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Jugendkirche, Kirche, Sportbund für Sonntagsruhe |
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Geschrieben von pierre roh
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Sonntag, 18. Oktober 2009 |
 Das Bundesverfassungsgericht hatte im Juni über die Klagen der beiden grossen Kirchen gegen das Ladenöffnungsgesetz des Landes Berlin verhandelt. Aus Sicht der Kirchen ist die Berliner Regelung, wonach Geschäfte an zehn Sonntagen im Jahr einschliesslich der vier Adventssonntage öffnen dürfen, verfassungswidrig. Sie verweisen auf Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Glaubens- und Gewissensfreiheit ebenso garantiert wie die ungestörte Religionsausübung. Zudem berufen sie sich auf den besonderen Schutz von Sonn- und Feiertagen in Artikel 140 des Grundgesetzes. Ein Urteil wird für den Herbst erwartet.
Die beiden grossen Kirchen und der Deutsche Olympische Sportbund treten gemeinsam für Werte wie Toleranz, Solidarität und Fairness sowie für den Schutz des Sonntags ein. Bei einem Spitzengespräch bekannten sich Kirchen- und Sportvertreter am Freitag in Frankfurt am Main zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sonntags "als Tag der Arbeitsruhe und damit als Unterbrechung des Alltags, als Tag des Gottesdienstes wie als Tag zur Pflege von Spiel und Sport". Sportbund-Präsident Präsident Thomas Bach sagte den Angaben zufolge, sein Verband unterstütze die Verfassungsbeschwerde der Kirchen gegen das Berliner Ladenöffnungsgesetz. Einig waren sich Kirchen und Sport auch darüber, dass alle Versuche der Leistungsmanipulation im Sport, etwa durch Doping mit verbotenen Substanzen oder die Anwendung entsprechender Techniken, strikt abzulehnen seien. Verabschiedet wurde bei dem Treffen ein Grundsatzpapier, in dem die gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung von Kirche und Sport betont wird. Dazu gehöre aber auch die Anerkennung ihrer Verschiedenheit: "Der Sport ist keine Religion und will auch keine Ersatzreligion sein", heisst es. Beide Seiten unterstrichen zudem die Bedeutung des Religions- und des Sportunterrichts als ordentliche Lehrfächer. Weder Religion noch Sport dürften in der Schule an den Rand gedrängt werden. Teilnehmer des Gesprächs waren für die katholische Deutsche Bischofskonferenz deren Vorsitzender Erzbischof Robert Zollitsch und Pater Hans Langendörfer. Auf Seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nahmen Ratsvorsitzender Wolfgang Huber und der EKD-Sportbeauftragte Valentin Schmidt teil.  Kirchen und Sport verbinden zahlreiche gemeinsame Werte wie Toleranz, Rücksichtnahme, Solidarität oder Fairness. Grundlage ihrer Partnerschaft ist für Kirchen und Sport aber auch die Anerkennung ihrer Verschiedenheit: Der Sport ist keine Religion und will auch keine Ersatzreligion sein. Desweiteren wandten sich die Kirchen- und Sportvertreter gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. In den "Perspektiven" heisst es dazu: "Jeder Mensch verdient eine gerechte Chance auf eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – unabhängig von seiner sozialen Herkunft, Weltanschauung und Religion." Sport und Kirchen betonen darüber hinaus die Bedeutung einer umfassenden Bildung für die Entwicklung des Einzelnen wie für die Teilhabe an der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund ihres ganzheitlichen Menschenbildes hoben Kirchen und Sport die Bedeutung des Religionsunterrichts und des Sportunterrichts als ordentliche Lehrfächer in der Schule hervor. Weder Religion noch Sport dürften innerhalb der Schule an den Rand gedrängt werden.
Wortlaut des verabschiedeten Grundsatzpapiers:
Zum Wohl der Menschen und der Gesellschaft Perspektiven der Zusammenarbeit von Kirche und Sport in Deutschland
1. Kirchen und Sport – eine langjährige PartnerschaftKirchen und Sport verbindet in Deutschland eine langjährige Partnerschaft: Sie begann 1950 mit der Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB) unter massgeblicher Beteiligung der kirchlichen Sportbewegung und wurde durch das Partnerschaftsprogramm mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz vertieft. Sie findet ihren Ausdruck in regelmässigen Kontakten und gemeinsamen Projekten, in kirchlichen Angeboten im Rahmen von sportlichen Grossveranstaltungen, aber auch in der Mitgliedschaft der kirchlichen Sportverbände DJK-Sportverband und CVJM Sport (Eichenkreuz) im Dachverband des Sports. Im Mai 2006 wurde der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als Nachfolgeorganisation des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) gegründet. Als neuer, gemeinsamer Dachverband des gesamten Sports tritt er in die langjährige Zusammenarbeit der Kirchen und des Sports ein.
