Jugendkirche Aktuell Jugendkirchen Netzwerk
 
 

Rahmenrichtlinie Diözesane Eckpunkte für die Kirche der Jugend im Bistum Trier PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 11. Januar 2007

 

Vorbemerkung


Die diözesanen Eckpunkte für die Kirchen der Jugend im Bistum Trier stecken den
Rahmen ab, innerhalb dessen die konzeptionelle und konkrete Weiterarbeit an den
jeweiligen Kirchen der Jugend in Koblenz, Saarbrücken und auf der Marienburg
erfolgen soll. In diesem Papier werden die gemeinsamen Grundüberlegungen
zusammengetragen und auf der Grundlage des Papiers „Struktur der Fachstellen im
Kontext der Jugendpastoral im Bistum Trier“1 weiterentwickelt.2

 

1. Kirche der Jugend – mehr als ein Kirchenraum für Jugendliche


Mit den Kirchen der Jugend in Koblenz, Saarbrücken und auf der Marienburg
antwortet das Bistum Trier auf die Herausforderungen der Jugendpastoral durch die
heutigen Lebenswirklichkeiten von Jugendlichen und die vielfältigen Formen
moderner Jugendkulturen. Hier gibt es Kommunikations- und Vermittlungsbedarf
zwischen den Ausdrucksformen der Kirche und dem, wie Jugendliche ihr Leben
gestalten und zu bewältigen versuchen.3
Ausgehend von der Lebenswirklichkeit Jugendlicher wird versucht, eine Brücke
zwischen Lebenswelt und Kultur der Jugendlichen einerseits und der Botschaft des
Evangeliums und dem Leben der Kirche andererseits zu schlagen.

Kirche der Jugend benötigt

die Offenheit und Bereitschaft,

die ästhetischen

Ausdrucksformen der Inszenierung

des Glaubens

Jugendlicher zu ermöglichen.

2. Grundlegende Merkmale

Durch die Benennung Kirche der Jugend will das Bistum Trier die von ihm

installierten Einrichtungen von anderen „Jugendkirchen“ unterscheiden, die sich an

anderen Orten im Bistum als Projekte von Gemeinden und Dekanaten bilden. Zudem

setzt die Konzeption einer Kirche der Jugend einen anderen Akzent gegenüber den

vielfältigen Projekten von Jugendkirchen im deutschsprachigen Raum.

Mit dem Experimentier- und Lernfeld der Kirche der Jugend löst das Bistum Trier

die vielerorts bereits getroffene Option für die Jugend ein. Die gewählte

Bezeichnung „Kirche der Jugend“ ist eine bewusste Akzentuierung. Im Unterschied

zu einer angebotsorientierten „Kirche für die Jugend“ will „Kirche der Jugend“ im

Geist des Evangeliums der Ermutigung und der Subjektwerdung Jugendlicher

dienen. Durch Partizipation sollen Jugendliche dabei zu einem selbstverantworteten

Christsein und Glauben finden.

 

Kirche der Jugend konstituiert

sich durch

Glaubenskommunikation,

Spiritualität, Jugendkultur,

Flexibilität, Partizipation

und Kooperation.


 




1 Beraten und verabschiedet vom Bischöflichen Rat am 13.07.2005 und der

Hauptabteilungsleiterkonferenz am 19.07.2005.

2 Die lebensweltlichen Bedingungen heutiger Jugendlicher und die daraus abgeleiteten theologischen und

pädagogischen Handlungsgrundlagen sind dargelegt in „Leitlinien für das Bistum Trier – Ziele und

Aufgaben kirchlicher Kinder- und Jugendarbeit“.

3 Zur theologischen und pastoralen Grundlegung von Jugendkirchen vgl. die Ausführungen von Dr. Hans

Hobelsberger, Referent für Jugendpastorale Bildung bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der

Deutschen Bischofskonferenz afj. Er ist wissenschaftlicher Berater der Jugendkirchen TABGHA in

Oberhausen und effata! in Münster. Vgl. H. Hobelsberger, Experiment Jugendkirche – pädagogische

und jugendpastorale Ansätze, in: Hobelsberger, H. u.a. (Hg.), Experiment Jugendkirche. Event und

Spiritualität, Kevelaer 2003, 17-49 und H. Hobelsberger, Jugendkirche. Auf der Suche nach

jugendkulturellen Ausdrucksformen des Glaubens, in: Lebendige Seelsorge 4/2004. Weitere

Grundüberlegungen zum Thema Jugendkirchen finden sich in Freitag, M./Scharnberg, Ch. (Hg.),

Innovation Jugendkirche. Konzepte und Know-How, Hannover/Kevelaer 2006. Die diesem

diözesanen Eckpunktepapier zugrunde liegende Theologie einer Kirche der Jugend findet sich bei E.

