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Öko, JuKi und Tourismus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 31. August 2009
Eigentlich war Siegrun Höhne damals ja eher friedensbewegt, wie viele in den 1980ern. "Frieden und Gerechtigkeit", das waren ihre Themen in der Jungen Gemeinde der Coswiger Kirche St. Nicolai. Es dauerte aber nicht lange, bis jenes "weite Feld" hinzukam, das das Berufsleben von Siegrun bestimmen sollte: die Umwelt. Das Kirchliche Forschungsheim in Wittenberg, das die Grieboerin mit anderen jungen Leuten frequentierte, galt in der DDR als wichtiges Zentrum der Umweltbewegung. Am Sonntag wurde Siegrun Höhne im Gottesdienst in der Schlosskirche offiziell in ihr Amt eingeführt - sie ist jetzt eine der Ansprechpartner der Kirche in Mitteldeutschland.

Als eigenständige Einrichtung ist das Forschungsheim Geschichte, ein Schwerpunkt für Kirche und Umweltschutz ist die Lutherstadt allerdings auch heute wieder: Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat dort ihre "Beauftragte für den Kirchlichen Dienst auf dem Land (KDL)" installiert, zuständig für Ökologie und Entwicklung des ländlichen Raumes in ganz Mitteldeutschland. Hier hörte die heute 40-Jährige zum ersten Mal von dieser seinerzeit schier "unvorstellbaren Geschichte": dass die Kohle endlich sei.

Von ihrem Büro im Oberstübchen der Evangelischen Akademie aus fungiert Siegrun Höhne seit 1. Juli als Verbindungsfrau zwischen der Basis und den Kirchenoberen. Gleichzeitig ist sie Kontaktperson zu den offiziellen Stellen wie etwa Landesregierungen und Fachbehörden. Die Diplom-Agraringenieurin für Bodenschutz und Umweltgestaltung war zu Expo-Zeiten schon einmal in Wittenberg tätig, just im Kirchlichen Forschungsheim, und arbeitete später als Regionalmanagerin des Naturparks Dübener Heide in Sachsen und als Sprecherin eines Wasserverbands.

Für die interessierte Öffentlichkeit wird kirchlicher Umweltschutz heutzutage symbolisiert durch den "Grünen Hahn", ein anerkanntes Zertifizierungsverfahren, dem sich in Wittenberg bereits die Evangelische Akademie und das Predigerseminar erfolgreich unterzogen haben. Die Kirche will ihr Umweltmanagement weiter ausbauen. Eine von Siegrun Höhnes Aufgaben ist es daher, die ländlichen Gemeinden vor Ort wie auch in Workshops über den "Grünen Hahn" aufzuklären. Auch darüber, dass es nicht immer die Mega-Investition sein muss, um Erfolge im Energie- und Rohstoffsparen zu erzielen. "Bei ganz vielen Sachen" merkt man gar nicht, was man täglich macht" - Essen, Lüften, Papier verbrauchen, Mobilität: Vieles lasse sich mit wenigen Handgriffen effizienter gestalten. Ein Detail: In den Büros der Akademie prangen neben den Türen grüne Schildchen, die ans Licht ausknipsen oder Fenster schließen erinnern.

Beim wichtigen Öko-Teilgebiet Klimaschutz hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), zu der auch die EKM gehört, ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis 2025 will man, auf der Vergleichsbasis von 2005, 20 Prozent an CO einsparen. Auch durch Sonnenenergie: Zwar keineswegs der neueste Schrei - bereits vor einigen Jahren gab es bundesweit ein recht erfolgreiches Förderprogramm für die Photovoltaik auf dem Kirchendach - sind die Platten zum Sonne einfangen immer mal wieder umstritten, wie aktuell der Fall Großörner im Mansfelder Land zeigt, wo sich zwar die Gemeinde einig ist, es aber eine "sehr ablehnende Haltung des Denkmalschutzes" gibt.

"Wir wünschen uns die Bereitschaft, miteinander zu reden", kündigt Siegrun Höhne an, aus Großörner einen "Beispielprozess" zu machen, wie am Ende die Interessen aller unter einen Hut gebracht werden können: Kirche, möchte sie den Denkmalschützern vom Amt vermitteln, bedeute nicht, "im Status quo zu verharren"; im Übrigen würden die Anlagen nach 25 Jahren wieder abmontiert. (Auf dem schönen Dach der Schlosskirche, die sie vom Büro aus sieht, verbiete sich derlei natürlich schon aus ästhetischen Gründen.) In Pülzig, im Landkreis Wittenberg, gibt es übrigens bereits Sonne vom Kirchendach.