2. Der gesellschaftliche Ort der Zusammenarbeit von Kirchen und SportDie Kirchen wenden sich an den ganzen Menschen, mit Leib und Seele, Gewissen, Vernunft und Willen – in der Gesamtheit der Wirklichkeiten, in denen er lebt. Deshalb ist der Sport für die Kirchen als Kultur- und Freizeitbewegung wie in seiner organisierten Form, als Breiten- und Spitzensport, ein wichtiges Handlungsfeld. Der Sport wiederum leistet als bedeutende Freizeitbewegung und freiwillige Organisation in der Zivilgesellschaft einen wichtigen Beitrag zu ihrem Zusammenhalt und zum Gemeinwohl. Kirchen und Sport stellen sich ihrer Verantwortung, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten und den Menschen, gerade in Zeiten der Unsicherheit, Räume für eigenverantwortliches Handeln, Verlässlichkeit und Geborgenheit zu bieten. Dabei verbinden Sport und Kirchen gemeinsame Werte. Beide wirken durch Vermittlung von Toleranz, Rücksichtnahme, Solidarität oder Fairness an der Gestaltung der Gesellschaft mit. Diese Grundorientierungen sind die gemeinsame Basis für das gesellschaftliche Engagement von Kirche und Sport. Grundlage für ihre Partnerschaft ist sowohl für die Kirchen als auch für den Sport die Anerkennung ihrer Verschiedenheit: Der Sport ist keine Religion und will auch keine Ersatzreligion sein.
3. Bereiche der Zusammenarbeit von Kirchen und Sport- Die ganzheitliche Entfaltung des Menschen
Der Körper ist die primäre Grundlage des Sports. Durch das Erleben der Leiblichkeit leistet der Sport einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Entfaltung des Menschen und damit zu seiner physischen wie psychischen Gesundheit. Wo dagegen der Mensch auf seine Körperlichkeit reduziert wird und der Sport allein zur Verherrlichung des Körpers dient (Körperkult), verstösst dies gegen die Geist und Leib umfassende Einheit des Menschen.
- Prävention und Rehabilitation
Viele Krankheiten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen werden durch Bewegungsarmut hervorgerufen. Kirchen und Sport unterstreichen die Bedeutung körperlicher Aktivität für die gesundheitliche Prävention und Rehabilitation. Zu einer neuen umfassenden Kultur der Bewegung gehört auch, dass Erhalt und Wiederherstellung der Gesundheit nicht vom sozialen Status abhängig sein dürfen.
- Leistungsorientierung und ihre Grenzen
Der Sport vermittelt den Umgang mit Sieg und Niederlage, Erfolg und Misserfolg. Sportliche Leistungssteigerung kann zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zur Anerkennung der eigenen Begrenztheit führen. Das Prinzip der Leistungsorientierung endet allerdings dort, wo entweder die eigene Gesundheit und Integrität oder die der sportlichen Gegner verletzt werden. Wenn Leistungsstreben dazu führt, dass persönliche Grenzen ignoriert und geltende Regeln verletzt werden, etwa durch die Anwendung unerlaubter Mittel, widerspricht dies dem Respekt sowohl gegenüber der eigenen Person als auch gegenüber anderen. Deshalb wird jeder Versuch, durch die Einnahme verbotener Substanzen die persönliche Leistungsfähigkeit zu beeinflussen (Doping), von Sport und Kirchen entschieden abgelehnt. Gleiches gilt für die Manipulation des Wettkampfgeschehens durch andere regelwidrige Handlungen, beispielsweise durch Korruption. Verstösse sind konsequent zu ahnden und zu verurteilen.