Klinger, ‚Gaudium et spes’ – die Basis und das Strategiepapier einer Kirche der Jugend, in:

Hobelsberger, H./Lechner, M./Tzscheetzsch, W. (Hrsg.), Ziele und Aufgaben kirchlicher

Jugendarbeit, München 1996, 21-34.


Sie will ihnen Möglichkeiten der Unterscheidung, der reflektierten Distanzierung

sowie der Ruhe und Beheimatung bieten.

Kirche der Jugend zeichnet sich besonders durch folgende Merkmale aus:



􀂃 Sie ist personales Angebot. Kirche der Jugend ist gekennzeichnet durch ein

verlässliches, kontinuierliches, personales Angebot im Sinne der Würzburger

Synode.4 Für die Jugendlichen wird Kirche im Dialog mit den konkreten

Personen vor Ort (Jugendpfarrer, weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

FachstellePlus und andere) präsent und erfahrbar. In besonderer Weise soll

Kirche in der Person des Jugendpfarrers an der Kirche der Jugend ein Gesicht

erhalten. Sowohl im Beziehungsangebot als auch im gottesdienstlichen

Handeln zeigt sich dies in besonderer Weise.

 

Kirche der Jugend baut auf

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die für die Jugendlichen

ansprechbar und für

ihre Lebenslagen und Lebens-

und Glaubensfragen

offen sind.


􀂃 Sie setzt auf Partizipation. Jugendliche sollen als Subjekte kirchlichen
Handelns mit ihrem Bedürfnis nach Gestaltung und Selbstbestimmung ernst
genommen werden. Denn sie wehren sich gegen Vereinnahmungs- und
Enteignungstendenzen. Voraussetzung für eine Tradierung und eine lebendige
Gestaltung des christlichen Glaubens ist es also, den Lebenslagen von
Jugendlichen, ihren Ängste und Sorgen, ihren biographischen Fragen, ihren
spezifischen Ausdrucksformen und auch ihrer Religiosität bzw. Spiritualität
einen eigenen Raum zu geben. Die Anfragen und Impulse, die von
Jugendlichen ausgehen, sind lebensnotwendig für eine Kirche, die im Kontext
der Zeit das Evangelium verkündigen möchte. Dies erfordert eine starke
Beteiligung von Jugendlichen in der Gestaltung und Planung der Kirche der
Jugend.


Kirche der Jugend handelt
subjekt orientiert, emanzipatorisch
und partizipativ.

􀂃 Sie ermöglicht Aneignung. Aneignung bedeutet hier, die vorgefundenen

Inhalte und Symbole christlichen Glaubens zu bearbeiten, darin Lebensrelevanz

zu entdecken und eventuell eigene Ausdrucksformen zu finden.

Somit wird in den Kirchen der Jugend für den christlichen Glauben eine

jugendgemäße Darstellung und Aufbereitung angestrebt, so dass sie als

nachhaltig, also lebens- und alltagsrelevant erkannt werden kann. Jugendliche,

die sich in der Kirche der Jugend christliche Lebens- und Glaubensformen

aneignen, werden selbst zu Verkünderinnen und Verkündern. Sie sind ihren

Altersgenossinnen und –genossen damit die profiliertesten Zeuginnen und

Zeugen sowie Katechetinnen und Katecheten. Die Kirche der Jugend bietet

jungen Menschen einen eigenen Kirchen-Raum an, in den sie sich einbringen

und den sie gestalten können. In diesem Raum können Jugendliche ihr Leben

in den Blick nehmen und ihren Glauben jugendspezifisch ausdrücken. Andere

Jugendlichen werden hier zum ersten Mal konfrontiert mit der befreienden

und Identität stiftenden Botschaft von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu

Christi und der ganzen Botschaft der Kirche.



Kirche der Jugend braucht

ein Gebäude, in dem

Beheimatung möglich ist

und der Glaube symbolhaft

zum Ausdruck kommen

kann.



􀂃 Sie bietet ein Experimentier- und Lernfeld religiöser Bildung und

christlichen Lebens.

