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Vorbemerkung Die diözesanen Eckpunkte für die Kirchen der Jugend im Bistum Trier stecken den Rahmen ab, innerhalb dessen die konzeptionelle und konkrete Weiterarbeit an den jeweiligen Kirchen der Jugend in Koblenz, Saarbrücken und auf der Marienburg erfolgen soll. In diesem Papier werden die gemeinsamen Grundüberlegungen zusammengetragen und auf der Grundlage des Papiers „Struktur der Fachstellen im Kontext der Jugendpastoral im Bistum Trier“1 weiterentwickelt.2
1. Kirche der Jugend – mehr als ein Kirchenraum für Jugendliche Mit den Kirchen der Jugend in Koblenz, Saarbrücken und auf der Marienburg antwortet das Bistum Trier auf die Herausforderungen der Jugendpastoral durch die heutigen Lebenswirklichkeiten von Jugendlichen und die vielfältigen Formen moderner Jugendkulturen. Hier gibt es Kommunikations- und Vermittlungsbedarf zwischen den Ausdrucksformen der Kirche und dem, wie Jugendliche ihr Leben gestalten und zu bewältigen versuchen.3 Ausgehend von der Lebenswirklichkeit Jugendlicher wird versucht, eine Brücke zwischen Lebenswelt und Kultur der Jugendlichen einerseits und der Botschaft des Evangeliums und dem Leben der Kirche andererseits zu schlagen.
Kirche der Jugend benötigt
die Offenheit und Bereitschaft,
die ästhetischen
Ausdrucksformen der Inszenierung
des Glaubens
Jugendlicher zu ermöglichen. 2. Grundlegende Merkmale
Durch die Benennung Kirche der Jugend will das Bistum Trier die von ihm
installierten Einrichtungen von anderen „Jugendkirchen“ unterscheiden, die sich an
anderen Orten im Bistum als Projekte von Gemeinden und Dekanaten bilden. Zudem
setzt die Konzeption einer Kirche der Jugend einen anderen Akzent gegenüber den
vielfältigen Projekten von Jugendkirchen im deutschsprachigen Raum.
Mit dem Experimentier- und Lernfeld der Kirche der Jugend löst das Bistum Trier
die vielerorts bereits getroffene Option für die Jugend ein. Die gewählte
Bezeichnung „Kirche der Jugend“ ist eine bewusste Akzentuierung. Im Unterschied
zu einer angebotsorientierten „Kirche für die Jugend“ will „Kirche der Jugend“ im
Geist des Evangeliums der Ermutigung und der Subjektwerdung Jugendlicher
dienen. Durch Partizipation sollen Jugendliche dabei zu einem selbstverantworteten
Christsein und Glauben finden. Kirche der Jugend konstituiert
sich durch
Glaubenskommunikation,
Spiritualität, Jugendkultur,
Flexibilität, Partizipation
und Kooperation.
1 Beraten und verabschiedet vom Bischöflichen Rat am 13.07.2005 und der
Hauptabteilungsleiterkonferenz am 19.07.2005.
2 Die lebensweltlichen Bedingungen heutiger Jugendlicher und die daraus abgeleiteten theologischen und
pädagogischen Handlungsgrundlagen sind dargelegt in „Leitlinien für das Bistum Trier – Ziele und
Aufgaben kirchlicher Kinder- und Jugendarbeit“.
3 Zur theologischen und pastoralen Grundlegung von Jugendkirchen vgl. die Ausführungen von Dr. Hans
Hobelsberger, Referent für Jugendpastorale Bildung bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der
Deutschen Bischofskonferenz afj. Er ist wissenschaftlicher Berater der Jugendkirchen TABGHA in
Oberhausen und effata! in Münster. Vgl. H. Hobelsberger, Experiment Jugendkirche – pädagogische
und jugendpastorale Ansätze, in: Hobelsberger, H. u.a. (Hg.), Experiment Jugendkirche. Event und
Spiritualität, Kevelaer 2003, 17-49 und H. Hobelsberger, Jugendkirche. Auf der Suche nach
jugendkulturellen Ausdrucksformen des Glaubens, in: Lebendige Seelsorge 4/2004. Weitere
Grundüberlegungen zum Thema Jugendkirchen finden sich in Freitag, M./Scharnberg, Ch. (Hg.),
Innovation Jugendkirche. Konzepte und Know-How, Hannover/Kevelaer 2006. Die diesem
diözesanen Eckpunktepapier zugrunde liegende Theologie einer Kirche der Jugend findet sich bei E.