- Schutz des Sonntags
Der Sonntag ist als Raum, der nicht von Erwerbstätigkeit und Leistungsdruck bestimmt sein soll, als Zeit für Familie, Freunde und der Regeneration sowie als Tag des Gottesdienstes ein wichtiges soziales, kulturelles und religiöses Gut. Allerdings werden ihm zu-nehmend ökonomische Interessen vorgeordnet. Kirchen und Sport setzen sich für den Erhalt des Sonntags als Tag der Arbeitsruhe und damit als Unterbrechung des Alltags, als Tag des Gottesdienstes wie als Tag zur Pflege von Spiel und Sport ein. Die fortschreitende kommerzielle Vereinnahmung des Sonntags wird von Sport und Kirchen gleichermassen abgelehnt. Sie sehen aber auch die möglichen Interessenskonflikte, wenn es um die konkrete Ausgestaltung des Sonntags und der kirchlichen Feiertage geht, und versuchen sie gemein-sam zu lösen.
- Bewahrung der Schöpfung und Nachhaltigkeit
Unsere Gesellschaft beansprucht die natürlichen Lebensgrundlagen in einem hohen Mass. Sport und Kirchen sind dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung sowie der Verantwortung für die Schöpfung verpflichtet und entwickeln entsprechende vielfältige Programme, Projekte und Aktivitäten.
- Integration und Partizipation
Millionen von Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und religiösen Traditionen haben oder suchen ihren Platz in der deutschen Gesellschaft. Damit ist Deutschland – nicht zum ersten Mal in der Geschichte – ein Einwanderungsland geworden. Sport und Kirchen stellen sich den damit verbundenen Herausforderungen. Mit ihren Angeboten sind sie Motoren der Integration und der Partizipation, die zum friedlichen Miteinander von Zugezogenen und Einheimischen beitragen. Unterschiede in sozialem Status, Ein-kommen oder Bildung treten im Sport hinter der gemeinsamen Freude an Spiel und sportlichem Wettbewerb zurück. Zu den kirchlichen Angeboten sind Menschen aller Altersgruppen, sozialer Schichten und aller Nationalitäten eingeladen. Damit helfen Sport und Kirchen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. Zugleich wenden sich Kirchen und Sport gegen jede Form der Ausgrenzung und Diskriminierung. Jeder Mensch verdient eine gerechte Chance auf eine selbstbestimmte Teil-habe am gesellschaftlichen Leben – unabhängig von seiner sozialen Herkunft, Weltanschauung und Religion.
- Ganzheitliche Bildung
Sport und Kirchen betonen die Bedeutung einer umfassenden Bildung für die Entwicklung des Einzelnen wie für die Teilhabe an der Gesellschaft. Gemeinsam treten sie für das Recht auf Bildung ein. Deshalb unterstützen sie alle Massnahmen, die dazu geeignet sind, auch benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen gerechten Zugang zur Bildung zu eröffnen. Bildung bezieht sich dabei auf den Menschen in allen Dimensionen seines Lebens. Vor dem Hintergrund ihres ganzheitlichen Menschenbildes betonen Kirchen und Sport die Bedeutung des Religionsunterrichts und des Sportunterrichts als ordentliche Lehrfächer in der Schule. Weder Religion noch Sport dürfen innerhalb der Schule an den Rand ge-drängt werden. Kirchen und Sport wirken als ausserschulische Partner bei der pädagogischen Gestaltung von Ganztagsangeboten mit. Sie verstehen ihre Angebote in Schulen und Vereinen, Kirchengemeinden und Pfarreien als eigenständige Bildungsangebote, die die schulische Bildung ergänzen und bereichern. In diesem Sinne streben Sport und Kirchen ein Gesamtkonzept "Lebensschule" mit vernetzten Bildungsorten und -formen an.
4. AusblickDie Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) werden weiterhin in regelmässigen Spitzengesprächen über Perspektiven der Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte beraten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz unterstützen die Einsetzung und Förderung kirchlicher Dienste bei sportlichen Grossveranstaltungen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) betrauen die "Gemeinsame Kommission Kirche und Sport" mit der Ausgestaltung ihrer institutionellen Zusammenarbeit und der Umsetzung gemeinsamer Projekte.
zu diesem Thema: ...gerufen worden, den Sonntag in ihren Rechtsvorschriften als Ruhetag zu schützen. In Deutschland ist der Sonntagsschutz im Grundgesetz geregelt. Dort heisst es in Artikel 140: "Der Sonntag ... → Jugendkirche sagt ja zu freiem Sonntag
Sonntagsschutz ist für die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ein gesellschaftliches, also sozialpolitisches Thema, bei dem sich die Kirchen rechtzeitig einmischen sollte ... |
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