 Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer lud zu dem Staatsempfang "Ehrenamtlich tätige Mitglieder in Kirchen": Der bayerische Ministerpräsident gab am Montagabend im Festsaal einen Empfang für 1000 ehrenamtlich tätige Mitglieder in Kirchen und Religionsgemeinschaften des Freistaats. Horst Seehofer würdigte die Gläubigen als "wertekompetente Persönlichkeiten und ethisches Rückgrat der Gesellschaft." Jugendkirche zum Beispiel könnte ohne wertekompetente Jugendliche und die aktive Mitwirkung der Heranwachsenden gar nicht auf die Beine gestellt werden. Um so erstaunlicher, dass sich kaum Jugendliche in den ersten Reihen einfinden durften.
Es war der Abend der hehren Bekenntnisse zum Ehrenamt, und wie üblich malten die Redner kraftvolle Metaphern. Ministerpräsident Horst Seehofer wählte das Bild des Samenkorns, aus dem mal ein starker Baum erwachse. "Und Sie setzen die Samen!", sprach er zu den 1000 auserwählten Gläubigen, die diese ausdrückliche Ehrerbietung sichtlich freute. Für seinen Vergleich, ehrenamtlich Tätige in Kirchen und Religionsgemeinschaften seien "als wertekompetente Persönlichkeiten das ethische Rückgrat unserer Gesellschaft", bekam Seehofer viel Applaus. Das Oberhaupt des Erzbistums Bamberg, Seine Exzellenz Ludwig Schick, wählte ein Bild, das im religiösen Diskurs nicht ganz so oft Verwendung findet: Ehrenamtliche seien "der Mörtel zwischen den Steinen, ohne die das Haus unseres Staates nicht bestehen kann". Des Erzbischofs Lob der Selbstlosigkeit gipfelte in dem Wunsch, "dass der Ast lebendig bleibt, auf dem wir alle sitzen". Aber wo blieb dann die Jugend? Johannes Friedrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, gestaltete seine Rede dagegen mit protestantischer Sachlichkeit. Er erinnerte an das "allgemeine Priestertum aller Getauften", welches einen hohen Anteil von Laien in der Kirchenverwaltung zeitige. Das belegt Friedrich zufolge die Bedeutung von Gläubigen, die sich ehrenamtlich engagieren, sei es in den Gemeinden, kirchlichen Gremien oder Verbänden. Letzthin habe er einen Mann getroffen, der seit 70 Jahren die Orgel schlage, erzählte der Landesbischof beeindruckt. "Und sie tönt immer noch jugendlich frisch!" Josef Schuster, Präsident des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, begann mit einer lobenden Erwähnung Ingolstadts, das er bis dato nur von der A9 aus gekannt hatte. Dezent fügte er ein, dass dies die einzige Grossstadt Bayerns ohne jüdische Gemeinde ist. Engagement für das religiöse Leben sei im Judentum seit Jahrtausenden ganz besonders stark ausgeprägt. "Das ist für uns ein Gebot der Liebe." Die Grüsse der Rumänisch-Orthodoxen Kirche überbrachte Seine Exzellenz Serafim Joanta. Er würdigte den Empfang in der Heimatstadt des Ministerpräsidenten als besonders starkes "Zeichen der Verbundenheit" und zugleich als Ansporn. An Seehofer schätzt der Geistliche, "dass er sehr oft gesagt hat, wie wichtig ihm die christliche Prägung der Gesellschaft ist" – und das merke man seiner Politik auch an, lobte Joanta. Apostolos Malamoussis, Erzpriester der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, dankte der Bayerischen Staatsregierung und den Kommunen für deren Beitrag zur religiösen und gesellschaftlichen Integration: "Wir fühlen uns hier sehr wohl!" Er schloss, wie fast alle seine Vorredner, mit der Bitte "um Gottes grossen Segen". Zwischen den eher pastoralen Grussworten unterhielt die Big Band des Gnadenthal-Gymnasiums mit angenehm schmissigen Beiträgen. Nach dem offiziellen Teil standen die 1000 geladenen Gläubigen aus ganz Bayern noch lange beisammen. Die Mitglieder des Augsburger Diözesanrats hat zum Beispiel das Bild vom "ethischen Rückgrat" sehr beeindruckt. Voller Überzeugung wiesen sie auch darauf hin, wie wichtig ihnen die Ökumene sei. Dafür gebe es im Bistum einen eigenen Sachausschuss, Treffen mit Angehörigen der evangelischen Synodalen fänden regelmässig statt, erzählten die Augsburger. Eine grosse Bitte an die Bayerische Staatsregierung haben Bettina Baldauf und Andreas Zweng, die in schöner Festtagstracht aus dem Oberallgäu angereist sind. Sie engagieren sich im Bund der Katholischen Jugend. Ihr Ziel ist "die junge Kirche, die auf die Jugend zugeht und zurückgewinnt". Doch die Politik in Bayern belaste ihre Arbeit zusehends. Die Stichworte: G8 und Studiengebühren. Beides erschwere den Einsatz für die Kirche. "Die jungen Leute müssen viel mehr jobben und können sich weniger ehrenamtlich engagieren", betonen Bettina und Andreas. Ihr frommer Wunsch an den Freistaat lautet daher: "Weg mit den Studiengebühren!" Wohl wahr - doch auch der Anreiz zu einem Gottesdienstbesuch wird gerade im Freistaat durch das Anfeinden von jugendgerechten JuGodis und Jugendkirchen an sich immer noch unnötig erschwert. |