Klinger, ‚Gaudium et spes’ – die Basis und das Strategiepapier einer Kirche der Jugend, in:
Hobelsberger, H./Lechner, M./Tzscheetzsch, W. (Hrsg.), Ziele und Aufgaben kirchlicher
Jugendarbeit, München 1996, 21-34. Sie will ihnen Möglichkeiten der Unterscheidung, der reflektierten Distanzierung
sowie der Ruhe und Beheimatung bieten.
Kirche der Jugend zeichnet sich besonders durch folgende Merkmale aus:
Sie ist personales Angebot. Kirche der Jugend ist gekennzeichnet durch ein
verlässliches, kontinuierliches, personales Angebot im Sinne der Würzburger
Synode.4 Für die Jugendlichen wird Kirche im Dialog mit den konkreten
Personen vor Ort (Jugendpfarrer, weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
FachstellePlus und andere) präsent und erfahrbar. In besonderer Weise soll
Kirche in der Person des Jugendpfarrers an der Kirche der Jugend ein Gesicht
erhalten. Sowohl im Beziehungsangebot als auch im gottesdienstlichen
Handeln zeigt sich dies in besonderer Weise.
Kirche der Jugend baut auf
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
die für die Jugendlichen
ansprechbar und für
ihre Lebenslagen und Lebens-
und Glaubensfragen
offen sind.
Sie setzt auf Partizipation. Jugendliche sollen als Subjekte kirchlichen Handelns mit ihrem Bedürfnis nach Gestaltung und Selbstbestimmung ernst genommen werden. Denn sie wehren sich gegen Vereinnahmungs- und Enteignungstendenzen. Voraussetzung für eine Tradierung und eine lebendige Gestaltung des christlichen Glaubens ist es also, den Lebenslagen von Jugendlichen, ihren Ängste und Sorgen, ihren biographischen Fragen, ihren spezifischen Ausdrucksformen und auch ihrer Religiosität bzw. Spiritualität einen eigenen Raum zu geben. Die Anfragen und Impulse, die von Jugendlichen ausgehen, sind lebensnotwendig für eine Kirche, die im Kontext der Zeit das Evangelium verkündigen möchte. Dies erfordert eine starke Beteiligung von Jugendlichen in der Gestaltung und Planung der Kirche der Jugend.
Kirche der Jugend handelt subjekt orientiert, emanzipatorisch und partizipativ. Sie ermöglicht Aneignung. Aneignung bedeutet hier, die vorgefundenen
Inhalte und Symbole christlichen Glaubens zu bearbeiten, darin Lebensrelevanz
zu entdecken und eventuell eigene Ausdrucksformen zu finden.
Somit wird in den Kirchen der Jugend für den christlichen Glauben eine
jugendgemäße Darstellung und Aufbereitung angestrebt, so dass sie als
nachhaltig, also lebens- und alltagsrelevant erkannt werden kann. Jugendliche,
die sich in der Kirche der Jugend christliche Lebens- und Glaubensformen
aneignen, werden selbst zu Verkünderinnen und Verkündern. Sie sind ihren
Altersgenossinnen und –genossen damit die profiliertesten Zeuginnen und
Zeugen sowie Katechetinnen und Katecheten. Die Kirche der Jugend bietet
jungen Menschen einen eigenen Kirchen-Raum an, in den sie sich einbringen
und den sie gestalten können. In diesem Raum können Jugendliche ihr Leben
in den Blick nehmen und ihren Glauben jugendspezifisch ausdrücken. Andere
Jugendlichen werden hier zum ersten Mal konfrontiert mit der befreienden
und Identität stiftenden Botschaft von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu
Christi und der ganzen Botschaft der Kirche.
Kirche der Jugend braucht
ein Gebäude, in dem
Beheimatung möglich ist
und der Glaube symbolhaft
zum Ausdruck kommen
kann.