Kirche der Jugend zeichnet sich, wie gesagt, aus durch

einen Respekt vor der Subjekthaftigkeit der Jugendlichen und ihren

spezifischen



4 Vgl. Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Beschluss: Jugendarbeit, 4.1
Das „personale Angebot“: „Daher kommt es in der kirchlichen Jugendarbeit entscheidend darauf an,
dass die Botschaft den Jugendlichen in glaubwürdigen Menschen begegnet – in Gleichaltrigen ebenso
wie in Erwachsenen, Priestern und hauptamtlichen Mitarbeitern, die den in kritischer Distanz
stehenden, fragenden und suchenden Jugendlichen den Zugang zu Glauben und Kirche möglich
machen.“


Ausdrucksformen. Musik spielt im Alltag Jugendlicher eine große Rolle. Sie
ist als wichtige jugendkulturelle5 Ausdrucksform beim Brückenschlag
zwischen Jugendkulturen und Kirche besonders zu beachten. Auf den
Handlungsebenen der Kirche der Jugend muss diesem Rechnung getragen
werden. Eine gute Kooperation mit dem Referat Kirchenmusik und den
Regionalkantoren ist anzustreben.
Kirchen der Jugend schaffen kommunikative und aktive Räume für religiöses
Handeln und Erleben. Für den Austausch von Lebens- und Glaubenswissen
stellen sie Kommunikationsforen zur Verfügung. Ziel und Mittelpunkt
christlicher Glaubensbildung ist die subjektiv angeeignete Heilsgeschichte, die
Identität stärkend auf die eigene und soziale Lebensgeschichte eingeht und
sich im Zeugnis und im Einsatz für die Anderen manifestiert. In der Kirche
der Jugend lernen Jugendliche zudem unterschiedlichste Zugänge zur
Spiritualität kennen, entdecken gottesdienstliche Formen und Zugänge zum
Gebet.



􀂃 Sie bindet sich vor Ort ein. Kirche der Jugend will nicht das Monopol auf

spirituelle Angebote an ihren Standorten. Sie zeichnet sich hingegen durch

einen Modellcharakter für die anderen Gemeinden und Dekanate im

Zuständigkeitsbereich der FachstellenPlus und im Visitationsbezirk aus. Für

ein gutes Gelingen der Kirche der Jugend ist eine gute und intensive

Zusammenarbeit und ein gutes Miteinander von Pfarrei(en), Dekanaten,

Jugendverbänden, Ordensgemeinschaften, Schulseelsorge, Hochschulgemeinde

usw. und den weiteren Akteuren im Umfeld der Kirchen der Jugend nötig.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der FachstellePlus arbeiten mit den

Dekanaten in der Beratung von Jugendkirchen im Visitationsbezirk zusammen

und bringen dabei ihre Erfahrungen und Kenntnisse ein. Verbindliche

Kooperationsvereinbarungen und kontinuierliche Kontakt- und

Kooperationsgespräche sind unabdingbar. Ziel ist eine große Vernetzung mit

den Akteuren in diesem Bereich.

Sie ist eine wichtige
Ergänzung im bunten Feld
katholischer Jugendarbeit,
aber kein Ersatz und keine
Konkurrenz zu bestehenden
Angeboten.




3. Angebotsformen und Zielgruppen

Das Angebot der Kirche der Jugend ist auf drei verschiedenen Handlungsebenen

anzusiedeln:

1. kontinuierliche Angebote (z.B.: Jugendmesse, Meditationsgottesdienste);

2. Projekte und Aktionen (z.B. Ausstellungen; Jugendmusical);

3. außergewöhnlich-innovative „Events“.

Die Angebote der Kirche der Jugend richten sich an alle Jugendlichen und jungen

Erwachsenen6 vor Ort in den jeweiligen Dekanaten. Das Spektrum der Angebote auf

den drei Handlungsebenen ermöglicht, dass sowohl kirchlich sozialisierte und



Kirche der Jugend ist für

Jugendliche da - aber auch

sie wird der Tatsache ins

Auge sehen müssen, dass

nicht jede Jugendkultur für

das Evangelium anschlussfähig

ist oder sein will.





 5 Sogenannte „Jugendkulturen sind vielfach ambivalent: Sie sind oft nicht das Ergebnis eines subjektiven
Handelns. Sie stehen häufig unter dem Druck von Konsumorientierung, sind zudem Inszenierungen von
Über- und Unterordnung und Konkurrenz und offen nur für diejenigen, die sich aufgrund persönlicher und
materieller Mittel „in Szene setzen“ können. Beim Anschluss an jugendliche Lebenswelten ist deshalb auf
das Verhältnis zwischen den gesellschaftlichen Lebenslagen Jugendlicher und ihrem kulturellen Ausdruck
zu achten.
6 Analog zum KJHG § 7 liegt die Altersspanne zwischen 14 und 27 Jahren.

