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Jugendreferent ohne Perspektive in Jugendkirche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 27. August 2009
Jugendreferent Matthias Haferkorn Allgemeine Trauermiene herrschte bei der letzten Kirchenratssitzung, als Pastor Herbert Sperber überraschend bekanntgab, dass der beliebte Jugendreferent Matthias Haferkorn zum 1. September seinen Posten abgibt. Unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den reformierten Gemeinden in Osnabrück und im Emsland ging eine regelrechte Schockwelle durch die Reihen der Jugendlichen. Gemeinsam mit Pastor Herbert Sperber und Silvia Taubert-Tuschling war er zuständig für das erfolgreiche JuKi-Projekt.

"Nach 100 Jahren als Gemeindekirche soll das neue Projekt eine Gelegenheit sein, die Jugendarbeit der Gesamtgemeinde der Evangelisch-reformierten Kirche in Osnabrück zu bündeln, für die bisher keine "befriedigende Örtlichkeit" bestand", artikulierte der Jugendreferent Matthias Haferkorn noch vor kurzem, und "der Gedanke, die Jugendkirche einzurichten, sei innerhalb der Debatten um die Zukunft der Gemeinde entstanden".

Ein etwas ratloses Schulterzucken - vielleicht ist das die charakteristische Haltung in diesen heissen Sommertagen, wenn die Jugendlichen auf Haferkorns Weggang angesprochen werden. Kirchen streichen momentan ganze Stellen und gerade in der christlichen Jugendarbeit, somit auch vorrangig in den meisten JuKis, sind 100%-Stellen rar gesät. Würde ein Experte das Schulterzucken tiefenpsychologisch analysieren, kämen wohl gleich mehrere grundlegende Befindlichkeiten der Gläubigen im Verhältnis zu ihrer Kirche zum Vorschein. 

Es drückt zum einen eine gewisse Gleichgültigkeit aus - vielen Gemeindemitgliedern ist es schlichtweg egal, ob die Jugendlichen eine Heimat in ihrer JuKi gefunden haben wollen, die ihnen in vielen Bereichen doch immer noch recht suspekt erscheint. Im Zweifelsfalle ist sowieso der für die JuKi zuständige Pastor für etwaigen Unstimmigkeiten in der Friedenskirche, die zu einem geistlichen Zentrum für Jugendliche wurde, verantwortlich zu machen.

Zum anderen ist natürlich Frust spürbar: Schon wieder eine schlechte Nachricht des Bistums. Der eiserne Sparwille macht sich plötzlich massiv im "Service" bemerkbar - es kommt ziemlich geballt für die nach wie vor grosse JuKi-Gemeinschaft in diesem Sommer. Zwar ist der Stellenabbau schon seit Längerem zu Gange, aber in den Köpfen der Jugendlichen ist der Unmut erst mit dem Abgang Haferkorns präsent.

Für Haferkorns Schritt, zur Evangelischen Familienhilfe im Kreis Steinfurt zu wechseln, wird zwar von den Jugendlichen angesichts mangelnder Berufsperspektiven in der Ev.-ref. Kirche sehr viel Verständnis aufgebracht, zugleich aber ist die Bestürzung gross darüber, einen so guten Mitarbeiter gehen lassen zu müssen, und auch darüber, dass die Ev.-ref. Landeskirche nichts unternimmt, solche Sympathieträger der Kirche zu erhalten.

Matthias Haferkorn wird mit einem Jugendgottesdienst am 13. 9., 18 Uhr in der Jugendkirche Friedenskirche verabschiedet. Herzliche Einladung an alle - nicht nur an die Jugendlichen!

Lesen Sie den Abschiedsartikel für Matthias Haferkorn aus der Feder von P. Herbert Sperber:

Sag zum Abschied leise Servus?

Donnerstagabend, 14. März 1996: ich klingele in Ibbenbüren an der Tür des neuen Jugendreferenten. Haferkorn steht auf dem Schild. Die Tür geht auf. Ich hebe meinen Blick nach oben. Ein sommersprossiges, jungenhaftes Gesicht mit wallenden Locken grinst mich freundlich an; Schalk und Gelassenheit sprechen aus seinen Augen. Und eine Pfeife im Mundwinkel verströmt eine kleine, wohlriechende Wolke. Wir setzen uns in ein gemütliches Zimmer mit Büchern und anderen Dingen, Andenken, Gitarren - ein wenig Ordnung, ein wenig Chaos - weniger als bei mir, aber immerhin - sehr angenehm für mich. Und wir reden.

Über die gemeinsame Sommerfreizeit, die wir leiten werden. Über uns. Und ich bin erst mal richtig froh. Ich mag ihn. Wir können gut miteinander. Und ich merke: er ist einer, der "mag die Leut", die Jugendlichen. Und er kanns ihnen sagen und zeigen. Und das macht er auch. Besonders, unnachahmlich, authentisch, zugewandt.