Sie bietet ein Experimentier- und Lernfeld religiöser Bildung und
christlichen Lebens. Kirche der Jugend zeichnet sich, wie gesagt, aus durch
einen Respekt vor der Subjekthaftigkeit der Jugendlichen und ihren
spezifischen
4 Vgl. Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Beschluss: Jugendarbeit, 4.1 Das „personale Angebot“: „Daher kommt es in der kirchlichen Jugendarbeit entscheidend darauf an, dass die Botschaft den Jugendlichen in glaubwürdigen Menschen begegnet – in Gleichaltrigen ebenso wie in Erwachsenen, Priestern und hauptamtlichen Mitarbeitern, die den in kritischer Distanz stehenden, fragenden und suchenden Jugendlichen den Zugang zu Glauben und Kirche möglich machen.“
Ausdrucksformen. Musik spielt im Alltag Jugendlicher eine große Rolle. Sie ist als wichtige jugendkulturelle5 Ausdrucksform beim Brückenschlag zwischen Jugendkulturen und Kirche besonders zu beachten. Auf den Handlungsebenen der Kirche der Jugend muss diesem Rechnung getragen werden. Eine gute Kooperation mit dem Referat Kirchenmusik und den Regionalkantoren ist anzustreben. Kirchen der Jugend schaffen kommunikative und aktive Räume für religiöses Handeln und Erleben. Für den Austausch von Lebens- und Glaubenswissen stellen sie Kommunikationsforen zur Verfügung. Ziel und Mittelpunkt christlicher Glaubensbildung ist die subjektiv angeeignete Heilsgeschichte, die Identität stärkend auf die eigene und soziale Lebensgeschichte eingeht und sich im Zeugnis und im Einsatz für die Anderen manifestiert. In der Kirche der Jugend lernen Jugendliche zudem unterschiedlichste Zugänge zur Spiritualität kennen, entdecken gottesdienstliche Formen und Zugänge zum Gebet.
Sie bindet sich vor Ort ein. Kirche der Jugend will nicht das Monopol auf
spirituelle Angebote an ihren Standorten. Sie zeichnet sich hingegen durch
einen Modellcharakter für die anderen Gemeinden und Dekanate im
Zuständigkeitsbereich der FachstellenPlus und im Visitationsbezirk aus. Für
ein gutes Gelingen der Kirche der Jugend ist eine gute und intensive
Zusammenarbeit und ein gutes Miteinander von Pfarrei(en), Dekanaten,
Jugendverbänden, Ordensgemeinschaften, Schulseelsorge, Hochschulgemeinde
usw. und den weiteren Akteuren im Umfeld der Kirchen der Jugend nötig.
Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der FachstellePlus arbeiten mit den
Dekanaten in der Beratung von Jugendkirchen im Visitationsbezirk zusammen
und bringen dabei ihre Erfahrungen und Kenntnisse ein. Verbindliche
Kooperationsvereinbarungen und kontinuierliche Kontakt- und
Kooperationsgespräche sind unabdingbar. Ziel ist eine große Vernetzung mit
den Akteuren in diesem Bereich.
Sie ist eine wichtige Ergänzung im bunten Feld katholischer Jugendarbeit, aber kein Ersatz und keine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten.
3. Angebotsformen und Zielgruppen
Das Angebot der Kirche der Jugend ist auf drei verschiedenen Handlungsebenen
anzusiedeln:
1. kontinuierliche Angebote (z.B.: Jugendmesse, Meditationsgottesdienste);
2. Projekte und Aktionen (z.B. Ausstellungen; Jugendmusical);
3. außergewöhnlich-innovative „Events“.
Die Angebote der Kirche der Jugend richten sich an alle Jugendlichen und jungen
Erwachsenen6 vor Ort in den jeweiligen Dekanaten. Das Spektrum der Angebote auf
den drei Handlungsebenen ermöglicht, dass sowohl kirchlich sozialisierte und
Kirche der Jugend ist für
Jugendliche da - aber auch
sie wird der Tatsache ins
Auge sehen müssen, dass
nicht jede Jugendkultur für
das Evangelium anschlussfähig
ist oder sein will.