 

kirchlich engagierte Jugendliche als auch die so genannten „Fernstehenden“

angesprochen werden können.

Durch Experimente mit jugendkulturellen Symboliken und Ausdrucksformen können

auch die Milieus fokussiert werden, die von Veranstaltungen auf Pfarreiebene nicht

erreicht werden. 7

Eine große und breite Angebotsvielfalt sowie viele Gestaltungsfreiräume werden

angestrebt: Gruppen- und Gottesdienstangebote, offene Treffpunkte, Projekte,

jugendkulturelle Experimente mit Erlebnischarakter u.v.a.m., die für die

Jugendpastoral der Pfarreien und Dekanate Modellcharakter haben können. Aus den

Erfahrungen der Kirche der Jugend können sich dort liturgische Formen, spirituelle

Angebote und ein neues Verständnis von Katechese entwickeln. Damit zeigt die

Kirche der Jugend beispielhaft und konzeptionell Wege und Möglichkeiten für die

Jugendpastoral an anderen Orten im Bistum auf.

4. PR- und Öffentlichkeitsarbeit

Die Kirche der Jugend braucht eine sowohl den Ansprüchen einer professionellen

Öffentlichkeitsarbeit genügende als auch eine zielgruppenadäquate PR- und

Öffentlichkeitsarbeit. Im Hinblick auf die Zielgruppe geht es darum, die partizipative

Ausrichtung zu verdeutlichen und eine Kommunikationsstruktur aufzubauen.

Es gibt ein gemeinsames Label Kirche der Jugend auf Diözesanebene. Ein

entsprechendes Rahmenkonzept ist in Absprache mit den verantwortlichen Stellen

im Bistum zu erarbeiten. Vor Ort wird dieses kreativ umgesetzt.

5. Personelle und finanzielle Ausstattung

Die Kirche der Jugend im Bistum Trier ist an die jeweiligen FachstellenPlus

Koblenz, Saarbrücken und Marienburg angebunden. Die Aufgaben der Kirche der

Jugend nehmen jeweils ein Jugendpfarrer und ein Theologischer Referent der

FachstellePlus wahr. Projekt- und angebotsbezogen werden auch die anderen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachstellen Plus hinzugezogen. Hierbei

ergänzen sich die pädagogischen und theologischen Profile der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter.

Der Bistumszuschuss zu der jeweiligen Kirche der Jugend beträgt 20.000,- €/p.a.8 an

Sachkosten. Um darüber hinausgehende Kosten für Projekte und

Eventveranstaltungen zu decken, ist ein Sponsoring notwendig, das die jeweilige

FachstellePlus vor Ort akquirieren muss.

6. Evaluation und Begleitung

Damit der Experimentierraum Kirche der Jugend zu einem Lernfeld werden kann,

genießt das Projekt die inhaltliche und materielle Unterstützung und Rückendeckung

seitens des Bistums. Die Konzeptentwicklung wird begleitet durch das Referat

Jugendpastorale Bildung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen

Bischofskonferenz afj. Eine Zwischenevaluation nach drei Jahren und eine

abschließende externe Evaluation der Kirche der Jugend nach sieben Jahren sollen

eine langfristige Perspektive dieser Einrichtung der Jugendpastoral sowie deren

Qualität sicherstellen.

Trier, den 12.01.2007

 

Dr. Georg Holkenbrink

Generalvikar


 


7 Gemeint sind hier jene SINUS-Milieus, die durch die „klassische Pastoral“ kaum oder gar nicht erreicht
werden; etwa „Moderne Performer“ (Sinus c12), Experimentalisten (Sinus c2), Postmaterielle (Sinus
b12) oder Hedonisten (Sinus bc3).
8 Sofern es die Haushaltslage zulässt.



 

 
< zurück   weiter >



 

powered by mambo open source

 
Buchtipp aktuell

 

Stühle



Empfehlung:

surfmusik
Webradios, z.B. J-Star-Radio (christlicher Pop)


 
Hauptmenü
Jugendkirche AKTUELL
Jugendkirche ORTE
Jugendkirche KONZEPTE
Archiv
News & Infos
Dokumente
Jobs in den Jukis
Gästebuch
Projekte
ÜBER UNS
Kontakt
Impressum
Sitemap
WebLinks
Wegebeschreibung

Anmeldung





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
Suchen
Zu den Favoriten
 
 

Aktuell 3 Gäste online.




Webdesign Frankfurt