Engagement ist so vielfältig, wie das Leben. Ob im Sport, im Jugend- oder Seniorenclub, bei der Feuerwehr, ob bei freiwilligen sozialen Diensten, in der Kirchgemeinde, den Jugendkirchen, in Chören oder Kunstvereinen, bei Initiativen im Umwelt- oder Tierschutz - ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeit von Gleichgesinnten ist für unser Gemeinwohl ebenso wichtig wie unersetzlich.
Und alle sind sich einig, dass ehrenamtliche Arbeit, die meist sehr zeitintensiv ist, keine finanziellen Nachteile mit sich bringen darf. Ein Jugendlicher bringt es auf den Punkt: "Meine Kumpels jobben in ihrer Freizeit und verdienen ordentlich Kohle, während ich für die Arbeit in unserem Jugendverband noch draufzahle. Das kann nicht sein ..." Deshalb fordern die Jugendverbands-Vertreter von der Regierung weniger Bürokratie bei der Vergabe von Aufwandsentschädigungen und mehr Eigenverantwortung beim Mitteleinsatz für Ehrenamtsförderung. Einzelne Regierungsmitglieder kündigten eine Mittelerhöhung an und bestätigten, dass die Verbände im Landesjugendring davon wieder einen erheblichen Teil erhalten werden. Die Vorschläge der Jugendlichen, Vergünstigungen beim BAföG oder im Steuerrecht oder Anerkennungszeiten für die Rente einzuführen, wurde jedoch kategorisch abgelehnt.
These: Eine professionell geführte Jugendkirche darf sich nicht auf Ehrenamtliche verlassen ...
- Eine professionelle JuKi muss auf Ehrenamtliche bauen können, darf sich aber nicht nur auf sie verlassen.
- Ehrenamtliche müssen sich auf Hauptamtliche "verlassen" können.
- Die JuKi als Institution ist ohne Ehrenamtliche verlassen.
- Professionalität ergibt sich allein aus dem Zusammenspiel von Ehren-, Neben- & Hauptamtlichen. Hauptamtliche bringen Ausbildungswissen, Ehrenamtliche bringen Impulse & Potentiale der Gesellschaft mit (ohne diese wird die Institution schnell "betriebsblind").
- Institutionen müssen Ehrenamtlichen Vertrauen entgegenbringen und gerecht ihre Aufgaben verteilen. Die Ehrenamtlichen müssen gewissenhaft Verantwortung übernehmen und Unterstützung bei Hauptamtlichen suchen.
- Bestimmte Aufgaben müssen an Ehrenamtliche abgegeben werden, weil sie sonst nicht geleistet werden können (Zeit+Geldmangel)
... oder sie vielleicht auch viel besser von einigen Ehrenamtlichen gemacht werden kann (vorhandene Kompetenz sinnvoll nutzen). Das gilt wohl auch für Jugendliche, wo noch viele unentdeckte Potentiale schlummern ... und wer fragt, finanziert die Renovierung der JuKi-Einrichtung u.U. auch für die Hälfte...
In jedem Fall sind die Juki-Projekte auch Experimentierfeld, benötigen das Engagement der Jugendlichen und somit ihre ehrenamtliche Mitarbeit. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, Gebäude zu renovieren, sie zur Verfügung zu stellen, sie mit dem Begriff Jugendkirche zu versehen und dann darauf zu warten, das die Jugend nur so strömt. Ohne die aktive Mitarbeit der Jugendlichen werden die angestrebten christlichen Inhalte nicht vermittelbar sein, wird der missionarische Auftrag der JuKi verpuffen. Denn trotz aller niederschwelligen Angebote und jugendkulturellen Events hat eine Jugendkirche genau das zu bewirken: Transponieren des Glaubens in die Basis einer zukünftigen Erwachsenenkirche, der heutigen JuKi.
"Heute haben Jugendliche einen sehr vollen Terminkalender. Sie an eine Gruppe zu binden, ist schwierig. Sie für Events wie den Weltjugendtag zu begeistern, ist wesentlich leichter. Diese grossen Veranstaltungen haben eine grosse Anziehungskraft", so der Erzbischof von Hamburg und Vorsitzender der Unterkommission Misereor bei der Deutschen Bischofskonferenz, Werner Thissen. "Ich habe als Jugendlicher gern bei der Kirche mitgemacht, weil ich dort Freunde getroffen habe. Das ist noch kein sehr frommer Grund. Ich habe gern Fussball gespielt, aber schnell gemerkt, dass Kirche mehr ist - es um andere Fragen geht. Und das wollen wir den Jugendlichen vermitteln."