5 Sogenannte „Jugendkulturen sind vielfach ambivalent: Sie sind oft nicht das Ergebnis eines subjektiven Handelns. Sie stehen häufig unter dem Druck von Konsumorientierung, sind zudem Inszenierungen von Über- und Unterordnung und Konkurrenz und offen nur für diejenigen, die sich aufgrund persönlicher und materieller Mittel „in Szene setzen“ können. Beim Anschluss an jugendliche Lebenswelten ist deshalb auf das Verhältnis zwischen den gesellschaftlichen Lebenslagen Jugendlicher und ihrem kulturellen Ausdruck zu achten. 6 Analog zum KJHG § 7 liegt die Altersspanne zwischen 14 und 27 Jahren. kirchlich engagierte Jugendliche als auch die so genannten „Fernstehenden“
angesprochen werden können.
Durch Experimente mit jugendkulturellen Symboliken und Ausdrucksformen können
auch die Milieus fokussiert werden, die von Veranstaltungen auf Pfarreiebene nicht
erreicht werden. 7
Eine große und breite Angebotsvielfalt sowie viele Gestaltungsfreiräume werden
angestrebt: Gruppen- und Gottesdienstangebote, offene Treffpunkte, Projekte,
jugendkulturelle Experimente mit Erlebnischarakter u.v.a.m., die für die
Jugendpastoral der Pfarreien und Dekanate Modellcharakter haben können. Aus den
Erfahrungen der Kirche der Jugend können sich dort liturgische Formen, spirituelle
Angebote und ein neues Verständnis von Katechese entwickeln. Damit zeigt die
Kirche der Jugend beispielhaft und konzeptionell Wege und Möglichkeiten für die
Jugendpastoral an anderen Orten im Bistum auf.
4. PR- und Öffentlichkeitsarbeit
Die Kirche der Jugend braucht eine sowohl den Ansprüchen einer professionellen
Öffentlichkeitsarbeit genügende als auch eine zielgruppenadäquate PR- und
Öffentlichkeitsarbeit. Im Hinblick auf die Zielgruppe geht es darum, die partizipative
Ausrichtung zu verdeutlichen und eine Kommunikationsstruktur aufzubauen.
Es gibt ein gemeinsames Label Kirche der Jugend auf Diözesanebene. Ein
entsprechendes Rahmenkonzept ist in Absprache mit den verantwortlichen Stellen
im Bistum zu erarbeiten. Vor Ort wird dieses kreativ umgesetzt.
5. Personelle und finanzielle Ausstattung
Die Kirche der Jugend im Bistum Trier ist an die jeweiligen FachstellenPlus
Koblenz, Saarbrücken und Marienburg angebunden. Die Aufgaben der Kirche der
Jugend nehmen jeweils ein Jugendpfarrer und ein Theologischer Referent der
FachstellePlus wahr. Projekt- und angebotsbezogen werden auch die anderen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachstellen Plus hinzugezogen. Hierbei
ergänzen sich die pädagogischen und theologischen Profile der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter.
Der Bistumszuschuss zu der jeweiligen Kirche der Jugend beträgt 20.000,- €/p.a.8 an
Sachkosten. Um darüber hinausgehende Kosten für Projekte und
Eventveranstaltungen zu decken, ist ein Sponsoring notwendig, das die jeweilige
FachstellePlus vor Ort akquirieren muss.
6. Evaluation und Begleitung
Damit der Experimentierraum Kirche der Jugend zu einem Lernfeld werden kann,
genießt das Projekt die inhaltliche und materielle Unterstützung und Rückendeckung
seitens des Bistums. Die Konzeptentwicklung wird begleitet durch das Referat
Jugendpastorale Bildung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen
Bischofskonferenz afj. Eine Zwischenevaluation nach drei Jahren und eine
abschließende externe Evaluation der Kirche der Jugend nach sieben Jahren sollen
eine langfristige Perspektive dieser Einrichtung der Jugendpastoral sowie deren
Qualität sicherstellen.
Trier, den 12.01.2007
Dr. Georg Holkenbrink
Generalvikar
7 Gemeint sind hier jene SINUS-Milieus, die durch die „klassische Pastoral“ kaum oder gar nicht erreicht werden; etwa „Moderne Performer“ (Sinus c12), Experimentalisten (Sinus c2), Postmaterielle (Sinus b12) oder Hedonisten (Sinus bc3). 8 Sofern es die Haushaltslage zulässt.
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