Vor 450 Jahren, am 5. Mai 1559, liess Graf Otto IV. in der damaligen Grafschaft Schaumburg zwischen Weser und Steinhuder Meer den evangelischen Glauben einführen. "Das ist das Gründungsdatum unserer Landeskirche", sagt Bischof Jürgen Johannesdotter (65) - auch wenn die heutigen Grenzen sich erst später bildeten. Eigentlich war Graf Otto gar kein glühender Anhänger der Reformation. Durch zwei Brüder, die nacheinander Erzbischöfe von Köln wurden, war er zunächst eng mit der katholischen Kirche verbunden.
Doch der Graf hatte ein Auge auf Prinzessin Elisabeth-Ursula aus Wolfenbüttel geworfen, die seine zweite Frau werden sollte. Und die wollte ihn nur heiraten, wenn sie den lutherischen Hofprediger Jakob Dammann mit nach Stadthagen bringen durfte. "So verdankt Schaumburg-Lippe die Reformation den Frauen", erzählt Johannesdotter mit süffisantem Unterton - und spielt darauf an, dass die heute als konservativ geltende Landeskirche erst 1991 Frauen den Zugang zum Pfarrerberuf eröffnete.
Was 1559 als "Reformation von oben" begann, wurde von der Bevölkerung zunehmend verinnerlicht. Vor allem die Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert habe den lutherischen Glauben tief in der Region verankert, sagt der Bischof. "Die Schaumburger sind fromm, rot und lieben ihren Fürsten", pflegt er zu sagen, auch im Blick auf regionale SPD-Mehrheiten.
Der Nähe zum Fürsten verdanken die Schaumburger ihr auffallendes regionales Selbstbewusstsein. Früher sei der Fürst gemeinsam mit dem Bischof noch persönlich zu jeder Goldenen Hochzeit erschienen. Das lutherische Landeskirchenamt war bis 1968 im Westflügel des Bückeburger Schlosses untergebracht - obwohl das Fürstenhaus durch einen neuen Landesherrn aus dem nahen Lipper Land seit 1647 dem reformierten Zweig des Protestantismus angehörte. Und der Schlossverwalter war zugleich der leitende Jurist der Landeskirche.
1918 erreichten die Schaumburger, dass ihr früheres Fürstentum als winziger Freistaat in der Weimarer Republik erhalten blieb. 1946 ging Schaumburg-Lippe politisch im Land Niedersachsen auf, doch die Landeskirche mit ihren 22 Gemeinden und heute rund 61.000 Mitgliedern auf dem Gebiet eines halben Landkreises blieb bis heute selbstständig und prägt das Heimatgefühl mit.
"Das geht aber nur, solange wir finanziell eigenständig sind", sagt Johannesdotter, der im Oktober in den Ruhestand geht und dann sein Amt an den jetzigen ostfriesischen Superintendenten Karl-Hinrich Manzke weitergibt. 1975 stimmten die Schaumburger sogar mehrheitlich dafür, wieder ein eigenes Bundesland Schaumburg-Lippe zu bilden, konnten sich damit aber nicht durchsetzen.
Zum Reformationsjubiläum gibt sich die Kirche volksnah und setzt auf das Luther-Bier. "Es soll möglichst viele Menschen ansprechen", sagt Braumeister Köpper. Auf dem Rückenetikett findet sich ein Luther-Zitat von der Freiheit eines Christenmenschen. Rund 70.000 Flaschen sind bereits in Umlauf. Schon Luther sei Biertrinker gewesen, macht die Brauerei geltend. Und auch Köpper findet, dass Kirche und Bier gut zusammenpassen: "Die deutsche Bierkultur wurde im Wesentlichen von der Kirche und den Klöstern geprägt."
Die Kirche gibt sich also volksnah, wenn sie am Wochenende vom 21. bis 23. August am Bischofssitz Bückeburg '450 Jahre Reformation in Schaumburg' feiert - mit einem Live-Konzert - bei freiem Eintritt - von Heinz-Rudolf Kunze und Purple Schulz auf dem Marktplatz; mit einem grossen Strassenfest, das sich durch die gesamte Innenstadt vom Marktplatz bis hoch zur Stadtkirche und die angrenzenden Strassen ziehen wird; mit einem Festvortrag der Hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann; mit Theateraufführungen der Wittenberger Historiengruppe; mit Ausstellungen; mit Konzerten; mit Chören; mit Vorstellungen der kirchlichen Arbeit; der Gemeinden; der Initiativen und Gruppen; mit Jugendkirche und vielem mehr ...
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