Kreisgrenzen spielen in der Arbeit von Siegrun Höhne eher keine Rolle, gleichwohl gibt es spezifische Themen. Die Schweinemastanlage in Gerbisbach ist so ein Problem, das auch die Kirchgemeinden umtreibt: Massentierhaltung werde von vielen, auch von ihr, "als unethisch empfunden". Der Ausbau der Öko-Landwirtschaft ist ein weiteres Anliegen der Kirche.
 
Doch nun kann die neu gegründete Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erst einmal Fahrt aufnehmen: Die Fusion der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringischen Landeskirche ist von den Gremien besiegelt, Samstagnachmittag wurde die Landesbischöfin Ilse Junkermann mit einem Festgottesdienst im Dom zu Magdeburg in ihr Amt eingeführt.
 
In einer jungen Kirche wie der EKM mag die Wahl Junkermanns geradezu ein Symbol für die Courage sein, die man im glaubensfernen Osten dringend brauchen kann. Die Probleme sind der neuen Bischöfin natürlich vertraut, sie weiss auch, dass die beiden eben vereinigten Landeskirchen durchaus noch ein bisschen "fremdeln". Zehn Jahre, schätzt sie, wird es brauchen, bis die Fusion tatsächlich verinnerlicht sein wird. Aber Frau Junkermann wäre nicht die tatkräftige und glaubensfrohe Frau, auf die man in der EKM hofft, höbe sie nicht zugleich den Stolz vieler Beteiligter hervor, die Fusion überhaupt vollzogen zu haben - gegen nicht wenige Bedenken und teils kräftige Widerstände.
 
Dass die Region eine der "kirchenreichsten" in Deutschland ist, erweist sich für die EKM im Zeitalter des Bevölkerungsrückgangs eher als Fluch denn als Segen: "Was machen wir mit den unglaublich vielen Gebäuden?", fragt Frau Höhne. Abriss komme nicht in Frage. Die Öffnung der Gotteshäuser für "sanften Tourismus" sei ein guter Weg, ebenso deren thematische Widmung, wie etwa als "Weihnachtskirche" in Polenzko bei Zerbst. Derlei bringe auch Abwechslung ins Gemeindeleben, ist sich Siegrun Höhne sicher. Verschiedentlich wurden auch schon Jugendkirchen-Projekte angedacht, um die Kirchen nicht verwaisen zu lassen oder gar in grossem Stil zu säkularisieren.
 
Spiritueller Tourismus im Lutherland

Ein virtuelles Pilgerbüro für die Region Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ist im Internet aufgeschaltet worden. Die Webseite ist ein Projekt des Wirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Vereins "TourismusRegion Wittenberg".

Über 410 Kilometer führt der Lutherweg in Sachsen-Anhalt auf den Spuren des Reformators Martin Luthers. Vorgestellt werden unter anderem 40 reformationsgeschichtlich bedeutsamen Stationen sowie der länderübergreifende ökumenische Jakobspilgerweg und die Initiative "Wege zu Luther". Es gibt zudem Informationen über die Domschätze und bewohnte Klöster.

"Immer mehr Menschen suchen nach geistiger Orientierung, innerer Einkehr und nach Wegen zum eigenen Ich. Andere sehnen sich danach, zeitlich begrenzt aus den Alltagszwangen auszubrechen und in eine andere Welt einzutauchen. Dabei können Kirchen und Dome, Klöster und Wege helfen, Geistiges unmittelbar erlebbar zu machen", meint Reiner Haselhoff, Minister für Wirtschaft und Arbeit in Sachsen-Anhalt.

Die Motive für religiös orientierte Reisen seien vielfältig. "Diese Art zu reisen hat so zugenommen, dass dafür bereits ein Begriff geprägt worden ist: "Spiritueller Tourismus", sagt Haselhoff. "Diese Sonderform des Kulturtourismus ist zugleich eine der ältesten Formen des Reisens überhaupt. Pilgerreisen können als Wurzeln des modernen Tourismus gelten." Für den Spirituellen Tourismus gebe es in Sachsen-Anhalt gute Ansätze.

Das Schwerpunktthema "Luther" biete sich mit Eisleben und Wittenberg direkt an. Die Kirchen hätten den Tourismus im Land, besonders aber den Spirituellen Tourismus, stets durch kreative Ideen und engagierte Unterstützung gefördert. "Religion und Reisen sind Geschwister, beide kennen den "Wunsch nach Verwandlung", der viele Menschen bewegt, von zu Hause aufzubrechen und sich auf die Suche nach einem Leben zu machen, das anders ist das als das Leben im Alltag zu Hause."
Downloads:
Lutherweg Wittenberg (2702KB)
Ein Rundgang durch die Lutherstadt Wittenberg
Heilige Orte, sakrale Räume, Pilgerwege (1003KB)
Möglichkeiten und Grenzen des Spirituellen Tourismus
 
 
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