Fast 11 000 Messdiener aus den Bistümern Aachen, Essen, Hamburg, Hildesheim, Köln, Münster, Osnabrück und Paderborn machten den niederrheinischen Marienwallfahrtsort am Samstag für einen Tag zur Ministranten-Hochburg Deutschlands. Jede(r) Zweite kam aus dem Bistum Münster, bei dem die Federführung für die erste Nordwestdeutsche Ministrantenwallfahrt lag.

Die angereisten Bischöfe, unter ihnen Kardinal Joachim Meisner, Münsters Bischof Felix Genn, Jugendbischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück und der Aachener Bischof Heinz Mussinghoff, zeigten sich begeistert über den Riesenzuspruch: "Es ist unglaublich schön, diese Gemeinschaft der Jugendlichen zu spüren."
Wer nach Kevelaer wollte, musste Frühaufsteher sein. Die einzelnen Bistumsgruppen trafen sich am Morgen in den Vororten Twisteden, Wetten, Winnekendonk, Kervenheim und Wissen, um sich in Sternwallfahrten auf die letzten fünf Kilometer Fussweg nach Kevelaer zu machen. Schon um 8.30 Uhr kamen Tausende von Messdienern aus dem grossen Flächenbistum Münster in Twisteden zusammen.
Bischof Genn begrüsste die "Minis" und setzte einen geistlichen Impuls für den Weg. Am Mittag konnte der Leiter der Kevelaer-Wallfahrt, Pfarrer Stefan Zekorn, die über 10 000 Ministranten an der Gnadenkapelle im Zentrum Kevelaers begrüssen: "Hier kann man erleben, wie Gott Kirche und Welt gestalten will." Seit 367 Jahren scharen die Muttergottes von Kevelaer die Menschen um sich, erinnerte er an die Ursprünge des Wallfahrtsortes im Jahr 1642.
Ein abwechslungsreiches Programm mit vielen Entdeckungstouren, Talk-Treffs und Begegnungen, Workshops, Musik, Chill- und Fun-Angeboten erwartete die Ministranten am Nachmittag. Kevelaer zog alle Trümpfe: von Werkstattbesuchen beim Goldschmied, Kerzenfabrikanten, Buchhändler, Bronzegiesser oder Orgelbauer über Workshops zum Rosenkranzknüpfen und Kreuzanhängerbasteln bis zu Gottesdiensten und Talkrunden über "Das Abenteuer Jesus" oder "Die Bibel verstehen". Eine "Liturgische Revue" der Jugendkirche "effata!" mit viel Licht, Musik, Filmspots und Aktionen zog zahlreiche junge Leute an.
Den Schlusspunkt setzte ein Gottesdienst vor dem Rathaus, den der Kölner Kardinal Joachim Meisner zusammen mit den weiteren Bischöfen zelebrierte. Er verlas ein Grusswort von Papst Benedikt XVI., in dem der Heilige Vater besonders das Wirken der Messdiener in der Liturgie würdigt. Es komme darauf an, nicht nur "äusserlich ordentlich" zu sein, sondern auch "innerlich schön und gut aufgestellt vor Gott zu treten".
Ganz wichtig, so der Papst, "ist dabei eine ungetrübte und echte Freundschaft mit Jesus". Das ergänzte der Erzbischof in seiner Predigtkatechese: Die Ministranten seien "die wichtigsten Mitarbeiter von uns Bischöfen, Priestern und Diakonen". Die Gemeinde schaue auf die Jugend am Altar: "Es ist wichtig, dass ihr dort eine gute Figur macht."