse (59) zur Seite.
Zu ihrer nächsten Tagung tritt die 10. Synode Anfang November in Trier zusammen. Dann wird der EKD-Rat neu gewählt und damit auch ein Nachfolger des scheidenden Ratsvorsitzenden Manfred Kock. siehe auch → Ja zur Jugendkirche - wenn sie gut gemacht ist Lange Nacht der Jugendkirche
|