Seit unserer ersten Schwedenfreizeit im Sommer 96 durfte ich Ihn so erleben. In Andachten, in "Action", an Bord eines Kanus oder im Jugendgottesdienst. Und immer wieder: sein Da sein, sein Respekt, seine Aufmerksamkeit, wenn er mit Chrissie oder Christiane, mit Jan oder Judy auf Fahrt war oder im Büro sass oder die Küche in einer neuen Wohnung mit aufstellen half. Sie kommen zu ihm. Rufen ihn an. Auch wenn sie schon lange keine Jugendlichen mehr sind. Und er ist für sie da. Hört ihnen zu, gibt Ratschläge, fährt meilenweit, um zu helfen.

Fünf Jahre lang hat er seinen Dienst gemacht in unserem Synodalverband, war da für die Jugendlichen im Emsland und in Osnabrück. Dann war er kurz weg. Und ist wiedergekommen, mit neuem Schwung. Hat vieles initiiert, Gruppen, Events, Freizeiten, Jugendsonntage, dann vor 3 Jahren auch die Idee zur Jugendkirche in Osnabrück. Er hat begeistert. Die Jugendlichen und die Erwachsenen.

Einstimmig wurde sein Konzept angenommen, damals. Und hat so einen neuen, grossen Pflock eingeschlagen, mit der Jugendkirche. Dann Februar 2008, der Eröffnungsgottesdienst in der Jugendkirche: "Gekommen um zu bleiben". Eineinhalb Jahre hat er sich da eingebracht, hat alles gegeben. Ich mags nicht aufzählen, was er da alles geleistet hat. Ich weiss, er mags auch nicht. Aber es war viel. Und ganz viel Schönes. Aber es hat Kraft gekostet. Ganz viel Kraft. Und es gab Kämpfe. Ums liebe Geld. Um seine Stelle, um Fortbildung, um Perspektiven. Alle müssen sparen. Auch unsere Landeskirche. Aber bei Matthias und den anderen Jugendreferenten sparen sie am falschen Ende.

Klar, das sagt jeder in seinem Bereich. Und jeder hat sein Recht das zu sagen. Aber Matthias hatte nun auch recht. Abschied zu nehmen, von einer Kirche, die sparen wollte. Auch bei ihm. Und keine Perspektiven bot. Er hat sich das für seine Zukunft nun erspart. Hat gekündigt. Fängt wieder neu an, in familienpädagogischer Arbeit in Ibbenbüren. Und viele trauern, sind geschockt, wütend. Weil er Ihnen, uns so viel gegeben hat. Von sich - und von Gottes Liebe.

Das erste Mal, so merke ich, dass ich hier den Namen Gottes in Spiel bringe. Matz hat das eigentlich die ganze Zeit gemacht. In seinem Dienst, in seinen Worten. Auch und gerade in seinen Anfechtungen und Zweifeln. Und dann gerade in seinem Dennoch: "Dennoch halte ich fest an dir". Das haben wir gespürt, wenn wir ihn gehört haben, mit ihm gearbeitet und gefeiert - und gebetet haben. Und jetzt - "irgendwas bleibt", haben wir im Jugendgottesdienst gesungen. Uns bleibt ganz viel. "Die Liebe bleibt."

In den letzten Monaten haben wir deutlich gemerkt: Es ging Matthias gar nicht gut mit dem Kämpfen müssen, mit der Perspektivlosigkeit, mit seinen eigenen Grenzen. Und deshalb hat er nicht nur recht, sondern es ist gut für ihn, wenn hier sein Weg als Jugendreferent endet. Aber für das, was war - und was bleibt, sagen wir: Danke! Und für das, was kommt sagen wir: Gott segne dich. Übrigens auch am 13. September. Beim Jugendgottesdienst ab 18 Uhr. Und wir sagen Servus - oder besser: Ade - Adieu - Gott befohlen, lieber Matz!
 
... für die bisher keine "befriedigende Örtlichkeit" bestand, wie der Jugendreferent Matthias Haferkorn, feststellt. Im Pfarrhaus der Friedenskirche soll eine Studentenwohngemeinschaft ...
... die WG im Pfarrhaus wurde bereits eröffnet, und zur Finanzierung der Arbeit in der Jugendkirche ein Förderverein am Freitag, dem 19. Oktober gegründet ...
... langer Vorbereitung beschlossen und dazu die vom Vorbereitungsteam unter Leitung von Jugendreferent Matthias Haferkorn (Telefon: 0541 / 6828-43) entwickelte Konzept angenommen. Danach soll die Frieden ...
 
 
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